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Chirurgie, die Wundarzneikunst. Auch Heilkunst undHeilkunde passen nicht so gut für Arzneikunst über-haupt, als für Chirurgie insonderheit. Einige habenHand-arzneikunst für Chirurgie zu sagen beliebt, wel-ches mit dem Grichischcn mehr übereinkommt: „M.,öffentlicher Lehrer der Hand-arznciknnst." Sulz er.Freilich hat der Wundarzt es nicht immer mit Wundenzu thun.
Chirurgisch, wund-arzlrch; eine wund-arzlicheVerrich-tung (Operation); ein solches Werkzeug (Instrument)«Ueber die Ableitung arzlich von dem veralteten arzen,sieh Mechanisch.
jChoc (spr. Schock), ein Stoß, ein Schlag, ein Anfallswenn nämlich der eine Theil sich leidend dabei verhalt,z. V. seine Vcrmögensumstände haben durch diesen Vcr-tust einen harten Stoß bekommen. Es war ein harterSchlag für ihn. Ein zweiter Anfall vom Fieber. Wennaber beide Theile als thätig dabei gedacht werden, sokann man Zusammenstoß dafür sagen. Der Zusammen-stoß der beiden Schiffe war sehr heftig. Unsere leichteReiterei hielt den Zusammenstoß mit der feindlichenschweren Reiterei glücklich aus. Heynatz hat das guteWort Ansturz dafür vorgeschlagen, welches Posseltin das minder gute Hcransturz verwandelt hat: „IhrAngriff war ein plötzlicher, fast immer unvorhergesehenner Hcransturz." Uebrigens ist Choc oder Schock ur-sprünglich selbst ein Deutsches Wort. S. das folgendechoquiren.
Chocant (spr. schockang, oder nach Deutscher Ausspra-che, schockant), anstößig, beleidigend; gelinder auf-fallend.
Choisiren (spr. schoäsiren). Dieses Franz. Wort ist, wiedas Engl. choose, aus unserm N. D. kiesen entstan-den, aus welchem auch die O. Deutschen ihr, jetzt ver-altetes führen oder köhrcn gemacht haben, so wie sieauch in andern Wörtern, z. B. in verlieren, das rau-he r an die Steile des sanften s setzten. Kiesen undführen sind nur noch für Dichter brauchbar. Außer die-sen aber haben wir auslesen und aussuchen, wobeider Ncbcnbegriff unter vielen obwaltet, wählen undauswählen, wobei an vorhergegangene Vcrgleichung,Prüfung und Uebcrlegung gedacht wird. In einigen Fal-len werden auch erwählen, auserwählen und erlesen da-für gebraucht. S. Eberhards Synonymik unterAuslesen. Für Choiskt sagt man in der höhcrnSchreibart auch auserkohren; und gesucht, wenn manden Nebenbegriff einer zu großen Sorgfalt bei derAuswahl mit andeuten will; z. B. sein Anzug, seinAusdruck ist gesucht.
Cholerisch oder colerisch, i. warmblütig. < 5 . Tem-perament. 2. zum Zorn geneigt, jähzornig oder jach-zornig.
Chopins (spr. Schvpine), ein Weinmaaß, auf Deutsch,Schoppen oder Nosel.,
Choquiren (spr. schockiren). Wir Hatten, wie Stosch(in den Kleinen Aufsätzen) vermuthet und Ad. nach-weiset, ehemahls schocken dafür, welches noch jetzt inSchockregen, für Schaukel, übrig ist, und wofür manin einigen Gegenden auch Schockel sagt. In der Be-deutung hin und her bewegen hat Hans Sachs die-ses Wort gebraucht:
Darob mein Geist sich hat erquicket.
Daß er im Jubel schwebt und schocket.
Das Obersächstsche schaukeln, und das N. D. schuckelnsind davon abgeleitet. Das vergessene Wort verdient^wieder erneuert zu werden. Will man dieses nicht, sohaben wir für die eigentliche Bedeutung stoßen, an-stoßen, zusammenstoßen und schaukeln; für die unei-gentliche hingegen: Aufsehen machen oder auffallen,beleidigen, auffallend, anstößig, empörend sein; z. B«sein seltsamer Anzug fallt aus; die äußern und innernVerzierungen seines Hauses beleidigen den guten Ge-schmack; sein Benehmen war auffallend, seine Aeuße-rung anstößig. Es war für jeden Billigdenkenden enr«pörend, zu sehen u. s.w.
Chor (spr. Kohr). Dieses Wort hat vier Hauptbedeutun-gen. Es bezeichnet nämlich 1. einen abgesonderten Ortin den Kirchen; 2. eine Gesellschaft singender Schüler,welche vor den Häusern (leider! noch jetzt in den mei-sten Städten) durcki Gesang betteln müssen; 3. ein vonallen Sängern zugleich anzustimmendes Lied; wo manauch. die fremden Wörter Choro, Coro, Chorus undChoeur dafür zu gebrauchen pflegt; und 4. einen KreiSvon singenden oder tanzenden Personen. In den erstenbeiden Bedeutungen ist das Wort schon in die Volks-sprache übergegangen. Da es nun auch, sowol dem To-ne nach, als auch in der Biegung und im Umlauts(die Chöre) die Deutsche Sprach-ähnlichkcit erhalten hat:so mag es in jenen beiden Bedeutungen immer für ein-gebürgert gelten. Die beiden andern Bedeutungen hin-gegen sind bis jetzt noch nicht volksmäßig geworden;das Wort also auch, in diesen Bedeutungen genommen,noch nicht für ein Deutsches zu halten. Hier müssenalso andere Ausdrücke nachgewiesen werden. Für diedritte Bedeutung hatte Großmann Allsang vorge-schlagen. Allein da hier das erste oder bestimmendeWort, nach der Achnlichkcit anderer Zusammensetzun-gen dieser Art, z. B. Allmacht, Allwissenheit u. f w.auf das Gesungene (den Sang), und nicht auf die Sin-genden gehen würde, so daß Allsang so viel als ganzGesang bedeuten müßte: so ist diese Verdeutschung vonMoritz'en und Rüdiger'» mit Recht für verwerflicherklärt worden. Besser und annehmlicher ist Vollge-sang, welches Eschen bürg dafür vorschlägt; undvielstimmiger Gesang, womit Reich ardk es ver-deutscht. Für Chor in der vierten Bedeutung gcnom-men, haben wir Kreis ■— im Kreise muntrer Knaben■— und das veraltete Reihen oder Reigen. Daß diSZ 3 letzte