Druckschrift 
1 (1808) A - E
Entstehung
Seite
76
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7 s Grundsätze, Regeln und Gränzen

da meine Meinung, *) oder wie diese vornehmlich Englische in der epischen Poesie (im Heldengedicht): Alsooder Darauf derHeld (thus ober then the hero), **) statt des, wenn es öfters wiederkommt, äußerst schlep-penden: Also sprach der Held, bereichern unsere Sprache wirklich, machen sie gelenkiger, und widersprechenihrem Genius und ihrer sonstigen Analogie (Sprach-ahnlichkeit) nicht. Aber was soll man dazu sagen, wenn vieleSchriftsteller schreiben: Jemanden den Hof machen (faire sa cour), statt dessen ehemahls das auch noch inLuthers Bibelübersetzung hie und da vorkommende, jetzt vergarstigte hofiren üblich war,***) oder wenn andereschreiben: die Ausführung antwortet nicht der Erwartung, ****) da wir doch statt dessen unser ent-sprechen haben, welches gar nicht neu ist, sondern, nach Adelungs Anführung, schon beim Geiler vonKaisersberg und Bluntschli vorkommt."

Der schon ziemlich gangbare Gallicismus (Französische Sprachgebrauch), statt: der Brief meines Va-ters und der Brief meines Bruders, lieber zu sagen: der Brief meines Vaters und der meines Bru-ders, ist vielen zuwider, vermuthlich weil sie nur bloß daran denken, daß es ein Gallicismus sei, da doch schon dieErichen auf ähnliche Art redeten, und außer den Franzosen auch noch die Engländer diese treffliche Sprachverkürzunghaben. Aber demungeachtet wünschte ich doch, man veredelte lieber, durch häufigen Gebrauch in Schriften, die imgemeinen Leben und besonders in Niedersachsen übliche Wortfügung: der Brief meines Vaters und meines Bru-dcrs feiner. Eins von beiden wenigstens müssen wir wählen; f) denn die kahle Wiederholung eines und dessel-ben Worts ist unausstehlich."

Wenn ich aber in irgend einem Punkte das Deutsche aus fremden Sprachen bereichert wünschte, so wäre eSin dem freiern Gebrauch der Participien (Mittelwörter). Als bloße Adjectiven und Adverbien (z. B. das lachendeKind, oder er sprach es lachend) sind sie schon seit undenklichen Zeiten bei uns üblich. Neu, oder vielmehr erneuert,ist jener jetzt, wenigstens in der Poesie (Dichtkunst), schon mit Recht angenommene Gebrauch derselben, da sie mitdem Lasus (Biegefall) ihres Zeitworts verbunden, auch von ihrem Zeitworte losgerissen werden (z. B. sein Unglückbeweinend, oder auch noch kühner umgekehrt: beweinend sein Unglück, sprach er: getrennt von mir floh mein Freund).Jedermann weiß, daß wir die Erneurung dieser Wortfügungen, durch die die Sprache so ausserordentlich an Kürze,Gedrängtheit und Lebhaftigkeit gewinnt , den Schweizern zu verdanken haben. Nach gerade fangen unsere Pro-saisten (nicht-dichterischen Schriftsteller) auch an, in diesem Gebrauche der Participien etwas dreister zu werden, wiees schon Ab bt vorzüglich in seiner so verkannten und, einige-wenige Zierereien und Frcmdheiten ausgenommen,wirklich nachahmungswerrhen Uebersetzung des Sallust war. Aber ich wünschte selbst noch mehr. Wir haben zu we-nig

Oder besser, ra wir unsere Leser gewöhnlich in der Vielzahl anzureden pflegen, Sehet da! So ward es von Ramler, wenn ichnicht irre, zuerst im Battcux gebraucht; und so haben viele unserer besten Schriftsteller er auch nachgebraucht.

**) Ist durch unsere Stollberge und Vosse nun schon längst eingeblirgcrt.

***) Man hat diese wörtliche Uebersetzung von faire sa cour bisher aus Noth häufig gebraucht, weil hofiren sowol seiner undcutscher»Endung, als auch seiner vergarstigten Bedeutung wegen, unausstehlich ist, und wir gleichwol bis dahin kein besseres Wort an desseuStelle zu setzen hatten. Gleichwol kann und darf jene Deutsch-französische Redensart, weil sie für den, der kein Französisch ver-steht , unverständlich ist, das Bürgerrecht in unserer Sprache nie erlangen. Ich schlug daher die Wiederbelebung des veralteten h o-fen (aus welchem man das Zwilterwort hofiren gemacht hat), und wenn verächtlich gesprochen werden soll, höfcln vor. Sdas nachstehende Wörtcrb.

""*) Ich gestehe, daß ich die Einflihrung dieser Redensart nicht bedenklich finden kaun. Denn i. wird hier nur das Zeitwort ant-worten in einer uncigentlichcn Bedeutung genommen, die mit der eigentlichen nahe verwandt, und daher für icdermann sogleichverständlich ist; 2. hat diese Bedeutung zwar nicht den ältesten Sprachgebrauch, aber doch ein ehrwürdiges Zeugniß ihrer Gültig-keit, das eines Leibnitz für sich; 3. ist sie nicht, wie entsprechen, der Sprach-ähnlichkeit zuwider; und 4. findet sie sich inden verwandten Sprachen, z. B. iiu Englischen; to answerhopes (respondere expectationi, repondre ä) u. f. w.

f) Ich für meinen Theil erkläre mich für da« erste: i. weil das Hochdeutsche Ohr sich leichter daran gewöhnen kann, und wirklichschon gewöhnt hat; 2. weil das zweite immer etwas schleppendes hat , welches im Niederdeutschen, wo das Fürwort seinereinsilbig ist (sin), wegfällt; und 3. weil, bei einsilbigen Wörtern wenigstens, es nur im Niederdeutschen, aber nicht im Hoch-deutschen , eine wahre Verkürzung ausmacht. Der Niederdeutsche nämlich sagt, wenn er vollständig redet,: m eines Bruders, fein Brief, und verkürzt die Rede, indem er Brief wegläßt: meines Bruders seiner. Der Hochdeutsche hingegen sagt:meine« Bruders Brief und wollte er hier nun, statt Brief, seiner setzen (meines Bruders seiner), so würde er «och ei-ne Silbe mehr gebrauchen, als vorher.