Druckschrift 
1 (1808) A - E
Entstehung
Seite
65
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der Verdeutschung.

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Ein zweites Fach von Wörtern, woran unsere Schriftsprache arm, jede der Mund-arten hingegen ausneh-mend reich ist, machen die Abstufungswörter, d. i. diejenigen aus, wodurch nicht bloß eine Handlung oder Wirkungüberhaupt, sondern auch der höhere oder niedere Grad derselben, und ihre besondere Art und Weise (Modifikation)angegeben wird. Auch von diesen verdienen noch viele, sowol unsers Bedürfnisses, als auch ihrer vorzüglich schönenBedeutsamkeit wegen, in die allgemeine Schrift- und Umgangssprache verpflanzt zu werden.

So hat z. B. der Niederdeutsche nicht bloß ein Wort für Laufen überhaupt, sondern auch für schnelllaufen,nämlich kleppen; von welchem ein zum Schnelllaufen bestimmtes und zugerittenes Pferd den Namen Kleppererhalten hak.

Eben so hak er nicht bloß für den Begriff des starkem Eilens hasten, sondern auch für den höchsten Graddesselben, welcher mit Verwirrung und Unordnung verbunden zu sein pflegt, das sehr ausdrucksvolle Wort haster-bastern, welches die Sache, die es ausdrucken sott, schon durch seine Laute fühlbar macht.

Für die verschiedenen Abstufungen des schwachern oder stärker», des feinern oder gröbern Regens, kann ich,nach einem kurzen Besinnen, acht N. D. Stufenwvrter aus dem Gedächtnisse angeben; sehr möglich, oder vielmehrsehr wahrscheinlich, daß es deren noch eine größere Anzahl gibt. Es find: 1. e s mistet, von dem feinsten Staub-regen; 2. es schmu d dert, d. i. es regnet ein wenig und fein; Z. es stipp er t, d. i. es fallen einzelne und zwargleichfalls ferne Regentropfen, die aber doch schon etwas größer, als bei dem Misten und Schmuddern gedacht wer-den; 4. es regnet; L. es pladdert, d. i. es regnet stark und laut; 6. es guddcrt, wodurch das Geräuschdes dei einem sehr stlrrken Regen von den Dächern hei abströmenden Wassers ausgedruckt wird; *) es gießt,.und8 . es gießt mit Mollen (Mulden), für den stärksten Grad des Platzregens.

Daß es eine große Vollkommenheit einer Sprache sei, die verschiedenen Abstufungen der Begriffe angeben zu kön-nen, und daß wir daher Unrecht haben würden, dieseArt derVcrvollkommnung unserer allgemeinen Deutschen Sprachedurch Benutzung des Reichthums der Mund-arten zu vernachläßigen oder zu verschmähen, bedarf keines Beweises.

Die eben angeführten Wörter: hasterbasiern, pladdern und guddern erinnern mich an eine ander-weitige Sprachvollkvmmenheit, welche das N. D. in einem Grade besitzt, den ich, so weit meine Sprachkenntnißreicht, an keiner anvcrn bemerken kann. Das ist der große Reichthum dieser Mund-art an solchen Wörtern, dieetwas sehr ausdruckendes in ihren Lauren, durch Klangnachbildung (Onomatopöie) haben. Auch von diesen würdenviele unserer Schriftspi acke zu großer Zierde gereichen, und verdienen daher in dieselbe aufgenommen zu werden. Ichwill auch von ihnen einige zur Probe anführen. Ehe ich aber dazu schreite, finde ich für nöthig, mich hier ein fürallemahl durch eine Bitte, die ich vielleicht schon früher halte vortragen sollen, gegen unbilligen Tadel zu verwahren.Da ich nämlich fast auf jeder Seite dieser Abhandlung in den Fall gerathe, meine Satze durch Beispiele erläuternzu müssen: so wird man, hoffe ich, nicht erwarten, daß ich unter allen möglichen, die ich anführen könnte, jedes-mahl gerade die treffendsten und glücklichsten finden und ausheben werde. Wer einen ähnlichen Stoff, als mein ge-genwärtiger ist, selbst jemahls entweder schon bearbeitet hat, oder zu bearbeiten versuchen will, dem wird seine ei-gene Erfahrung lehren , wie schwer, oder vielmehr wie unmöglich es sei, sich jedesmahl gerade zu rechter Zeit auf sol-che, zum Theil gar nicht übliche oder bekannte Wörter zu besinnen, die zu erläuternden Beispielen unter allen amglücklichsten gewählt sein würden. Ich darf daher, glaube ich, in diesem Stücke auf einige Nachsicht Anspruch machen.

Diejenigen Beispiele von klangnachahmenden Wörtern, die ich zur Erläuterung des Obigen anführen kann,sind folgende.

Gnassen sagen die Niederdeutschen, um den Schall auszudrucken, den ein scharfes Werkzeug, z. B. eineSense, macht, indem es durch etwas, z. B. durch Gras, hinfährt und es durchschneidet. Er schnitt sich in den Fin-ger, daß es gnassete. Man glaubt den Schnitt zu hören.

Gnlddern und gni ckern sagt man in eben dieser Mund-art von derjenigen Art des schelmischen Lachens,welches sich durch ein gelindes, kurzabgestoßcncs Trillern äußert. Man geräth, indem man diese Wörter hört, inVersuchung mit zu gnickern.

Rummeln,

') Man sagt daher auch, wenn ein Obstbaum geschüttelt wird: Lie Aepsel oder Birnen gudder» herab, das damitvetbundme besondere Geräusch auszudrucken.

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