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1 (1808) A - E
Entstehung
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der Verdeutschung.

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den muß. Jede Verletzung derselben ist gleichsam cinStoß nach ihrer Lcbensguclle; und vicleStöße dieserArt, ohneMißbilligung und Ahndung der Zcitgenossenschaft vollführt, würden ste endlich ganz zu Grunde richten. Sie würdeihre Selbständigkeit darüber verlieren; und statt eine eigene Sprache zu sein, zu einem elenden Gemische von vielenwerden. Nach dieser Regel ist z. B. die Verdeutschung der Französischen Redensart: je me sens- un desir, durchich fühle mir ein Verlangen ohne allen Zweifel verwerflich, weil der Deutsche in diesem Zusammenhange inmir sagen muß.

z. Sie muß der Deutschen Art zu denken und sich auszudrucken nicht so fremd fein, daß sie, in unsereSprache übergetragen, nur von denen verstanden werden kann, die zugleich der fremden Sprache, der sie abge-borgt wird, mächtig sind. Indem wir Deutsch reden oder schreiben, müssen wir bei denen, die uns hören oderlesen, keine andere Sprachkenntniß, als die der Deutschen, voraussehen; denn wo wäre das Gesetz, welches denDeutschen, als Deutschen, zur Pflicht machte, mehr als seine Muttersprache zu vcrstchn? Altes also, was einemDeutschen, der seine eigene Sprache, aber auch nur ste, wol erlernt hat, unverständlich sein würde, das darf un-serer Sprache nicht aufgedrungen werden. Hieher gehört z. B. die unschickliche Ucbertragung der Französischen Re»densart: se meler de q. ch. ins Deutsche durch: sich von einer Sache mischen oder melircn. Wer,der nicht Französisch gelernt hat, kann wissen, was der Deutschftanzose, der so redet, damit sagen wolle?

Hier noch ein paar andere Beispiele, wovon eins den obigen Regeln genläß, also zu billigen ist, die andernhingegen, als davon abweichend, verworfen werden müssen.

Die, schon ziemlich allgemein gebilligte, aus dem Französischen entlehnte Wendung, wodurch unser schleppen-des Laßt uns verdrängt zu werden angefangen hat, erfüllt alle Bedingungen der obigen drei Regeln völlig, undverdient also aufgenommen zu werden. Denn 1. haben wir diese Wendung, wenn wir uns in gewissen Fallen nichtunausstehliche Uebellaute erlauben wollen? durchaus nöthig. Wer vermag es z. B. folgenden Satz über die Zungezu bringen: Laßtuns uns unserer Unschuld freien; oder laßt uns uns unsererNatur über-lassen! Und wie viel kürzer, natürlicher und wolklingender würden wir nicht sagen: Freuen wir uns un-serer Unschuld; überlassen wir uns unserer Natur! 2. Sie ist, statt den Eigenheiten unserer Spra-che zuwider zu sein, sogar in einer unserer Mund-arten, der Oberdeutschen nämlich, heimisch. 3. Jeder Deutsche,-er sie hört, versteht sie, ohne irgend eine andere Sprache gelernt zu haben.

Verwerfliche Beispiele hingegen scheinen mir dasWielandische nur nicht gar (modo non) für beinahe*)und das von einigen Oberdeutschen Schriftstellern gebrauchte es handelt sich (d sag-it) zu sein. Beide habenwir nicht nöthig; beide widerstreben dem Deutschen Sprachgebrauche, und das erste ist noch obendrein für den, derkein Latein gelernt hak, ganz unverständlich. Diese verdienen also, scheint es, nicht aufgenommen zu werden.

Ich glaube, diesen meinen Gedanken über das Befugniß, ganze Redensarten, Wortfügungen und Wendungenaus fremden Sprachen in die unsrige zu verpflanzen, noch eine Stelle aus der schon mehrmahls von mir angeführ-ten Abhandlung von Gedike beifügen zu müssen, theils weil sie dem Gesagten zur Bestätigung und zur zweckmäßi-gen Erweiterung dienen kann, theils weil ich einen und den andern Zweifel dabei zu äußern habe, worüber ichmir Belehrung wünsche.

Aber sollen und können wir auch fremde Redensarten, Wendungen, Wortfügungen aufnehmen? Hier ist nochweit mehr Behutsamkeit, als bei einzelnen Wörtern nöthig. Wenn sie unsere Sprache wirklich bereichern; wenn sieihr ein leichteres, minder steifes und schleppendes Ansehn geben, und wenn sie (doch dis zu entscheiden wird mehrals ein gewöhnlicher Schriftsteller erfodert) nicht dem Genius (dem Geiste) unserer Sprache widersprechen, und vor-nehmlich keine Idiotismen (Sprach-eigenheiten) aus ihr verdrängen, warum sollte man sie nicht aufnehmen? Dennauf nichts muß ein Volk in seiner Sprache mehr halten, als auf seine Idiotismen, und wirklich sehn wir auch, daßdas gerade die beliebtesten Schriftsteller sind, die die meisten haben. Wendungen, wie z. B. diese Französische: siehe

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*) Klopstock gebraucht« einst diese Lateinisch-deutsch« Wendung in folgendem Zusammenhange:Ich scheue falsche, nnr nicht

sinnlose Erklärungen , wie das verbrannte Kind das Setict." Unlateinische Leser meinten, er wolle sagen : er Haffe zwar die fal-schen, aber nicht die sinnlosen Eckliirungcn; und wnndcrten sich über die Aeußerung.