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Coqu
ljch, d. i. von der Bewerbung des einen Geschlechts umdaS andere, gebraucht wird, ist eS ohne allen Zweifel har-ter oder derber, als das Französische coquctiren. ZumBeweise dient, daß man ohne Bedenken einem Frauen-zimmer, Merzend versteht sich, Schuld geben kann, daßsie ein wenig coquet sei; dahingegen diese Bcichuldi-gung, mit dem Deutschen Worte buhlerisch ausgedruckt,allemahl gröblich beleidigen würde. Wir bedürfen da-her, außer diesem, wirklich eines zweiten, mildernde»Ausdrucks. Dazu hatte ich, außer gefallsüchtig, ehe-mahls auch eroberungssüchtig vorgeschlagen, welchesaber freilich für den leichten und scherzenden Gesell-schaftston viel zu lang und schwerfällig ist, Fangerisch,fanglustig und fanggierig sind kürzer, und können,scheint es, mitunter auch dafür gebraucht werden. S.das folgende Coquette.
Coquette (spr. Kokette), 1. für die härtere Bedeutung,die Buhlerinn; 2. für die mildere hatte ich den Ein-fall, Fangcrinn vorzuschlagen. Eschen bürg wieshierauf nach, daß dieses Wort schon von Stiele r'nmit der Erklärung foemina captans, captrix, aufge-führt sei. Vermuthlich hatte dieser es, wie manches an-dere von ihm aufgeführte Wort, erst selbst gebildet, wieich; und das erweckt schon an sich ein gutes Vorurtheilfür einen Ausdruck, wenn zwei Menschen, in entferntenZeiten, also ohne Verabredung, zugleich den Einfallhatten, ihn für einen Begriff zu bilden, der bis dahinnoch kein eingeführtes Zeichen in der Sprache hatte.Eschenburg meinte zwar, dieses Wort druckt nicht,wie das Französische, die Begierde zu fangen aus: al-lein ich möchte doch glauben, daß dergleichen von Zeit-wörtern gebildete Sachwörter, wie Rascher und Ra-scherinn, Säufer und Sauferinn, Zänker und Zanke-rinn u. s. w., wenn sie von Menschen, und nicht (wieetwa Nußknacker, Hirschfänger u. s. w.) von leblosenDingen gebraucht werden, auch auf eine Gewohnheitoder Fertigkeit, folglich auch auf eine Neigung oderBegierde zu derjenigen Handlung deuten, die durch dasZeitwort, wovon die Ableitung gemacht ist, ausgedrucktwird; und daß also auch Fangerinn füglich ein Frauen-zimmer bezeichnen könne, dem es zur Gewohnheit undzur Neigung geworden ist, Personen des andern Ge-schlechts in ihr Netz zu ziehen. Der Dichter könnte nochbestimmter, und zugleich edler, Hcrzenfangerinn da-für sagen:
Die Herzenfangerinn, Klimene.
Im Scherze könnte man auch wol einmahl Anglerinn,dafür sagen:
Die schlaue Anglerinn warf ihren Köder aus,
Und zwanzig dumme Mäuler schnappten u. s. w.Gerstner, ein Sprachforscher in Schwaben, machtein schriftlichen, mir mitgetheilten Bemerkungen, gegenden Ausdruck Fangcrinn den Einwand: „manche Co-quette wolle zwar fangen, fange aber doch nichts;
Coqu
manches Frauenzimmer aber fange, ohne fangen zu wol-len; dann wäre dort eine Coquette und doch keineFängcrinn, hier eineFängerinn und doch keine Coquet-te." Wenn die obige Bemerkung, daß die von Zeit-wörtern abgeleiteten Personcnwörter, wie Säufer, Räu-ber, Jäger, Spieler u. s. w. unter der beigefügten Be-dingung, den Begriff einer zur Gewohnheit oder Fer-tigkeit und zur Neigung gewordenen Handlung mit sichführen, gegründet ist: so fällt dieser Einwurs weg. Dannist jene eine Fängcrinn, auch wenn sie oft und lange,gleich manchem Fischer , ihr Netz oder ihren Angel ver-gebens auswirft; und diese ist keine Fängerinn, weildas Fangen weder ihre Absicht, noch ihr zur Gewohn-heit und zur Neigung geworden ist. — Der genannteSprachforscher möchte die Coquette lieber eine Locke-rinn, auch Lieblerinn und Mann-äfferinn, nennen,und für coqnet lockerifch, für Coquetterie, Lockereroder Lockkunst sagen. Allein das bloße Locken scheinteben so wenig eine Coquette als einen Vogelsteller zumachen; beide müssen auch Anstalten zum Fangen zu -ref-fen wissen; liebeln deutet auf ein kleinliches Nachahmender leidenschaftlichen Liebe, und fällt mehr ins Lächerli-che, als ins Verabscheuungswürdige; folglich scheintLieblerinn zur Bezeichnung einer Coquette nicht zu tau-gen. Mann-asferinn kann zuweilen und an gehörigemOrte ganz wol für Coquette gesagt werden; allein zueiner ordentlichen Benennung scheint es ein wenig zu un-bchülflich zu sein.
Coquetterie, dem obigen zufolge, 1. für die härtere Be-deutung, Buhlerei, 2. für die mildere, Fangerei, Ge-fallsucht, Fanggier. Gefallsucht, welches ich in derPreisschrifr vorschlug, haben einige gute Schriftsteller,z. B. Trapp in den fortgesetzten Reisen für die Ju-gend, und v.Ramdohr in seiner Venus Urania, an-genommen. Nicolai fällt darüber in den Vertrau-ten Briefen von Adelheid B. folgendes Urtheil: „Ichhabe irgendwo gelesen, daß Coguetteric durch Gefall-sucht ist übersetzt worden. Das Wort ist mir lieber alsdas Französische, auch darum, weil es so nahe an Fall-sucht gränzt; denn wenn den Weibern, welche die Suchthaben jedermann gefallen zu wollen, ihr Zweck bei ei-nem nicht gelingt, auf den sie es anlegten, so geht dieErschütterung nahe bei Epilepsie her; wo die Krankheitnicht so arg ist, nenne ichs die Gefallseuche. Die gan-ze Seele der Frau v. C. ist also voll Gefallsucht, u.s.w."
Der Prediger von Berge seid (S. dessen ver-kannte, schätzbare Paradoxa, 2tes Bändchen) schlägtfür Coquetterie Reizsucht vor. „Denn, sagt er, dieCoquette sucht nicht sowol zu gefallen —■ darauf hatsie schon Verzicht gethan — als vielmehr nur zu reizen."Aber 1. kann wol nur von der verworfensten Buhldirne,nicht von jeder Coquette, gesagt werden, daß sie ausdas Gefallen schon Verzicht gethan habe; 2. merkt derVers. selbst an, daß das MortReizfucht, etwas schwer
auszu-