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Grundsätze, Regeln und Gränzen
Nach dieser Regel verfuhr z. B. abermahls Lesfing, indem er das O. D. Wort Pankert bei uns ein-führte. Er nahm ihm erst das harte P, setzte nach Niederdeutscher Aussprache, das weichere B an seine Stelle,und sagt e Banker t. *)
Bevor ich diese etwas lang gewordene Verhandlung über die Bereicherung aus den-Mund-arten schließe, glau-be ich noch kürzlich die vorzüglichsten Fächer angeben zu müssen, in welchen unsere Schriftsprache diese Art der Be-reicherung am meisten nöthig hat und am meisten erwarten darf.
Jede Schriftsprache, die nicht vorher, ehe sie zu dieser Würde erhoben wurde, eine lange Zeit und in einembeträchtlich großen Landstriche Volkssprache war, ist arm an eigenthümlichen Benennungen, sowol für besondere Ge-genstände in der Natur und im gemeinen Leben, als auch für die unendlich mannigfaltigen Handlungs- und Geschäfts-arten der Menschen, weil sowol unter jenen, als unter diesen Tausende sind, von welchen die Vornehmen und Ge-lehrten, also gerade diejenigen, welche die Schriftsprache gebrauchen und dieselbe, aber nur für ihre eigenen Be-dürfnisse. ausbilden, keine Kenntniß zu nehmen pflegen. Dis ist nun auch ganz besonders der Fall mit der soge-nannten Hochdeutschen Sprache, die, als solche, nirgends jemahls Volkssprache gewesen ist, sondern die nur dasaus allen Mund-arten zusammengeflossene Uebercinstimmende oder Gleich-artige enthalt. Derjenige, der von Kind-heit an nur sie, und keine der Landsprachcn, kannte, gebrauchte und übte, gerflth daher bei einer Menge von Din-gen, Gegenständen und Handlungen, in die Verlegenheit, daß er sie nicht zu nennen weiß, und entweder zu allge-meinen Ausdrücken, welche doch eine Sache nur obenhin und nicht genau bezeichnen, oder zu wortreichen Umschrei-bungen seine Zuflucht nehmen muß, die in der Seele des Hörenden am Ende doch wol nur eine unvollständige odergar unrichtige Vorstellung erwecken. Gerade an solchen Wörtern nun, worunter unendlich viele sind, die unter ge-wissen Umständen keinDcutschrcdender entbehren kann, besitzen die Mund-arten und die unter ihnen begriffenenLand-und Volkssprachen, den allergrößten und schätzbarsten Reichthum. Zu ihnen dürfen und müssen wir -also auch, so oftwir in den Fall gerathen, ein Wort dieser Art nöthig zu haben, unsere Zuflucht nehmen; und ich darf, bei einerziemlich ausgebreiteten Bekanntschaft, die ich mit diesem Theile unsers Sprachschatzes zu machen Gelegenheit gehabthabe, zum voraus versichern, daß man viele darunter finden werde, die in eine gebildete Schriftsprache 'aufgenom-men zu werden gar nicht unwürdig zu sein scheinen.
So haben wir z. B. im Hochdeutschen, so viel ich weiß, kein eigenes Wort für das einem Horne ähnlicheund an einer Stange befestigte Werkzeug, womit in Schauspielhäusern u. s. w. die Lichter ausgelöscht werden, undwir müssen "daher > so oft wir es benennen wollen-, das Französische Wort äteixnoir gebrauchen. **) Der Niederdeut-sche hat Dämphorn (Damp-Hooren). (S. Bremisch - nicdcrs. Wörterb.); ein Wort, welches seinen Gegenstand rechtgut bezeichnet, indem derselbe einem Hörne ähnlich ist, und die Bestimmung haG das Licht zu dämpfen oder zu un-terdrücken. Warum wollten wir es also nicht in die Schriftsprache verpflanzen?
Ein zweites Beispiel. Die Mit Binsen oder ähnlichen Pflanzen bewachsenen kleinen Erdklumpen in sumpfigenGründen, die von den Wurzeln der darauf befindlichen Gewächse zusammengehalten werden und dem Wanderer ei-nen festen Tritt gewähren, haben, wie tausend andere natürliche Dinge dieser Art im H. D. keinen Namen. DerN. D. nennt sic Balten, der O. D. Bühel, B ichel oder Pichet. Ohne nun das eine oder das andere die-ser Wörter aus den Mund-arten zu entlehnen, wüßte ich den Gegenstand, wovon die Rede ist, nicht anders, alsdurch die wortreiche Umschreibung zu bezeichnen, die ich oben vorausgeschickt habe. Wer wollte aber einen Auswandvon zwanzig und mehr Wörtern machen, wo er mit Einem ausreichen kann?
So haben wir endlich für das Französische vapeurs und für das Englische Spleen, wofür uns im H. D. ei-gene Wörter fehlen, im N. D. das gute Wort Schrullen (sie hat Schrullen, er bekommt seine Schrullen); fer-ner Sode für ein ausgcstochenes Rasenstück; klaren für polircn; kakeln vderkäckeln für caqueter, u.s.w.
Ein
*) Dls Beispiel ist, wie Hr. Rüdiger mir nachgewiesen bae, schlecht gewählt, weil das Wort auch im £>. D nicht Pankert,sondern Ban ke r t lautet. Ich hatte mich durch das <Z ch l e si sch c I d i o ri k on , S te n d a l 1787/ welches das Wort nachder härtern Aussprache enthält, zu diesem Irrthume verführen lassen. Sp. A.
") Ich irrte hier. Adelnng hat wirklich ein ~ ob von ihm selbst gebildetes/ oder schon vorher übliches, weiß ich nicht — undzwar ein recht gutes Wort dafür. Es beißt Losch Horn. Sp. A.