Einr
Egoi
I«, Selbstler, vderSelbstlrng, selbstisch und selbstelu,letztes für Egoist sein. Ich weiß nicht, wer diese Wör-ter zuerst vorgeschlagen hat; aber es war mir angenehm,als ich sie mir gebildet hatte, zu sehen (in den Beiwa-gen), daß sie auch schon gebraucht wurden. Selbstelci fandich kürzlich in: Leben und Wanderungen eines Physiog-nomisten. 179L." —■ Göthe hat Selbstigkeit ver-sucht: „Dabei war seine Selbsiigkeit äußerst beleidiget."Dieses Wort hat sowol selbst, als auch vornehmlich inber Ableitung selbstisch , den Uebclklang wider sich. Uc-brigens muß man die Begriffe, welche die Wörter Selbst-liebe (amour de soi rndme), Eigenliebe (amourpro-pre), und Seldsucht (Egoisme) darbieten, nicht miteinander verwechseln. Selbstliebe ist die allen Menschenangebvhrne, an sich unschuldige und untadelhafte Nei-gung zum Wohlsein; Eigenliebe, ein mehr lächerlichund unleidlich, als verhaßt machender Auswuchs dersel-ben, mit einem andern Worte Eitelkeit. Seldsuchthingegen ist die zur Fertigkeit gewordene Neigung, al-les aus sich selbst, aus sein Ich zu beziehen, und sichLurch keine andere, als eigennützige Beweggründe be-stimmen zu lassen.
Egoist, wofür einige auch wol Solipsist zu sagen pfle-gen. Afssprung hat Selbstling, wie Weichling,Wollüstling u. s. w. dafür vorgeschlagen; K. Cramcrhat Selbstler versucht, welches Wicland im Danisch-mende angenoinmen hat: „Allein von solchen Selbstlernist hier die Rede nicht." Nach eben dieser Sprachähn-keit könnte man auch Jchler dafür sagen. Dieses inder Preisschrift von mir versuchte Wort ist seitdem vonverschiedenen Schriftstellern, z. B. von Mylius, demVerfasser der Uebersetzung eines Französischen Romans,das Faschingskind genannt, angenommen und gebrauchtworden; und Heynatz findet (in dem Antibarbartts)nichts dagegen einzuwenden. Kant unterscheidet dreiArten von Egoisten: i. den ästhetischen (den Selbstlerin Sachen des Geschmacks), dem sein eigener Geschmackgenüget, und der sich nicht darum bekümmert, ob seineErzeugnisse von andern schön oder häßlich gefunden wer-den; 2. den logischen (den Selbstler in Sachen derVernunft), der es für unnöchig hält, sein Urtheil aucham Verstände anderer zu prüfen, gleich als ob er die-ses Prüfsteins gar nicht bedürfe; 3. den moralischen(den sittlichen Selbstler), der alle Zwecke auf sich selbsteinschränkt, folglich keinen Nutzen worin sieht, als indem, was ihm nützlich ist.
Egoistisch, selbsüchtig (nicht selbstsüchtig. S. Egois-mus.) und ichsüchtig. Eine Zeitlang war selbstisch , nachdem Engl. selfisch gebildet, sehr dafür gebräuchlich,und kommt noch jetzt hie und da, z. B. in Göthensneuesten Schriften, vor. „Sind wir Männer denn soselbstisch gebohren?" Allein das Wort ist unleidlich hart;und verdient, da wir das bessere selbsüchtig haben, inVergessenheit zu gerathen. Der erste, welcher es ge-
brauchte, war, wenn ich nicht irre, Abbt. Kant sagteigenliebig. Allein da wir Eigenliebe (amour propre)von Seldsucht (Egoismus) unterscheiden (©. Egois-mus) : so muß man auch eigenliebig nicht mit selbsüch-tig verwechseln.
Egoisterei, die Selbsüchteler. S. Egoismus.
Ehepacten. Wir haben Ehesiiftung dafür; auch ehe-licher Vertrag, welches man in Ehevertrag zusammen-ziehen kann.
Eilldallirsn. S. Emballiren.
Einbalsamiren. Warum nicht einbalsamen? Das ein-fache balsamiren hat schon Halter durch baljämenverdeutscht:
Denn Liebe balsamt Gras, und Ekel herrscht aus
Seiden (Scioe).
Emexerciren. Wir können einüben dafür bitten. DieNcugeworbenen sind in kurzer Zeit vortrefflich eingeübtworden.
Einpatroniren. S. Einquartiren.
Einquartireu, wofür man, wie Hepnaß bemerkt, inder alten Kriegcssprache auch einpalToniren sagte, ein-legen und sich cinlegem. Der genannte Sprachforjcherhat auch das Wort einlagern nachgewiesen, aber nurfür festsitzen: Sich in den Vorstädten einlagern. Esscheint indeß auch füglich für einquartiren gebraucht wer-den zu. können.
Eiuquarciruug, das Einlager. Es wurde Einlagcr an-gesagt.
Einstudireil, einlernen , und wenn die Rede von Fertig-keiten ist, welche durch Uebungen erworben werden müs-sen, einüben. Ich muß mich in meine Rolle erst nocheinlernen. Eine eingeübte Gesellschaft von Tonkünstlern.Es ist mir nicht bekannt, daß diese Wörter schon ge-braucht sind; aber sie scheinen der Aufnahme nichr un-werth zu sein.
Ejiciren, ausstoßen oder hinausstoßen.
Ejusdem, ebendesselben oder des nämlichen Jahres oderMonats.
Einrolliren oder Enrolliren (spr. ang-rollircn). Inden meisten Fällen wird einschreiben, und für Enrol-lirte Eingeschriebene, ohne hinzugefügte nähere Vestim-mung, hinreichend sein. Wo ein Mißverständnis zu be-sorgen ist, da kann man zum Kriegesdienste beifügen.Sonst haben wir auch die bekannten Wörter: werbenund anwerben, ein Geworbener und Angeworbener. Esist indeß nicht zu läugnen, daß enrollireu eine bestimm-tere Bedeutung hat, indem es gewöhnlich nur vom Ein-tragen oder Einschreiben dienstpflichtiger Personen in dieRcgimenksrollen gebraucht wird. K i n d c r l i n g wolltedaher die beiden Begriffe werben und einschreiben zu-sammenbcften, und bildete werbschreiben. Allein wennauch zwei Zeitwörter, ohne Verletzung unserer Sprach-ahnlichkeit, in Ein Wort zusammengefügt werden könn-ten: so würde doch werbschreiben schon deswegen nicht
Mm ange-