264 Sternkunde bey den Pythagoraern,
stecken. Seinen Zuhörern, die hauffenweise aus frem-den Ländern zu ihm eilten, trug er seine Lehren unter lau-ter Bildern vor, und die darunter verborgene Wahrheitentdeckte er bloß seinen auserwählten Schülern. Denndarinne, daß man die nackende Wahrheit nicht dem ge-meinen Volke ohne zweydeutige Hüllen vorkragen müsse,stimmen alle Philosophen des Alterthumö überein: nichtdeswegen, als ob die Wahrheit in ihrer natürlichen Ge-stalt zu erröthen Ursache habe, sondern weil die Augendes Pöbels den Hellen Glanz derselben nicht vertragenkönnen.
Diese sonderbare Standhaftigkeit, mit der die Py-thaqoräer ihre Geheimnisse versiegelten, war vielleichtauch die Ursache des Hasses und der Verfolgung, derensie oft auSgeseßt waren. Sie wurden in der Folge nichtnur ans Cortona, sondern auch auö ganz Welschlandverjagt. Also ist es nicht nur gefährlich, nützliche und er-habene Wahrheiten in ihrem blendenden Lichte ohne Hül-len vorzukragen, sondern es ist auch aus der andern Sei-te eben so unsicher, wenn man sie vor den kleinen Gei-stern unter die Decke der Bilder versteckt: denn dieseglauben bald Lehren, die der Religion, bald Grundsätze,die dem Staat gefährlich sind, unter dergleichen Bil-dern zu finden. Man liehet aber übrigens leichte, war-um bloß die Pythagoraer und nicht die Aegyptier, Chal-däer und Indianer, deren Beyspiele sie folgten, so vie-len Widerwärtigkeiten auögesetzt waren: denn bey ange-führten Nationen existieren dergleichen Wissenschaftenbloß bey den Priestern selbst und erregten daher keinenVerdacht gegen die Religion. Und gleichwie dem Vol-ke die Religion selbst und ihre Götter lauter Geheimnis-se waren, die sie den Priestern zu erklären gern über-ließen : eben so glaubten sie auch in den übrigen Wissen-schaften der Priester lauter göttliche Geheimnisse zu finden.
Einige