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1 (1808) A - E
Entstehung
Seite
272
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27z Egal Egoi

Egalisiren , gleichmachen. Man hat in neuem ZeitendaS Sachwert Egaliseur (spr. Egalisöhr), der Glcich-machrr, davon abgeleitet, um einen Menschen zu be-zeichnen, der den Grundsatz der bürgerlichen Gleichheitübertreibt.

Egalite, die Gleichheit.

Egard (spr. Egahr), das Ansehen, die Achtung. Enegard, in Betracht, in Rücksicht.

Egarement (spr. Egar'mang), die Verirrung.

Egariren, sich, verirren. Egarirt, verirrt, N. D. ver-biestert. Man sagt nicht, wie A d. will, sich verbiesiern,sondern verbiesiern schlechtweg.

Egayiren (spr. egäjiren), lusiig, fröhlich mache», er-heitern.

Egide, eigentlich der Schild der Minerva, mit dem Me-dusenkopse; dann aber auch ein Schild überhaupt; un-eigcnllich der Schutz oder Schirm.

Egoism öfter Egoismus , wofür man aucf) Solipsismusfindet. Die gewöhnlichste Verdeutschung dieses Wortsist Selbsucht (nicht Selbstsucht; weil die Aehnlichkeitder Ausdrucke selbander, selbdritte u. s. w. uns berech-tiget das st wegzuwerfen, um die harte Zusammenkunftdesselben mit dem folgenden s zu vermeiden). Einige,z. B. K. Cramcr, haben Ichsucht dafür zu sagen ver-sucht, welches auch in der Jen. Literat. Zeitung vor-kommt:Eine starke Dosis (Gabe) von Sclbsigefälligk.itund Ichsucht." Da die Endung sam in manchen Wör-tern, z.B. in erfindsain, arbeitsam, wachsam, sorgsam,u. s. w. auch den Begriff der Vielheit oder der Menge, unddie Endung keit das Abgezogene bezeichnet: so könnteman auch wol, wenn man an die Neuheit des Wortssich nicht stoßen wollte, nach der Aehnlichkcit der Wör-'ter Furchtsamkeit, Arbeitsamkeit, Empfindsamkeit u.s. w. die J'chsamkeit dafür sagen, wodurch der Zustandeines Menschen angedeutet würde, der zu viel Ich hat,oder seinem Ich zu sehr ergeben ist. 1). Anton sagt:Ich schlage Eigengier, Eigengierig und Eigengierig-keit, für Egoismus, egoistisch und Egoisterie ,vor, und glaube, daß diese Ausdrücke alles in sich fas-sen, was die Lateinischen ausdrucken oder ausdruckensollen. Dagegen wendet Gerstncr, ein SchwäbischerSprachforscher, in feinen mir handschriftlich mitgetheil-ten Bemerkungen, Folgendes ein:Bei der Verdeut-schung durch Eigengier und cigengierig, ist die Zusam-mensetzung dunkel. Rachgier, Ehrgier, Geldgier istGier oder Begierde nach Rache, Ehre, Geld; also Ei-gengier Begierde nach Eigenem oder nach dem Eigenen.Jenes laßt sich nicht verstehen, dis müßte erst erklärtwerden, als Begierde, Fremdes zu seinem Eigenen zumachen. Die Zusammensetzung wäre also nicht leichtgenug zu verstehen, um gut zu sein. Außerdem wirdin ähnlichen Zusammensetzungen: Eigenlob, Eigenlie-be, Eigennutz u. s. w. das verstanden, was schon eigenist, nicht, was erst eigen werden soll. Ferner bezeich-

Egoi

net Egoismus eine immer bleibende, überall wirkendeund alle andere ausschließende, ungeziemende Hinsichtauf sich selbst, welche sich sehr oft, ohne Begierde nachirgend einem Eigenthume zu sein, durch bloßes Nicht-wollcn und Nichtthun, wo ein edler Mensch will undhandelt, äußern kann und äußert. Folglich dünkte mirEigengier entweder zu wenig, oder zu viel zu sagen. EinEgoist kann natürlich wol eigennützig, habsüchtig, geizig)ehrsüchtig, wollüstig sein; aber er kann auch nichts von demallen, oder es wenigstens nicht in vorzüglichem Grade,und dennoch ein Egoist sein; er kann alles obige wer-den, weil er dieses ist. Er ist ein Mensch, der immerund überall nur aus sich sieht, dem nichts wichtig ist,als was ihn angeht, der sich um nichts bekümmert, alswas ihn betrifft; ein Mensch, dessen Sinn gerade dasGegentheil ist von dem Sinne in: Homo sum, hu-mani nihil a me alienum puto." Diese Erinnerun-gen scheinen mir gegründet zu sein. Gier strebt nacheinem Gegenstände, den man noch nicht hat. Der Egois-mus hingegen äußert sich eben fowol und eben so oftbei Dingen, die man schon hat und nicht missen will,als bei solchen, die erst noch erlangt werden müssen.Folglich scheint Eigengier für diesen Begriff zu enge zusein. Der genannte Sprachforscher fügt noch Folgen-des über Eigensucht und Selbsucht hinzu:Sucht be-deutet nicht nur eine angewöhnte Begierde, sondernhauptsächlich auch eine üble Beschaffenheit des Zustan-des, eine Krankheit, ein Leiden, also auch eine Leiden-schaft , und dann« wird es sehr brauchbar einer Zu-sammensetzung, welche für Egoismus gegeben werdensoll. Eigensucht möchte dann sein: fehlerhafter Hangoder Leidenschaft gegen das Eigene, und könnte fürEgoismus gebraucht werden, wenn nicht auch ihm ent-gegenstünde, daß die mit eigen zusammengesetzten Wör-ter nicht die cll's übrige ausschließende Liebe zu sichselbst bezeichnen, welche durch Egoismus bezeichnet wird.Doch erkenne ich, daß dieser Fehler durch das WortSucht welches eine starke Neigung bezeichnet^ sehr ver-mindert , und daß das Mangelhafte dadurch ziemlich er-setzt wird. Besser übrigens noch , als Eigen ucht istSelbstsucht (Selbstsüchtler, selbstsüchtig). Immer abersind es schwerfällige und harte Wörter. Selbsucht wä-re leichter auszusprechcn; aber ich möchte es nicht wäh-len, wegen der fast unvermeidlichen Erinnerung an Gelb-sucht. (Eine Verwechselung damit ist nicht zu besor-gen ; Und eine Erinnerung daran kann wol nicht scha-den. Neid ist, wo nicht ein Bestandtheil, doch einSohn des Egoismus; und den pstegcn wir uns ja gelbzudenken.) Mir dünkt es am besten, Egoismus, Egoistund egoistisch dem Worte Selbsucht unbeschadet, wel-ches man für den feierlichern und anständigern Gebrauchbehalten könnte, durch ein unzusammengesetztes Wort,das dem Fremden auch an Form und Bildung gleichkä-me, zu verdeutschen; und solche Wörter sind: Selbssc-

lei,