der Verdeutschung.
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Die sechste Quelle für die Sprachbereicherung, welche die verwandten Sprachen ausmachen, hatchre Regeln, dem Wesentlichen nach, theils mit der vorhergehenden, theils mit der nachfolgenden gemein. Ich glau-be daher, sie hier füglich übergehen zu dürfen, und, um nicht gar zu weitläuftig zu werden, übergehen zu müssen.
Die siebente und achte Quelle liefern neugebildete Wörter, und zwar die eine solche, die theilsdurch Zusammensetzung, theils durch Ableitung oder Umbildung entstehen; die andere solche, die durch wörtliche Ue-bersetzungen aus fremden Sprachen gebildet werden. In Ansehung beider tritt zuvörderst die Frage ein: wann,und unter welchen Umständen wir die Befugniß haben, aus ihnen zu schöpfen? Dann die zweite: nach wel-chen Grundsätzen und Regeln wir dabei zu Werke gehen müssen?
Was die erste Frage betrifft, so kann die allgemeine Antwort darauf keine andere, als folgende sein:
„das Bilden neuer Wörter, es geschehe auf die eine oder andere Weise, darf nicht willkührlich und ohnevernünftigen Zweck, sondern nur da vorgenommen werden, wo entweder die Noth es erfoderk, oder wo dochwenigstens ein wirklicher Gewinn für die Sprache dadurch beabsichtiget wird und erreicht werden kann."
Die Nothwendigkeit dieser Einschränkung der Freiheit neue Wörter zu bilden, braucht nicht erst bewiesen zu«erden; sie leuchtet von selbst ein. Denn was würde aus unserer Sprache überhaupt, was aus ihrer Einheit, Re-gelmäßigkeit und allgemeinen Verständlichkeit insbesondere werden, wenn jeder, den die Lust zu münzen ankäme, dieunbedingte Befugniß haben sollte, jedes ihm beliebige alte Wort durch ein selbstgeprägtes neues zu verdrängen? Istnicht jede lebendige Schriftsprache schon an sich selbst unstätt und wandelbar genug; und wäre es vernünftig undrecht gehandelt, diese ihre nothwendige Veränderlichkeit, durch einen Strom, ohne Zweck und Absicht und nur insWilde hinein geschaffener neuer Wörter, auf eine willkührliche Weise stündlich vergrößern zu helfen? Das würde nichtSprach bereicherung, das würde Sprach Verwirrung und Sprach verderben genannt zu werden verdienen.
Allein es ist nicht genug, der Willkühr unberufener Wortmünzer jene allgemeine Regel, als einen heilsamenDamm vorgeschoben zu haben; wir müssen nun auch die Fälle, wo entweder die Noth oder ein zu erreichender wirk-licher Sprachgewinn das Ausprägen neuer Wörter rechtfertigen können, genauer anzugeben und gehörig zu bestim-men suchen.
Der erste und rechtmäßigste von allen ist unstreitig der:
wenn es uns wirklich an einem uns nöthigen, für den gegebenen Gegenstand passenden und ausdrucks-vollen Worte gänzlich fehlt, und die sechs ersten Quellen der Sprachbereicherung nichts enthalten, wodurch
dieser Mangel auf eine schickliche Weise gehoben werden kann.
Dann ist der Nothfall da; dann tritt das Bedürfniß, sich verständlich zu machen, in sein volles Recht; wirsind für diesen bestimmten Fall in der Lage der ersten Sprach - erfinder, und haben daher für diesen Fall das nämli-che Recht, welches jene hatten—das Recht zu prägen. Die Zumuthung, unter diesen Umständen lieber ein frem-des Wort von einer ausländischen Sprache zu leihen, als ein neues aus echtem Deutschen Schroot und Korn zu mün-zen, müßte als ein in nichts begründeter Machtspruch, ohne Bedenken verworfen werden. Die Natur unserer Spra-che und das Beispiel der besten Deutschen Schriftsteller aller Zeiten geben uns das Recht dazu.
Allein wie können wir mit Gewißheit wissen, ob entweder die ältesten und älteren Denkmähler unserer Spra-che, oder die Mund-arten, sammt den verwandten Sprachen, uns in solchenFättcn auszuhclfen vermögen oder nicht,da wir von dem Besitze vollständiger Sprachquellen und Wörterbücher über die gesammten Schätze unserer Spra-che noch so weit entfernt sind, und da es die Kräfte sowol, als auch die beschränkte Lebenszeit eines einzelnen Man-nes durchaus übersteigt, diesen Mangel durch eigenen Fleiß und durch eigene, selbst - erworbene, vertraute Bekannt-
schaft mit unserm gesammten unermeßlichen Sprachvorrathe zu ersetzen?
Ich antworte: daß, bei so bewandtcn Umständen und bei der daraus folgenden Unmöglichkeit, über den wirk-lichen und gänzlichen Mangel eines Worts in dem gesammten Umfange unsers Sprachschatzes zur völligen Gewißheitzu gelangen, es erlaubt und recht fein müsse, das bisjctzt Bekannte und in unsern Sprachquellen und Wörterbüchern
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