Druckschrift 
1 (1808) A - E
Entstehung
Seite
83
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A.

A. und O , der erste und der letzte Buchstabe des Grichi-schen Abece's, Alpha und Omega genannt. Du bist dasA und O>, du bist der Erste und Letzte; eine sprichwört-liche R. a., die aber im Deutschen, wo das O die Buch-stabenreihe nicht schließt, keinesweges passend ist. Wirmüßten dafür sagen: du bist das A und Z. Allein sprich-wörtliche Redensarten haben so tiefWurzel in die Volks-sprache geschlagen, daß sie nnaustilgbar zu sein pflegen,auch wenn ihre Unpäßlichkeit oder Widerfinnigkeit an-erkannt wird.

Abalieniren, von dem Lat. abalienare. Wir haben da-für, jeoachdem der Zusammenhang es erfodert, i. ent-fremden.Meine Bekannten werden von mir entfrem-det." Michaelis, imHiob 19,13. Dolabella se to-tum a te alienavit, Dolabella hat sich ganz von direntfremdet. C i c. Dieses Deutsche Wort ist zwar der all-gemeinsten Aehnlichkeitsregel der Zusammensetzungen mitent zuwider, weil diese Vorsilbe, gleich der Lat. dis unddi, in den meisten Fällen etwas trennendes oder entfer-nendes bezeichnet, wie z. B. in enthaupten, entehren,entsagen, u. s.w. Alleinnach einer andern Aehnlichkcits-regel deutet diese Vorsilbe auch auf eine Bewegung oderVersetzung nach einem Orte oder einer'Sache hin, wiez. B. in entfernen, entbieten u. s. w., und durch dieseswird denn auch dem Worte entfremden sein Bürgerrechtin unserer Sprache zwar gesichert; da aber dieses Wortentweder bloß O. D. oder doch veraltet ist, folglich jetztvon uns gebraucht in die Klaffe der neuern tritt: so scheintes doch, der ihm widerstrebenden allgemeinem -Sprach-ähnlichkeit wegen, verwerflich zu sein; und ich muß daherrathen, lieber fremd machen dafür zu sagen. 2. Abge-neigt, abwendig, aussätzig, abspanstig oder abtrünnigmachen. Hi totam abalienarunt Africam, diese ha-ben ganz Afrika aussätzig gemacht. C 0 r. N e p. Veräußernantwortet dem einfachen alieniren. S. dieses. Indeßkommt doch in der Kanzleisprache auch der Ausdruck jusabalienandi für Veraußerungsrecht vor.

Abandoniren , 1. verlassen, oder, wicwol minder edel, imStiche lassen; 2. aufgeben, fahren lassen, von etwasabstehen, Verzicht auf etwas thun. Er verließ seinenFreund zur Zeit der Noth, er ließ ihn im Stiche. Erhat das Vorhaben aufgegeben, er hat Verzicht darauf ge-than. Er hat seine Ansprüche fahren lassen, er steht da-von ab. Zu der R. a. im Stiche lassen, muß ich nochanmerken, daß wir vielleicht richtiger in Stiche lassen

sagen würden. DaS m vertritt die Stelle des bestimmen-den Andeuters (Artikels) dem, und sollte daher dcn Vcr.hältnißwörtern in und an nur da angehängt werden, woauch der unverkürzte Andeuter dem, sobald man wollte,gesetzt werden könnte. Nun kann man aber nicht sagen:in dem Stiche lassen, so wenig man in die Gefahr ge.rathen, oder in die Verwahrung geben sprechen kann,wenn nicht von einer bestimmten Gefahr und von einerbestimmten Verwahrung die Rede ist. So lange wir also-in Verwahrung geben und in Gefahr gerathen sagen,müßte es auch in (nicht im) Stiche lassen heißen.Klopstockist, so viel ich weiß, der erste gewesen, derdiesen Unterschied wahrgenommen und befolgt hat; undder Dichter Voß scheint (wenn nicht Druckfehler imSpiele sind) seinem Beispiele folgen zu wollen. Anderestießen sich vermuthlich an den Umstand, daß bei zu undzum dieser Unterschied in vielen Fällen (ungeachtet erin andern von dem Sprachgebrauche anerkannt ist) nichtbeobachtet werden kann; indem wir zwar wol zu Was-ser reisen und zu Gelde machen, zu Stande bringen,zu Werke gehen, aber nicht zu Gehorsam bringen, zuAufenthalte dienen, u. s. w. sagen dürfen, sondern indiesen und ähnlichen Fällen immer zum sagen müssen.Allein das ist eine von jenen Unvollkommenhcitcn unse-rer Sprache, die wir zwar, weil wir sie nun einmahlnicht abstellen können, dulden, aber nicht zur Regel fürandere, und zwar für solche Fälle machen müssen, woeine allgemeinere Aehnlichkeitsregel uns berechtiget rich-tiger zu reden. Ich wünsche, daß diese Bemerkungeine nähere Untersuchung veranlassen möge.

Uebrigens ist bei abandoniren noch zu bemerken, daßes auch ein kaufmännisches Kunstwort ist, und als solchesdie Bedeutung hat: dem Versicherer ( Assecurateur)ein Schiff, über dessen Schicksal man in Ungewißheit ist,sammt den daraufbefindlichen Gütern, gegen Auszahlungder Versicherungssumme, überlassen oder als ein erwor-benes Eigenthum abtreten. Man könnte die Handlungmit dem Deutschem Worte verlassen bezeichnen, da wir(wenigstens in Niedersachsen) schon gewohnt sind, diesenAusdruck von der gerichtlichen Uebergabe eines gekaufte»Grundstückes an den Käufer zu gebrauchen.

Abattirt, entkräftet, abgemattet oder ermattet, hinfällig.Niedergeschlagen kommt buchstäblich damit überein.

Abatüita , in der Tonkunst, im Zeitmaß.Genau ab-gemessen." Eschenburg.

L L

Abba.