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1 (1808) A - E
Entstehung
Seite
169
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Cari

Cari

braucht werden müsse, wö der Zusammenhang ergibt,daß diese Bestimmung hinzugedacht werden solle. Wasdas Zeitwort liebkosen betrifft, so ist, der Regel nach,die Vorsilbe lieb von dem Hüüptworte kosen unzertrenn-lich, so daß man zu liebkosen, und nicht lieb zu ko-sen sagen muß. Wicland hat sich aber erlaubt, vondieser Regel abzugehen:

Ein Witz, dem's nie an Reiz gebrach.

Zu stechen oder liebzukosen.

A d. irret, wenn er glaubt, daß dieses Wort immer Mitdem vierten Falle verbunden werde. Unsere meistenSprachlehrer und viele unserer besten Schriftsteller lassendas Gegenstandswort im dritten Falle darauf folgen. „Erliebkosete ihnen so schön, daß sie nicht umhin konnten,ihn freundlich an ihren Busen zu drucken." Wseland.Die Ableitung von kosen, schwatzen, ist doch die na-türlichste und wahrscheinlichste, und diese erfodert dendritten Fall. Auf den Einwurf, daß man alsdann nichtwürde sagen können: ich bim gelicbkoset worden ant-worte ich : zugegeben! Man sollte sagen: mir ist gelicb-koset worden. Sonst haben wir auch das gute Wortherzen für caressiren, an welches Heinzclmaniterinnert.

Caricatur, nicht Carricatur, wie viele es schreiben, weiles von dem Jtal. oarioare, beladen oder überladen, ge-bildet ist. Der Hauptbegriff, den wir damit verbinden,ist der, einer ins Lächerliche fallenden übertriebenen Dar-stellung. Man könnte daher Uebertreibungsb'ild dafürsagen, wenn nicht theils das Schwerfällige dieses Worts,theils der Umstand, daß nicht jede Caricatur gerade einBild zu sein braucht, diese Benennung verwerflich mach-ten. Man sagt auch von Menschen, daß sie wahre Ca-ricaturen sind, und von Schauspielern, daß sie die dar-gestellte Person in Caricatur verwandelten. Das Gat-tungswort Bild paßt also nicht überall; eher Gestalt.Eschenburg schlug daher After- oder Abergestalt,und B ru mle i Prediger imBraunschweigischen, Miß-gestalt vor. Allein diese könnten auch jede unwahre,verfehlte Gestalt bezeichnen. Trapp hat (in der Fort-setzung meiner Reisen) Mißbild dafür angenommen, wel-ches aber gleichfalls von einem mißrathenen Bilde, dasaber deswegen noch keine Caricatur zu sein braucht, ver-standen werden könnte. Mein verstorbener Freund S t u v eschlug Fratzenbild vor; allein da Bild, aus den schonangeführten Gründen, nicht für alle Falle paßt; so frag-te!). Anton mit Recht: warum wir nicht lieber Fra-tze schlechtweg sagen wollten? Dieser Vorschlag verdientgehört zu werden. Doch bliebe uns dabei unverwehrt,auch Fratzenbild oder Fratzengebilde, wenn entwedervon einer gemahlten, oder ausgehauenen Caricatur dieRede wäre, mit zu gebrauchen. Der Kerl ist eine wah-re Fratze, oder ein wahres Fratzengestcht; beim Ein-gänge sieht ein Fratzengebilde, welches den Hineintre-tenden angrinset. In meinen frühern Versuchen hatte

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ich Zerrbild dafür vorzuschlagen gewagt; allein da die-ses , so viel ich bemerken konnte, damahls keinen Bei-fall fand: so opferte ich meine eigene Meinung der Mei-nung und dem Geschmacke meiner Zeitgenossen auf, undnahm dieses von mir gebildete Wort in der Preisschriftzurück. Allein jetzt, da auf einmahl und wider Vermu-then einige der berühmtesten Männer Deutfchlandcs, z.B. W i e la n d, dieses von 'andern verschmähte und ver-muthlich schon vergessene Wort zu gebrauchen, also auchzu billigen, angefangen haben, erhält die Sache ein an-deres Ansehen, und ich glaube, nunmehr auch hier die-sen Ausdruck, wie ich sonst gesonnen war, nicht mitStillschweigen übergehen zu dürfen. Wenigstens sollennun die Gründe, die ich vor Augen hatte, als ich ihnbildete, hier einen Platz verdienen: „Dis Wort, sagteich, ist unter allen, von mir gebildeten, vielleicht dasgewagteste. Und doch habe ich auch Hiebei die Aehnlich-kcit vieler, auf die nämliche Weise zusammengesetzterWörter, vor Augen gehabt. Es ist nämlich eine sehrgewöhnliche Deutsche Wörterform, vermöge welcher einZeitwort, mit Wegwerfung der Endsilbe en, und eineinfaches Sachwort zu einem zusammengesetzten Sach-worte verbunden werden, wie z. B. in Schießgewehr,Kühl-ofeu, Schmclzticgel u. s. w. Nun könnte manzwar einwerfen: daß in diesen Wörtern durch das abge-kürzte Zeitwort keine leidentliche, sondern eine thailicheEigenschaft des durch das Hauptwort ausgedruckten Din-ges, oder der Zweck, wozu es da ist, angedeutet.wer-de ; allein es fehlt in unserer Sprache auch nicht an an-dern, überall anerkannten Zusammensetzungen dieser Art,worin durch das abgekürzte Zeitwort nicht, wie in je-nen, der Zweck des Dinges, sondern vielmehr eine Ei-genschaft des Leidens oder eine Veränderung ausgedrucktwird, welche der Gegenstand des Sachworts selbst gelit-ten hat; z> B. Setz-ei, d. i. ein Ei, welches gesetztwird; Brat-apfel, ein Apfel, welcher gebraten wordenist; Machwerk, ein Werk, welches man gemacht hat,u. s. w. Nach derAehnlichkeit von diesen nun, habe ichaus zerren und Bild das Wort Zerrbild zusammensetzenzu dürfen geglaubt, welches also nicht einBild, welcheszerrt, sondern ein gezerrtes Bild bedeuten kann. Nunist es zwar üblicher, von einem Bilde zu sagen: es ha-be etwas verzerrtes oder es sei verzerrt, als, es ha-be etwas gezerrtes oder es sei g ezerrt; indeß scheintmir die letzte Art zu reden doch auch nicht undcutschzu sein."

Die Stelle, worin Wieland dieses Wort angenom-men hat, steht im Deutschen Merkur (1798. März.S. 267), und lautet: „Ich brauche nur einen Blickauf das Königthum, oder auf das häßliche Zerrbild des-selben, das sich ein für allemahl in meiner Einbildungs-kraft festgesetzt hat, zu werfen u. s. w." Auch B e r t u chhat es seit kurzen in dem Modejournale zu gebrauchenangefangen: „Was das Zerrbild oder die Caricatur inI den

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