Anda
Anem
nämlich das viel entweder als Nebenwort, oder als Bei-wort genommen wird. Hier sind seine Worte:
„Vielmahls ist unstreitig richtig, so oft viel adver-bialisch (ncbcnwörtlich) steht. Aber sollte es in dieserVerbindung immerso stehen? Man sagt in Schwaben:ich danke vielmahl, wie tausendmahl; aber man sagtauch: er ist vielmahls ganz niedergeschlagen. Freilichwerden diese Wörter, welche beide oft bedeuten, manch-mahl ohne Unterscheidung gebraucht, wicwol nur so, daßvielmahl auch für vielmahls, dis aber nie für jenes ge-setzt wird; allein auch diese Verwechselung geschieht ausUnkcnntniß des Unterschiedes,. und ist fehlerhaft. Viel-mahls ist wahres Nebenwort, heißt oft, und bedeutetdas häufige Geschehen einer Sache zu verschiedener Zeit.Vielmahl aber ist, wie zwcimahl, dreimahl, tausend-mahl, das mit einem Bciworte (viel) verbundene Sach-wert Mahl, und bezeichnet das häufige Geschehen, dieWiederholung einer Sache zu gleicher Zeit oder nach ein-ander, viele Mahle; es ist ein wahres Zahlwort, undhat, eben weil es Wiederholung einer Sache in unmit-telbarer Folge ausdruckt, auch die Bedeutung von sehr.Ich kann sagen: ich danke Gott vielmahls in meinemLeben, d. i. oft, obgleich zu verschiedenen Zeiten; und:ich danke Gott vielmahl (d. i. sehr) jetzt, zu dieser Zeit,wegen dieser Sache. Man kann sagen: er handelt viel-mahls gut, vielmahls aber auch schlimm, d.i. zu man-cher Zeit gut, zu mancher Zeit schlimm. Hingegen erthut vielmahl Unrecht, heißt, er thut es oft nach ein-ander, in naher Folge. Es kann einer vielmahls etwasBöses thun; er ist aber, weil er auch vielmahls Gu-tes thut, noch lange nicht so schlimm, als derjenige, wel-cher das Böse vielmahl thut, d.i. häufig, in einer lan-gen Reihe. Vielmahls ist also eigentlich das, was oft-mahls (saepe) ist, und nicht das, was vielmahl (cre-bro) bezeichnet, viele Mahle."
Es ist zu bewundern, daß die obige Regel, die soleicht zu finden war, so lange hat können übersehen wer-den. Daher aber auch der schwankende und oft fehlerhafteGebrauch, den selbst unsere besten Schriftsteller, vonLuther bis zu Wieland, von den Zusammensetzun-gen mit mahl gemacht haben. Jetzt steht es bei uns,hierin künftig cinftrmig und folgerecht zu verfahren.
Andante , in der Tonkunst, gemaßigct, nicht zu geschwind,und nicht zu langsam; dann auch ein so zu spielendesTvnstück. Reichhardt setzt gehend und schrittmaßigdafür an. „Telcmann schlug cbentretend dafür vor.Schrittmaßig ist nicht übel.. Gangbar wäre das beste,aber undeutlich." Eschcnburg.
Andantino, mäßig gehend. Reichhardt. Wenn sehritt-maßig für andante beliebt wird, so wäre für andan-tiiio vielleicht mäßig schreitend oder im Mittelschritt,vorzuziehen. Ein Stück im Mittelschritke.
Andrienne, ein Schlcppkleid; in Niedersachsen Schleu-der, in andern Gegenden Schiumtzer. Man könnte es
Andr
auch, im Scherze, ein Kehrkleid nennen, weil die Be-stimmung desselben zu sein scheint, die Straßen damitzu kehren. „Der Französische Name rührt von einemSchauspiele des Baron, l'Andrienne, her, welcheseine Nachahmung der Andria des Terenz war, und 1703zu Paris aufgeführt wurde, bei welcher Gelegenheit dieSchauspielerinn Dan court, welche dic Andria vor-stellte, diese Kleidung erdachte." Adelung. Nach an-dern war nicht Baron, sondern der Jesusmönch (Je-suit) D e l a R u e, der Verfasser des Stücks, und jenergab nur den Namen dazu her.
Androgyn, ein Mannweib, Zwitter.
Aneantiren (spr. aneangtiren), vcrnichtigen. „Das Er-staunen, welches uns vernichtigct." Herder. Vernich-ten ist aniiullireii und annihiliren. Vcrnichtigen aberbedeutet: vernichten in uneigentlichem Sinne, wie wennman jemand in den Zustand des Gefühls seiner Nich-tigkeit versetzt. Man kann von dem tZeitwortc vernich»tigen auch das Sachwert die Vernich igung, f. Anean-tissement, ableiten. A d. sagt zwar: „vcrnichtigen ftvernichten ist der edlern Schreib-art unbekannt;" aberda es von nichtig sprachrecht abgeleitet ist; da es fer-ner einen Begriff bezeichnet, wofür mir sonst kein ein-faches Zeichen haben, und keinesweges mit vernichteneinerlei ist: so verdient es, in der edleren Schreib-arkgangbarer gemacht zu werden. Heynatz führt im An-tibarb. folgende Stelle aus den Discoursen der Mah-ler an: „Ich bin zu furchtsam, als daß ich mich unter-stehen dürfte, die Autorität der Register gänzlich zu ver-nichtigcn;" wo es offenbar, nicht für vernichten steht,sondern nur für nichtig erklären, heißt.
Anecdote; eigentlich etwas noch nicht herausgegebenesoder bekanntgemachtes. Gewöhnlich versteht und ge-braucht man dieses Wort so, daß drei Begriffe darinzusammenstießen, nämlich: 1. der einer kleinen oderkurzen Geschichte, 2. der des Geheimen, oder doch we-nigstens des noch nicht allgemein bekannten, undZ.deSMerkwürdigen oder Anziehenden. Das Grichische Wortgibt nur den zweiten an. Alle drei durch ein einzigesWort zu bezeichnen, scheint weder thunlich, noch nöthigzu sein. Die Deutschen Ausdrücke: Geschichtchen odergeheimes Geschichtchen; ein Geschichtszug, ein klei-ner oder geheimer Geschichtszug,. und geheime Lebens-umstande, scheinen für jeden Zusammenhang, worindas fremde Wort Anecdote vorkommen kann, hinrei-chend zu sein. Geschichtszug hat Catel dafür ange-nommen. Wieland hat in der neuesten Ausgabe sei-ner Werke, z. B. in den Grazien, einigemahl gehei-mes Geschichtchen dafür gesetzt.
Anemometer, ein Windmesser; die Stärke des Win-des zu bestimmen.
Anemone, in der Pflanzcnlehre, eine Windrose oderWindblume. Man findet auch daS VerkleinerungswortWindröschen dafür.
Anemo-