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1 (1808) A - E
Entstehung
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Grundsätze, Regeln und Gränzen

Hundertel unter uns, wenn sie diese und andere ausländische Wörter künftig nur dann, wenn sie Französisch oderEnglisch, nicht auch wenn sie Deutsch reden, gebrauchen dürfen? So viel ich sehen kann-nichts!

Der Schade hingegen, welcher auf der andern Seite für die neunzig Hundertel unserer Völkerschaft entsteht,wenn dergleichen fremde Wörter nach wie vor wie Deutsche zu Deutschen gebraucht werden sollen, ist augenscheinlichgroß und unersetzlich; weil dadurch alle diejenigen Vortrage und Schriften, in welchen dergleichen Sprachvermischungherrscht, für jene große Mehrheit der Deutschen, entweder ganz oder doch theilweise, so gut als verloren sind, indemdieser größte Theil unserer Völkerschaft bei dergleichen Wörtern entweder gar nichts, oder doch nur etwas verwirrtes zudenken im Stande ist.Und wenn dem nun also ist, was wird, was muß, möchte ich sagen, die gesunde unbefangeneVernunft darüber urtheilen ? Man höre auf ihren Ausspruch, und laste die Sache dadurch endlich entschieden werden.

Die Angabe der übrigen Sprachvollkommenheiten, die bei der Verdeutschung fremd-artiger Wörter in Betrachtgezogen zu werden verdienen, muß ich, um unangenehme Wiederholungen zu vermeiden, bis dahin verschieben, woich die bei der Reinigung und Bereicherung unserer Sprache zu befolgenden Grundsätze und Regeln entwickeln werde.

IV.

Welche Theile des Deutschen Sprachschatzes bedürfen vorzüglich die Absonderung des Fremd-artigen;in welchen andern hingegen würde die Absonderung unthunltch oder nachtheilig sein?

Diese zusammengesetzte Frage zerfällt in drei besondere.

1. In welchen Fällen würde die Absonderung des Fremd-artigen durch Verdeutschung nachtheilig sein?

Hierauf ist im vorhergehenden Abschnitte schon hinlänglich geantwortet worden.

2. In welchen Fallen würde sie unthunlich sein?

Ich nehme diese Frage so, daß man zu wissen verlangt, in welchen Fallen unsere Sprache unvermögend sey,statt eines bisher gebrauchten fremden Worts ein gleichbedeutendes aus sich selbst hervorzubringen? und antworte oh-ne Bedenken: in keinem! Auch bis ist im Allgemeinen schon oben angedeutet worden. Jede menschliche Sprache, wievielmehr die Deutsche, die so reich an Mittel-stammwörtern (ich meine an solchen, welche andern zu Stammwörterndienen, und von welchen man jetzt das Ur-stammwort, aus dem sie selbst entsprungen sind, nicht mehr nachweisenkann) und die so unerschöpflich an Mitteln ist, durch Zusammensetzungen, vornehmlich durch Hülfe ihrer Vor - und End-silben, eine zahllose Menge neuer Wörter hervorzubringen, ist, wieder menschliche Geist, der den Inhalt der Wör-ter, die Gedanken, schafft, einer Ausdehnung und Ausbildung ins Unendliche fähig, wodurch das sie redende Volk,sobald es will, in den Stand gesetzt werden kann, alle menschliche Empfindungen und Begriffe, mit allen ihrenwesentlichen Schallenmischungen und Bestimmungen, vollständig auszudrucken. Wer den Zustand unserer Sprache zuKeros, Karls des Großen, oder Notkers Zeiten, mit ihrer jetzigen Beschaffenheit vergleicht, dem wird derFortschritt von da biö zu uns, ein unermeßlicher Sprung über ungeheure Klüfftc, und der von hier an bis zu einergänzlichen Reinigung unserer Sprache so weit diese nach unserer obigen Auseinandersetzung jetzt noch möglich undrathsam ist ein kurzer Lustgang nach vollendetem Tagewerk zu sein scheinen.

Schon Leibnitz hat bemerktund was war die Deutsche Sprache noch zu seiner Zeit? daß, da alles,was der gemeine Mann treibt, ohne Einmischung fremder Wörter, Deutsch gegeben werden kann, kein Grund zuzweifeln sei, daß auch diejenigen Sachen, womit die Vornehmen und die Gelchrteu sich beschäftigen, wenn diese ge-wollt hatten oder jetzt noch wollten, eben so gut durch reines Deutsch hatten ausgedruckt werden können, oder nochjetzt ausgedruckt werden könnten. Diese Bemerkung hat etwas eben so auffallendes, als überzeugendes. Man un-tersuche z. B. die Kunst - und Handwerkssprache unserer gemeinen Handwerker und Künstlerdie der Jäger, Land-bauer, Berg - und Hüttcnlcute u. s. w. und man wird den erstaunlichen Syrachreichthum bewundern müssen, dendiese in den meisten andern Fächern gemeiniglich unwissenden Leute auf dem Grunde und Boden unserer eigenenSprache zu gewinnen wußten, und der sie nun in den Stand setzt, nicht bloß alle Gegenstände ihres Berufs bis zuden kleinsten Theilen und Untertheilen hinab; sondern auch alle Handlungen und Handgriffe, die ihr Geschäft erfo-derk Deutsch zu nennen; und man wird künftig errvthcn, eine eingebildete Unthunlichkcit vorzuschützen, wenn von

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