der Verdeutschung. 4t
schriftlicher Kunstwörter, uns jene je eher je lieber entbehrlich machen hilft! Es werde in den Jahrbüchern unsers ge-lehrten Gemeinstaates aufgezeichnet: daß er sich molverdient um das allgemeine Beste gemachthabe!
V.
Wie, und nach welchen Grundsätzen kann die Reinheit und die Bereicherung der Deutschen Spracheam besten befördert werden?
Hier kommt es auf zweierlei an:
i. die Quellen anzugeben: aus welchen zur Reinigung und Bereicherung unserer Deutschen Schriftsprachegeschöpft werden darf und muß; und
s. die Grundsätze und Regeln auseinanderzusetzen, die wir dabei vor Augen haben müssen.
Also:
r. Von den echten Quellen der Deutschen Sprachbereicherung.
Alles, woraus wir echtdeutsche Wörter, d. i. solche, die unserer allgemeinen Sprach-ähnlichkcit gemäß find,und die daher von jedem Deukscl-en, als Deutsche anerkannt werden müssen, schöpfen können, verdient zu denQuel-len unserer Sprache gezählt zu werden. Durch die Vorausschickung dieses, so bestimmten Begriffs, den hoffentlichjeder gelten lassen wird, entscheidet sich die von einigen streitig gemachte Frage: ob und in wiefern auch die Mund-arten und die vcrwandren Sprachen zu den echten Sprachquellen für unsere sogenannte Hochdeutsche, d. i. allge-m eindeutsche Sprache, gerechnet zu werden verdienen, schon von selbst. Die Antwort nämlich ist: allerdings!aber nur insofern, als die Mund-arten etwas enthalten, welches der allgemeinen Deutschen Sprach-ähnlichkcit ge-mäß und deswegen werth ist, in die allgemeine Schrift-und Umgangssprache der Deutschen, die man unpäßlich ge-nug die Hochdeutsche genannt hat, aufgenommen zu werden.
Daß ich aber die Sprach-ähnlichkcit der Mgemcinen oder sogenannten Ho ch deutschen Sprache allein,und nicht zugleich die dcr-Mund-arten, zum Probesteine der Echtheit eines Deutschen Wortes annehme, bedarf wolkeiner Rechtfertigung. Jene ist nun einmahl, seit Luthers Zeiten, im Besitze der Ehre, unsere allgemeine Schrift-und Umgangssprache zu sein; wozu sie sich unter Luthers schöpferischen Händen aus den Mund-arten, vornehm-lich aus der Oberdeutschen und Obersächsisckcn, entwickelt und für immer erhoben und festgesetzt hat *). Sie ist als»nunmehr das gemeinschaftliche Band, welches die Deutschen aller Gegenden zu einerlei Volk verbindet, und das ge-meinschaftliche Mittel des Gedankenwechscls zwischen allen, bei allen sonstigen Verschiedenheiten, wodurch ihre Land»und Krcismund -anen von einander abweichen. Sie muß daher in ihrer Einheit erhalten, also auch ihre, und nicht
irgend
*) Man flcbt, daß ich weit davon entfernt bin, die allgemeine edcr sogenannte Hochdeutsche Sprache und die Obcrsachfischc Mund-art,mit einem unserer berühmtesten und verdientesten Sprachlehrer, für einerlei zu halten; ungeachtet ich nicht lauznc, daß icne mit die-ser mehr als mit irgend cincr andern Mund-art gemein hat. Diese größere Uebereinstimmung clihct aus der doppelten Ursache her,daß i) Luther die Lerbcffcruug der Kirchenlehre, nicht auf cincr Ober- oder Niederdeutschen, sondern auf cincr ObccsächfischenHoch-schule begann, ein Umstand, welcher die natürliche Folge hatte, daß auch die ObecsachfischcMund-art nach und nach mehr als eineandere in seine Bibel-übersetzung einfloß; und 2) daß die Obcrsächfische Mund-art, welche zwischen der Oberdeutschen und der Nie-derdeutschen die Mitte heilt, vieles in sich vereiniget, was in den genannten beiden Hauptmund-arten, nur stückweise angetroffenwird. Sie mußte daher, auch um dieser Ursache willen, zu der allgemeinen Deutschen Schrift- und Umgangssprache, die sich ausallen Mund-arten entwickelt und bereichert hat, das meiste bcigrtragc« zu haben scheinen. S. Rüdigers Abhandlung über dasVerhältniß der Hochdeutschen Sprache und der Obcrsüchsischen Mund-art im 2tcn Stücke des NeuestenZu w a ch se s d e r S p ra ch ku nd e. Halle 178?; und meinen Aufsatz über dir Frage: Was istHochdeursch? in den Bei-trägen zur weiter» Ausbildn 11 gdcrDeutschcn Sprache.