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1 (1808) A - E
Entstehung
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der Verdeutschung.

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von ihnen, ändern sich gleichfalls, und steigen oder fallen an Ansehn, Werth und Würde, so wie die Veränderun-gen, welche Zeit und Umstände darin bewirken, es mit sich bringen. So wurde z. B. in den ersten Jahren derFranzösischen Staatsuiiiwälzung fast ganz allgemein das Bedürfniß eines andern Worts für Franzosen gefühlt;weil das Volk, das diesen Namen hatte, nicht mehr das nämliche zu sein schien, was es vorher war. Man brach-te daher bald Franken, bald Neu- oder Westfranken, bald Frankreicher dafür in Vorschlag; und diealte Benennung, Franzosen, fing schon an sich aus dem Sprachgebrauche zu verlieren. Seitdem aber die schö-nen Hoffnungen, welche die Freunde der Menschheit aus jenen frühern Begebenheiten zu schöpfen sich nicht erwehrenkonnten, von herrsch- und raub'süchtigcn Selbstlern, welche sich an die Spitze der neuen Verwaltung zu drängenwußten, so schändlich vereitelt wurden, hat jenes Bedürfniß wieder aufgehört; und die neuen Benennungen habender zurückkehrenden alten wieder Platz gemacht.

Man fertige also künftig den, der ein neugebildekes, an sich und in jeder andern Rücksicht nicht verwerfli-ches Wort zur öffentlichen Prüfung aufstellt, nicht mit der uncntscheidenden Weisung ab, daß für den Begriff, denes ausdrucken soll, schon ein älteres Wort vorhanden sei. Man überlege vielmehr erst, ob dieses ältere Wort auchfür jede Gattung des Ausdrucks und möchte ich um der Dichter willen hinzusetzen auch für jedes Silbenmaßpaffe? Ob es durch zufällige Ursachen nicht etwa seinen ehemahligen Adel zum Theil oder ganz verloren habe? Obes nicht durch diesen oder jenen, in neuern Zeiten davon gemachten Gebrauch oder Mißbrauch, Nebenbegriffe ange-nommen habe, die der Wirkung, die man dadurch auf das Gemüth des Hörenden oder Lesenden zu machen wün-schet, schaden würden? Ob der Gegenstand, der dadurch ausgedruckt werden soll, sich nicht etwa selbst merklich ver-ändert habe, also auch eine neue Benennung erfodere? Nur dann erst, wenn man alle diese Fragen reiflich unter-sucht und die völlige Entbehrlichkeit des neuen Worts dadurch außer allen Zweifel gesetzt hat, spreche man ihm seinVerwerfungsurtheil, und der Deutsche Sprachgeist wird es unterschreiben.

So viel von den verschiedenen Fällen, in welchen es erlaubt und nützlich ist, neue Wörter zu bilden. Jetztwollen wir die Regeln, zu entwickeln suchen, nach welchen wir dabei verfahren müssen.

Erste Regel:

die Bestandtheile, woraus wir neue Wörter ;n bilden versuchen das dabei zum Grunde zu legendeStammwort sowol, als auch die damit zu verbindenden Vor- und Endsilben, müssen echtdcutschen Ur-sprungs sein.

Die Bereicherung der Sprache muß nämlich, soll sie anders rechter Art sein, mit der Reinigung und der re-gelmäßigen Ausbildung derselben Hand in Hand und gleiches Schrittes gehn; sonst gibt sie, wie ich schon einmahlangemerkt habe, keinen Gewinn, sondern Verlust.

Durch diese Regel wird allen jenen barbarischen Zwitterwörtern, von welchen es leider! in unserer Sprachewimmelt, jenen Sachwörrcrn in rät und ion, und jenen Zeitwörtern in ircn, das unbedingteVerwcrfungsurchcilgesprochen; weil sowol diese Endungen undcutsch, als auch bei den meisten sogar die Stammwörtcr fremd, alle aberauch schon deswegen vcrbannungswürdig sind, weil sie den Ton auf der Ableitungssilbe haben, und dadurch dieDeuliche Sprach-ähnlichkeir verletzen. Was die Zeitwörter in iren insbesondere betrifft, so ist ihr Ursprung in je-nen barbar sch-lateinischen Zeiten zu suchen, in welchen die Sprache der Römer von ihrer ehemahligen Lauterkeitund Würde eben so lief und schmählig hinabsank, als die Römer selbst von ihrer ehemahligen Kraft und Hoheit zurbürgerlichen und geistigen Knechtschaft herabgcfunken waren. Damahls trieb man das sprachverderbende Unwesen soweil, daß man Deutsche Wörter, z. B. Herbergen, erlusiigenu. f. w., dadurch, daß man ihnen die Endungure anlothcte, zu scmfollenden Lateinischenlierbergare, erlustare'umschuf; und nachdem man das saubereMachwerk vollendet und sein Deutschlakcinisches Ohr daran gewöhnt hatte, leistete man nun auch der DeutschenSprache den nämlichen leidigen Dienst, indem man diese unschlachtigen Wörter, durch Verwandlung der Endungare in iren, aus dem Lateinischen wieder zurück ins Deutsche verpflanzte, und herbergircn, erlustiren u.s. w. daraus machte. Nach und nach gewöhnte man sich an diese undeutsche Form von Zeitwörtern so sehr, daßman nun auch neue danach zu bilden kein Bedenken trug; und so entstanden Hausiren, Handtieren, schat-tiren, flolziren, schändircn, halbircn, in ha stiren, Haseliren, Hofiren, buchstabiren,spintisiren, und wer weiß wie viele andere desselben Gelichters. Ein weites Schlenßenthor war hiemit eröffnet;und nun ergoß sich ini sechszehnten und siebzehnten Jahrhunderte, ein ganzer Strom ausländischer, besonders Fran-zösischer Zeitwörter, durch die bloße Endung iren zu vermeinten Deutschen umgeschaffen, in das Bett unserer

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