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Grundsätze, Regeln und Gränzen
Sprache, »nd brachte ein Gemisch darin hervor, dem man kaum noch ansehen konnte, ob das Deutsche oder dasFranzösische den Grundstoff davon ausmachte. Anstatt nun in diese und ähnliche undeutschc Formen noch mehr neueWörter zu gießen, laßt uns vielmehr dahin trachten, jene Mißgestalten, so viel an uns ist, wieder auszutilgen,und Wörter echtcrn Schroots und bessern Gepräges an ihre Stelle zu setzen.
Am allerunausstehlichstcn und verwerflichsten aber sind diejenigen Wortmißgeburten dieser Art, welchen manein Lateinisches Verhältnißworl (Präposition), oder gar das Grichische Absondcrungs-A (alpha privativum) odereine andere Grichische Vorsilbe angeleimt, und dadurch ein eben so seltsames, als scheußliches Silbcngemisch ausdreierlei Sprachen hervorgebracht hat, wie z. B. antir o p al i stisch , am ph i t h e a tr a lisch , antigallica-nisch, dethronisiren, «katholisch, Exjesuit, Exminister u. s. w. Wem fällt hier nicht das Hora-zische Humano capiti cervicem pictor equinam ein? Also weg mit diesen! Und Spott über den, der unsereSprache durch irgend eine neue Mißgeburt dieser Art zu schänden jemahls wieder sich.unterfangen wird!
Zweite Regel:
man beobachte sorgfältig das Gesetz der Sprach-ahnsichkcit;
d. i. man erlaube sich nie, ein neues Wort zu prägen, ohne im Stande zu sein, die dabei gebrauchte Bildungs-form an andern cchtdeutschen Wörtern derselben Art, zum Beweise, daß man kein falscher Münzcr sei, vorzuzeigen.
Diese Regel, deren Nothwendigkeit und Vcrnunftmäßigkeit schon oben erwiesen worden ist, setzt der wildenSprachbereicherungslust eine heilsame Gränze. Denn was würde aus unserer Sprache werden, wenn nicht durch die-ses Hauptgesetz das Willkürliche bei der Wörterbildung ausgeschlossen würde!
Jemehr wir die allgemeinen Regeln, nach welchen unsere Sprache beim Gebrauche ihrer Vor - und Endsilbenverfährt, werden aufs Reine gebracht haben, desto leichter und sicherer werden wir, nach dem Gesetze der Sprach-ähnlichkeit, neue Wörter bilden können. Adelung und Ramler haben uns darüber schon mit sehr schätzbarenBemerkungen beschenkt, die vielleicht nur noch hin und wieder, bald einer Nachlese, bald einer Berichtigung, baldeiner Zurückführung auf allgemeinere Formeln bedürfen.
Gedike fügt der Regel, welche die Sprach-ähnlichkeit zu beobachten gebietet, eine nähere Bestimmung bei,die zu gegründet und zu nothwendig ist, als daß ich sie hier übergehen dürfte. „Es muß, sagt er, eine leichtund bald zu entdeckende Analogie (Sprach-ähnlichkeit) sein, d. i. das neue Wort muß nicht etwa nach derGestalt von nur sehr wenigen Wörtern (die, füge ich hinzu, vielleicht selbst nur fehlerhafte Ausnahmen von der Re-gel sind) gebildet werden. Wäre entsprechen ein neues Wort, so wäre es, diesem Grundsätze zufolge, verwerf-lich, weil die Vorsilbe Ent, die in diesem Falle mit dem nur noch in den zwei Wörtern Antworten und Ant-litz vorkommenden Ant einerlei ist, nur noch äußerst selten die Bedeutung von gegen und gegenüber (es istdas Grichische awvr) hat. *) Eben so wenig würden neue, nach der Analogie (Aehnlichkeit) von entzünden ge-bildete Wörter zu billigen sein, weil die inchoative Bedeutung (die Bedeutung des Anfangnchmens) des Ent, fürwelches wir in dieser Bedeutung jetzt lieber die Vorsilbe er (erbrausen) gebrauchen, auch nur in wenigen Zusam-mensetzungen vorkommt. Desto öfter hat dis Ent die Bedeutung der physischen und moralischen (der körperlichenund geistigen) Wcgbewegung, und in dieser Bedeutung werden daher täglich von unsern besten Schriftstellern, be-sonders von den Dichtern, neue Wörter mit ent geprägt."**)
Diese richtige Bemerkung würde unter andern zwei von Schiller'n gebrauchte Wörter, entlciden, fürleid oder zuwider machen, und entfremden, für fremd machen, treffen, wenn diese Wörter von diesem
Schrift-
*) Diese Bemerkung ist, wie schon Hillmer in seinen Dcuicrkungcn und Vorschlügen gezeigt hat, nicht gcgriindet. Da«ant in antworten, ist nicht das Grichische um , sondern es ist die Silbe an mit dem Einschubs-t. Ich finde zwar in denvon Richcy aus dem Teuthonista ausgezogenen Wörtern eins, in welchem,das Grichische «er/wirklich in ent verwandelt ist —nümlich LneKoret fiir ^nticlirl5t — allein hier steht diese Vorsilbe auch vor keinem Deu tsch cn , sondern vor einem fremdenWorte; bei entsprechen müßte aber angenommen werden, daß das Grichische um auch Deutschen Wörtern vorgesetzt und so inrnt verwandelt worden sei —eine Sprachvermjschung, von der ich noch kein Beispiel gesunde» habe. S. übrigens über das Wortentsprechen das nachstehende Wörterbuch unter RepomHren.
•*) Am angeführten Orte.