Druckschrift 
1 (1808) A - E
Entstehung
Seite
115
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Anae

Anci

Anco

HS

Gesetze sind für die vernünftigen Menschen, was die Ancora! ruft man einem Tonknnstler zu, wenn man

Zügel für vernunftlose Thiere sind. Man kann daherauch Zügellostgkeit für Anarchie sagen. So heißt es z.

B. in der Schweizerischen Bürger-eidesformel:miteinem gerechten Haffe gegen die Anarchie oder Zügel»lossgkeit." K i n d e r l i n g hat Herrenlosigkeit dafür vor-geschlagen, welches aber nicht zu passen scheint, weil manherrenlos sein kann, ohne gerade in dem Zustande derAnarchie zu leben. Dis ist nämlich der Fall mit denBürgern der Freistaaten.

Anarchisch, würde also (f. Anarchie) durch gesetzlos undzügellos zu übersetzen sein. Ein gesetzloser Zustand; ei»zügelloses Leben.

Anathema , der Bannfluch. Leider paßt auch die Zusam-mensetzung mir Kirche, der Kirchenfluch, ungeachtet ei-ne Verbindung der beiden Begriffe: Fluch und Kirche,eigentlich gar nicht denkbar sein sollte. Man kann aberauch statt Fluch das Wort Bann setzen, der Kirchenbann.

Anathematisiren, mit dem Bannflüche oder dem Kir-chenbanne belegen, den Bannfluch oder Kirchenbann überjemand aussprechen.

Anatocismus, Zinsenwucher, da man Zinsen von Zin-sen oder, mit Einem Worte, Zinsenzins nimmt. DieZinsverzinsung.

Anatomie, i. die Zergliederungskunst, 2. die Zerglie-derung , wie wenn man von der Anatomie der Begrifferedet. 3 . Das Zergliederungshaus.

Anatomiker, der Zergliederen

Anatomiren, zergliedern, zerlegen.

Anatomisch, 1. als Beilegungswort (Adjectivum);^er kann man es durch Zusammensetzungen mit Zerglie-derung umgehen, z. B. das Zergliederungsmeffer, dieZergliederungsbühne, f. das anatomische Messer, dasanatomische Theater, theatrum anatomicum. Anato-mische Vorlesungen sind Vorlesungen über die Zerglie-derungskunst. 2. Als Umstandswort ( Adverbium );hier können wir durch Zergliederung, zergliedernd, undzergliederungsmassig dafür sagen. Er hat es durch Zer-gliederung bewiesen, zergliedernd untersucht, zergliede-rungsmäßig dargethan.

Anciennete (spr. Angßienntch). Man versteht bekannt-lich den Rang darunter, der durch die Dienstzeit bestimmtwird. Hepnatz und Moritz haben Dienst-und Amts-alter dafür angesetzt. Die Beförderungen richten sich nachdem Dienst-alter oder Amts-alter. Zuweilen kann manauch das Recht des langer» Dienstes dafür setzen, wiewenn man sagt: er hat die Anciennitat. In andernFallen würde vielleicht Altersfolge besser passen; z. B.Nicht durch Alterefolge, sondern durch hervorstechendeVerdienste, hatte er sich zu der Feldherrnwürde hinauf-geschwungen."

Anciens (spr. Angßieng), die Alten. In den Französch-reformirten Kirchen werden die Kirchenvorsteher damitgemeint.

wünscht, daß er das Gespielte oder Gesungene noch ein-mahl hören lassen soll; auf Deutsch: noch einmahl oderabermahls! A d. tadelt dieses letzte, insofern ihm dass angehängt wird und will, daß man abermahl spre-chen und schreiben soll. Ich habe schon an einem andernOrte (nämlich in der Probe eines ergänzenden Wörter-buchs, die ich im IX. St. der Beiträge vorlegte) ge-zeigt, daß er darin irre, und ich habe zugleich an dem-selben Orte die Regel angegeben, nach welcher einigeZusammensetzungen mit mahl jenes End-s annehmen,andere nicht. Allein da man jene Probe keiner Aufmerk-samkeit gewürdiget hat, und daher auch die erwähnteRegel, welche gleichwol eine häßliche Lücke in unsererSprachlehre ausfüllen kann, so gur als unbekannt ge-blieben ist: so ergreife ich die sich hier darbietende Gele-genheit, sie noch einmahl vorzulegen. Ad. bezieht sich,indem er abermahls verwirft und nur abermahl für rich-tig erklärt, auf die von ihm angenommene (von Titiusgegebene) Regel: daß diejenigen Zusammensetzungen mitmahl, welche unbestimmt zählen, wie z.B. mehrmahls,jemahls, nachmahls, das s bekommen; diejenigen hin-gegen, welche bestimmt zählen, wie z.B. einmahl, zwei-mal)!, dismahl, es nicht bekommen. Allein diese Regelist nichts weniger als zulänglich, weil z. B. jedermannniemahls und damahls spricht und schreibt, ungeachtetdiese eben so bestimmt angeben, als keinmahl und. dis-mahl; so auch umgekehrt manchmahl, ungeachtet die-ses eben so unbestimmt zählt, als oftmahls und m hr-mahls. Wir bedürfen also einer andern Richtschnur, undich glaube nicht zu irren, wenn ich folgende> nchugerund für völlig erschöpfend halte: Mahl erhalt das s,wenn das Wort, womit es verbunden w rd, ein Ne-benwort (Adverbium) ist; es erhalt aber dieses §nicht, wenn das damit verbundene Wort kein Neben-wort, sondern entweder ein Zahlwort, oinr ein Für-wort, mit-Einem Worte, eins von denen ist, welcheals Beiwörter mit einem Sachworte ( Substantivo )verbunden werden können. Denn in diesem letzten Fallebleibt Mahl einSachwort, indem ersten hingegen wi des in ein Nebenwort verwandelt. Hier muß es also auchdas nebenwörtliche(adverbialische) s haben, dort nicht.Also einmahl, zwcimahl, dreimal)! u. s. w. keinmahl,manchmahl, dismahl, ohne s; und freilich wäre eSdann auch richtiger zu schreiben: ein Mahl, una vice,dis Mahl, hac vice u. f. w.; hingegen abermahls, je-mahls, ehemahls, vormahls, nachmahls, nochmahls,oftmahls, mehrmahls, niemahls und damahls, mit dems. Bei vielmahls, welches ich mit unter diese letztengezählt hatte, erinnerte mich der schon oben ungeführkeSchwäbische Sprachforscher, Gerstner, daß man, wie-wol in einem andern Sinne, und meiner Regel unb>schadet, auch gar wol vielmahl sagen könne, je nachdemP 2 nämlich