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1 (1808) A - E
Entstehung
Seite
180
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Chie

Chis

Cliif

Chie

ago

Chicane (spr. Schikane). Ich hatte anfangs Rechtsver-drehung, Rechtsfalle und Rechtsschlinge dafür angcsetzr;allein diese Wörter passen doch , wenn sie auch hier undda brauchbar sein mögen, nicht für alle Falle. Einermeiner Bcurlheilcr, Esche nburg, gab mir ein besse-res, Rechtskniff, an die Hand. Er selbst besorgte zwar,daß diese Zusammensetzung den Mißverstand veranlassenkönnte, als würde ein, dem Rechte gemäßer Kniff da-mit gemeint; allein so wie wir bei Rechtshandel undRechtssache nicht an eine rechtmäßige oder gerechte, son-dern nur an eine, nach den Rechten oder Gesetzen ge-richtlich zu untersuchende und zur Entscheidung zu brin-gende Sache denken: so wird auch, glaube ich, bei demWorte Rechtskaufs, nicht an einen rechtmäßigen oder ge-rechten , sondern nur an einen solchen Kniff gedacht wer-den, wobei das Gesetz zu Hülfe genommen oder zur Be-schönigung gemisbraucht wird. Wir haben übcrdas schonandere Zusammensetzungen mit Kniff, die uns dabei ein-fallen uud das besorgte Mißverständniß vollends verhin-dern müssen, z. D. Advocalenkniff, Pfaffenkniff, u. s. w.

In einem gutgeschriebenen Buche, Bom Entstehenund dem Untergänge der Polnischen (Polischen) Con-siitntion vorn Zten Mai 179x, finde ich das WortDreherei für Chicane gebraucht: „Vernunft und Wahr-heit find stärker, als die Aufwiegelungen der Verlaum-dung, als die Drehereien verschrobener Köpfe. Für Chi-cane in Rechtssachen könnte man noch bestimmter Rechts-dreherei, so wie Rechtsdrehcr für Chicaueur sagen.

Kant gebraucht einmahl den Ausdruck Schlangen-wenduag, wo er Chicane hätte setzen können: „Ausallen diesen Schlangenwendungen einer unmoralischenMugheitslehre.

In einigen Gegenden, z. B. im Hcnnebergischen (S.R e i n w a l d s Jdioticon), hat man Drehhandel dafür,in andern, z. B. auf dem Hundsrückcn (S. Ad elu ngunter Chicanc), Wicklerei; im N. D. Flausen.

Chicaueur (fpr. Schikanöhr). Ich habe Rechtsdreher undRechtsverdreher dafür vorgeschlagen. Im Hennebergi-schcn sagt man Dreher schlechtweg. S. ReinwaldsHennebergisches Jdioticon. Auf dem HundsrückenWick-ler; S. Ad. unter Chicane; und im N. £>. Flausenma-cher. Catel hat Rechtsdrehcr aufgenommen.

Chicaniren (spr. schikaniern); 1. Rcchtskniffe oder Rechts-drehereien machen oder anwenden, das Recht drehen.2. Für chicaniren, uneigentlich genommen, wo es soviel als in Verlegenheit setzen oder vexiren bedeutet,kann mau foppen sagen. H c y n a tz hat das N. D.drillet; gebraucht. „Ich will Sie damit nicht drillen,chicaniren wollte ich sagen." Für: er chicaniert michüber diesen Ausdruck, kann man auch sagen: er ver-dreht ihn mir; er inacht mir Handel darüber, er,nutzt ihn mir auf.

Chitkoumren (spr.schiffonniren), iff Unordnung bringen,z. B. den Kopfputz. In einigen Fällen paßt auch das

landschaftliche Wort zerknanschen, in andern zerknit-tern. Er hat mir die Manschetten ganz zcrknauschl(chissoniert). Ihr Mantel von Zindeltafft wurde völ-lig zerknittert.

Chiffre (spr. Schiffr), 1. ein Schristzug; 2. die Ziffer;Z. die Geheimschrift.

Chignon (fpr. Schinjong), in der Modefprache, der Na-ckenwulst. Kinderling.

Chiliasmus, die Lehre von einem bevorstehenden soge-nannten tansendjahrigen Reiche. Unter dem moralischenChiliasmus versteht Kant die Behauptung, daß daSmenschliche Geschlecht in beständigem Fortgange zumBessern in Ansehung seiner sittlichen Bestimmung sich be-findet, wenn dabei das Ziel des Fortschreitens in wei-tem Prospecte (in weiter Ferne) gesehen wird. Wenndieser letzte Umstand nicht mitgedacht wird, so bezeich-net er jene Behauptung mit der Benennung Eudae-monismus futurae generis humani historiae mo-ralis.

Chiiiast, ein Verfechter des tausendjährigen Reichs.

Cliimere (spr. Schimäre). Ad. und andere haben Hirn-gespinst dafür angesetzt. Dis paßt aber nicht immer, z.B. in der R. a. er hat sich schreckliche Chimeren inden Kopf gesetzt. Hier würde Hirngespenst passendersein. Dieses haben auch gute Schriftsteller, z. B. W i e-land im Don Silvio, und Eberhard im Amintorschon gebraucht. Auch Hirnspuk kann zuweilen dafürgebraucht werden. Für die cdlere Schreib-art hat G ö-lhe Lustgemählde gebildet.

Chimerisch (spr. schimärisch), eingebildet, grillenhaft.Für schimärische Hoffnungen oder Erwartungen kannman dichterische sagen.

Chiragra. Wir können füglich Handgicht dafür sagen;so wie Darmgicht und Fusigicht schon gebräuchlich find.Handzcpperlkin ist veraltet. C a t e l hat Handgicht auf-genommen.

Chirographarii, werden beim Zusammentritte der Gläu-biger (Concnrs) diejenigen genannt, welche über ihreFederungen weder Pfandbriefe, noch Wechsel, sondern ei-ne bloße Handschrift zum Belege in Händen haben. Wirhaben den Deutschen Ausdruck Buchglaubigcr dafür,so wie auch ihre.Fodcrungen Buchschulden genanntwerden.

Chirographum, die Handschrift.

Chirologie, nach Franz. Aussprache, Kirolvgih, die Fin--'gersprache.

Chiromant:, einer der aus der Hand wahrsaget; alsoein Handwahrsager, Handkucker oder Handgucker.„Welche uns Mährchen erzählen, wie die Handgncker."B od e.

Chiromantie, die Handwahrsagerci, die Handguckerckoder Handkuckerei.

Chtrnrg, oder Chirurgu8, der Wund-arzk. Die Hollän-der nennen ihn sehr passend Heelmeester, Heilmeister.

Chirur-