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1 (1808) A - E
Entstehung
Seite
178
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präge sagen könnte. Der Mensch hat gar keine Gemüths-bcstimmtheit, gar kein Sittengcpräge, d. i. er hat garkeine feste Grundsätze, keine eigenthümliche Gesinnun-gen, keinen Eharacktcr. Zuweilen kann man auch Ge-müthsverfassuug und Sinnesart dafür setzen. „DieseUebungen nur ein halbes Jahr lang mit ununterbroche-nem Eifer regelmäßig fortgesetzt, und ich stehe dir da-für, daß die Ordnungsliebe ein nie wieder zu vertil-gender Hauptzug in deiner Sinnesart werden wird."Väterlicher Rath. 6. Der Titel oder Amtsname; sowird man z. D. an den Thoren aufgesodert, seinen Na-men und Charackter anzugeben. Die Engländer gebrau-chen endlich 7. dieses Wort, und mit ihnen auch zu-weilen die Deutschen, für sittlicher Ruf. Sein Cha-racktcr konnte dadurch nicht befleckt werden, sagt man;d. i. sein guter Name, sein sittlicher Ruf litt dadurchnicht. Baum garten hat dieses Wort in der viertenund fünften Bedeutung gar zu allgemein und unbestimmtdurch Beschaffenheit übersetzt. Eigenheit f. Charackterhat Göthe gebraucht.

Charackterisiren, bfjeidjttnt. Unter einer charackteri-sirten Person versteht man eine betitelte, odcr bcwürdcte.

Charackteristic, die Angabe oder Bezeichnung des Ei-genthümlichen oder Eigenheitlichen einer Sache. Oftkönnen wir Bezeichnung schlechtweg dafür gebrauchen,z. B. Beitrage zur Bezeichnung des vorigen Jahr-hunderts.

Charackteristisch, eigenthümlich, unterscheidend, aus-zeichnend , bezeichnend. „Man muß nur dasjenige füretwas bezeichnendes ( charackteristisches) an ihnenhalten." Theophron.

Characie (spr. Scharade), ein Räthsel, dessen Eigenthüm-liches darin besteht, daß der Gegenstand, welcher erra-then werden soll, ein einzelnes Wort ist, dessen SilbenLurch eine rathselhafte Angabe ihres Inhalts angedeutetwerden, indem man jede derselben als ein für sich et-was bedeutendes Wort beschreibt. Also ein Silbcnrath-fel. Catcl hat diesen Ausdruck aufgenommen.

Charavari (spr. Scharavari), Ueberhosen oder llebcrzieh-hoscn, welche nicht bloß die Schenkel und Beine, son-dern auch einen Theil, des Leibes mit bedecken.

Charge (spr. Schargc), die Bedienung, das Amt, dieEhrenstelle. Diese Wörter sind grad-artig; Bedienungist das niedrigste, Ehrenstelle das edelste. Chargeheißt aber auch die Last oder Bürde; daher die R. a.a charge sein, für lästig sein oder zur Last fallen.

Charge d’assaires (spr. Schargeh d affar' ). Man pflegtGeschäftsträger dafür zu sagen. Allein da niemand Ge-schäfte tragen, sondern jedermann Geschäfte besorgen,oder auch führen, spricht: so scheint es,, wie schon Pe-terscn (in den Beitragen zur weitem Ausbildungder Deutschen Sprache) angemerkt hat, natürlicher zusein. das Sachwert von diesen letztgenannten Zeitwor-

reru, als von tragen zu bilden, folglich Gcschäftsbe-sorger oder Geschäftsführer zu sagen.

Cliargiren (spr. schargiren), 1. laden, z. B. ein Schieß-gewehr. In der Kriegcssprache wird auch laden undfeuern zugleich darunter verstanden. 2. Beladen, be-schweren, belästigen, z. B. einen mit Aufträgen, Ge-schäften, Arbeiten u. s. w. Einen mit etwas chargi-ren, ihm etwas auftragen. Für sich mit etwas char-giren oder beladen hat Wieland auch den niedrigenAusdruck aufhalsen in einem Zusammenhange gebraucht,wo es gerade keines edleren bedurfte: „Um derentwil-len er sich vielleicht den tödtlichen Haß aller Mollahsin der Welt aufhalset." 3. Ucbcrladen z. B. das Ge-mählde, der Garten, das Zimmer u. s. w., sind zu char-girt, d. i. mit Gegenständen, Figuren, Verzierungen,Hausrath u. s. w. überladen.

Charitahle (spr. scharitabl), mildthätig, wohlthätig. ,

Charite (spr. Schariteh), r. die Milde oder Mildthätig-keit, die Wohlthätigkeit; 2. ein Krankenhaus in Berlin.

Charitinnen, eben so viel als dieOrazien, auf Deutsch,die Huldgüttinnen. Man hat auch Holdinnen dafürgesagt.

Charlatan, (spr. Scharlatans), der Marktschreier.

Chariatanerie, die Marktschreierei.

Charmant (spr. fcharmang, oder nach Deutscher Ausspra-che, scharmant), reizend, schön, bezaubernd.

Charmiren (spr. scharmiren), 1. entzücken, bezaubern.Das entzückt oder bezaubert (scharmiert) mich. 2. Lieb--äugeln. Er liebäugelte (scharmierte) mit allen Frauen-zimmern.

Charnier (spr. Scharnier), von dem Franz. Charniere,das Gewinde; ein eben so gutes, als bekanntes Wort;und doch hört man fast immer jenes ausländische. War-um? ■—Einer meiner Beurtheiler, wollte Gewerbe da-für gebraucht wissen; allein dis hat nie, wenigstens nieallgemein, diese Bedeutung gehabt. Es heißt vielmehr1. die mit Handhaben versehene Schraubenmutter, wo-mit etwas auf- und zugeschroben wird; 2. Berufsge-schäfte überhaupt, und Erwerbsgeschafte insonderheit.

Charpie(spr.Scharvih), Schabsel. Esch enbürg merktan: daß wir in Niedersachsen auch das Wort Rebbels(Gerebbelfe), von rebbeln, auszupfen, dafür haben.Aber Schabsel ist etwas wohlklingender. Die Hollän-der sagen Plukzel, wonach Affsprung Pflückselbildete.

Charta magna , die große Karte, d. i. diejenige Urkun-de, welche die Grundgesetze der Englischen Verfassung oderder sogenannten Englischen Freiheit enthalt; jetzt sehrdurchlöchert.

Charteque (spr. Scharteke), eine kleine Schrift von gerin-gem Werthe. In den meisten Fällen werden wir Schrift-chen dafür gebrauchen können. Einen höhern, oder viel-mehr den höchsten Grad der Verachtung gegen ein sol-ches Schriftchen drucken wir durch Wisch aus. Warum