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1 (1808) A - E
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106
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Alii

Allegorie. Der ursprüngliche Begriff von Allegorie, deraber, in unserü Lehrbüchern der Wohlredenheit, der schönenWissenschaften und Künste, häufig verdrehet und mit fremd-artigen Zusähen vermischt worden ist, scheint mir dieser zusein: eine Vorstcllungsart, wobei etwas anders gedachtwerden soll, als die Vorstellung an sich selbst andeutet. Die-se Erklärung paßt eben so genau aufjedes Beispiel von Al-legorie, dessen ich mich zu entsinnen weiß, als sie mildemGrichischen Namen (voner^exund «>x°ßkco) übereinkommt.Ihr Wesen besteht also darin, daß etwas anders gesagt odergezeigt wird, und etwas anders bei dem Gesagten, oder Ge-zeigten gedacht werden soll. Sie ist folglich eine sinnbild-liche Vorstcllungsart, d.i.eine solche, beider unter einerVorstellung, die hier nur Bild oder Zeichen sein soll, eineandere Vorstellung oder ein Sinn verborgen liegt, wozuwir durch jene geleitet werden sollen. Also eine sinnbildli-che Rede, ein sinnbildliches Gemählde, ein sinnbildlichesStück, und für den abgezogenen Begriff, Allegorie, sinn-bildliche Vorstellungsart. Wir gebrauchen auch anspie-lend und verblümt in dieser Bedeutung. Von diesem letz-ten hatte man ehemahls auch das Zeitwort verblümeln,welches jedoch von Abraham a S. C l a r a, nicht für al-legorisiren, sondern für beschönigen gebraucht wird:einSchelmstück verblümeln." Lessing hat für allegorisiren(im Nathan) das Zeitwort slnnbildern abgeleitet.

Was witzelst du mir da? Von wessen Brautkleid

Sinnbilderst du mir so gelehrt?

Auch ihm mußte also sinnbildlich für allegorisch gelten.

H e y n a tz und andere haben Allegorie durch b ldli-chc Vorstellung, und allegorisch bloß durch bildlichverdeutschen wollen ; allein diese Ausdrücke sind zu weit.Eine Vorstellung kann bildlich sein, ohne daß sie allego-risch ist. Wer z. B. den Frühling dadurch vorstellt, daßer uns theils einige der vorzüglichsten Erzeugnisse dieserJahrszeit, z.B. junges Laubwerk, Blumen, Lämmer u.s. w., theils menschliche Beschäftigungsarten, welche vor-züglich in diese Jahrszeit fallen, z. B. den pflügendenLandmann, spielende Kinder u. s. w. zeigt, der erwecktunstreitig eine bildliche Vorstellung; aber diese Vorstel-lung wird noch nicht Allegorie genannt. Und warumnicht? Weil hier die Darstellung bei den natürlichenZeichen der Sache stehen bleibt, bei welchen nur das,was sie sind, nicht etwas anderes, nicht etwas darunterverborgenes,gedockt werden soll. Wer hingegen den Früh-ling als ein mit Blumen bekränztes Kind, den Sommerals einen glühenden Jüngling, den Herbst als einen ge-reiften Mann, und den Winter als einen Greis mahlt,der gibt uns eine Allegorie, weil bei diesen Bildern et-was anders gedacht werden soll, als was uns in den-selben dargestellt wird. Es ist also ein wesentliches Un-terscheidungszeichen der Allegorie, daß unter dem Bilde,welches uns vorgehalten wird, etwas anders, durch dieVergesellschaftung der Begriffe leicht zu errathendes.

verborgen liegen muß; und daraufdeutet der Ausdruck:sinnbildliche Vorstellung.

Ueber den Unterschied zwischen Allegorie und Parabel,und über die Verdeutschung des letzten, sieh dieses.

Allegorien, sinnbildcrn. Lessing. S. Allegorie.

Allegretto, in der Tonkunst, etwas munter. Reich-h a r d t hat die Deutsche Bezeichnung, etwas hurtig, an-genehm, froh, dafür gewählt.

Allegro, (in der Tonkunst) munter, lebhaft; eigentlichhurtig. Die Tvnkünstler setzen dieses Wort über diejeni-gen Stücke, welche lebhaft und munter gespielt werdensollen. Als Sachwvrt gebracht e in Allegro konntees, wenn von einem Singcstücke die Rede ist, vielleichtdurch Frohgesang verdeutscht werden. Einen allgemeinenAusdruck, der Singcstücke und Spielstücke zugleich untersich begriffe, weiß ich nicht anzugeben ; denn Frohsiückoder Frohspiel möchten wol keinen Beifall finden. Manmuß sich also mit der Umschreibung: ein munteres Stück,ein Stück, welches munter oder lebhaft gespielt werdenmuß, begnügen.

Allegro assui , allegro di molto oder allegrissimo,sehr hurtig. Reichhardt.

Allemanäe (spr. Allmangd), die Deutsche oder Schwä-bische Tanzwcisc in vierviertcl Tvnmaß.

Allianz, Franz. Alliance, das Bündniß., Für Offensiv,und Defensiv-allianz haben wir das aus der Schweiz zuuns gekommene Schutz- und Trutzbündnisi; sonst auchAngriffs- und Vertheidigungsbündniß. Alliirter kannman durch Bundesgenosi und Verbündeter, und wenn,wie gewöhnlich, von einem verbundenen Staate die Re-de ist, auch durch Hülfsmacht übersetzen. Für Tripel-und Ouadrupel-allianz sind, wie Rüdiger sagt, Drei-bündniff und Verbündnisi schon üblich. Ich würde aberDreibund und Vicrbund vorziehen. Allüren, ver-binden. In einigen Künsten wird das Wort Alliancevon der Verbindung ungleich-artiger Dinge gebraucht.So nennt z.B. der Goldschmied einen Ring en alliance,wenn er aus einem goldenen und einem silbernen Drarhegewunden ist; und Zuckerkünstler einen Kuchen, der ausverschiedenen Teig-arten besteht.

Alligation, oder auch die Legirung, die Vermischungoder Versetzung der Metalle von ungleichem Werthe zuEiner Masse; der Zusatz (nämlich von schlechterem Schrvo-te). Die Alligationsregel (Franz, la Regle dalüga-tion oder dalüage), die Vermischungs- Versetzungs-oder Beschickungsregel, d. i. diejenige Regel der Re-chenkunst, welche gewisse Dinge von verschiedener Artund verschiedenem Werthe dergestalt mit einander zuvermischen lehrt, daß das Ganze einen bestimmten Werthhabe, und wonach also auch der Werth einer vermischtenoder versetzten Masse gefunden wird.

Alligiren oder legiren, vermischen oder versetzen. S.Alligation.

Allodial-