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Grundsätze , Regeln und Gränzen
sende Thier, gemacht, weil man eS sonst nicht aus Worp(Wurf), sondern Wörp er (Werfer) zusammengefththaben würde. Als man hinterher das Thier selbst kennen lernte, nannte man es, als ein mit anderem Gewürm i»der Erde lebendes, Mullworm, ein Name, der, sowol im Holländischen, als auch in Niederdeutschlcmd unterden Landleuten noch jetzt üblich ist. Die Achnlichkeit des Klanges beider Wörter — Mullworp und Mullworm —gab zu einer Verwechselung Anlaß; und so geschah es, daß das erste nach und nach zur gewöhnlichen Benennung,nicht mehr des Erdhaufens, sondern des ihn auswerfenden Thieres ward. Der erste Obersachse, der es in seineMund-art übertrug, kannte weder die Herleitung, noch die Verwechselung der Bedeutung des Worts; und so mach-te er uns ein Hochdeutsches daraus, welches an beiden Enden widersinnig ist—Maulwurf für Mullwerfer.Ich mache hiebet den Antrag (die Motion), daß gestimmt werde: ob wir, nach erkannten Mißgriffen dieser Art,davon sich mehrere in unserer Sprache finden, hersuchen dürfen, die dadurch entstandenen unnatürlichen Wörter wie-der auszumärzen und durch bessere zu ersetzen, oder nicht? Eine Frage, die, wie es scheint, auch füglich so abge-faßt werden könnte: ob der gesunde Menschenverstand, wie in andern Dingen, so auch in der Sprache, seine un-veräußerlichen, unverjährbaren, zu jeder Zeit wieder gültig zu machenden Reckte habe, oder nicht; oder ob derSprackgcbrauch unter allen Zwingherren der einzige sei, dem ein widerrechtlicher und unnatürlicher Besitzstand inkeinem Falle jemahls wieder streitig gemacht werden dürfe? Ich für meinen Theil wäre geneigt, für die Bejahungder ersten und für die Verneinung der andern Frage zu stimmen.
Bei weiterem Nachdenken über die genauern Bestimmungen und die Gränzen unserer Regel, ergeben sich fol-gende zwei Klassen von N. D. Wörtern, auf welche ihre Anwendung eingeschränkt werden muß.
r. Diejenigen, welche in ihren Lauten durchaus nichts enthalten, was der H. D. Sprach-ähnlichkeit zuwiderist. Dergleichen Wörter sind z. B. dröhnen, munkeln, ampeln, verblüffen, wabbeln. Braß (eineMenge unordentlich durch einander geworfener Dinge, für Chaos), feldschön (was in der Ferne schön laßt),gemahnen, hinkhanken (auf beiden Seiten hinken, uneigentlich, wankelmüthig sein), patzig, lullen, undeine Menge anderer.
So nahm z. B. Lessing >n seinem Nalhan das schöne N. D. Wort drall— den drallen Gang — ohnealle Veränderung auf, da vielleicht ein anderer Obersachse sich an das weiche d gestoßen und dieses, wiewol sehrzur Unzeit, in t verwandelt haben würde.
Wollte man hingegen z. B. das Wort drehari g oder d rih arig —wodurch ein verwegener und unbän-diger Mensch verstanden wird— ins H. D. übersetzen: so nrüßte es nothwendig durch dreiharig geschehn, weildie Silbe dre oder dri zu sehr an drei erinnert, und daher unmöglich bleiben kann.*)
2. Solche, welche im N. D. selbst veraltet sind, und dabei keine, für d'as Hochdeutsche Ohr gar zu auffal-lende N. D. Eigenheit haben. Der Umstand, ob ein Wort veraltet oder noch jetzt gebräuchlich ist, kommt hier des-wegen
•) Wenn die Verfasser des Bremischen Wörterbuchs dieses Wort dahin erklären, daß es einen durchtriebenen Schalk bedeu-te, der von vielem Herumbalgen und Raufen nur noch drei Haare übrig behalten hat; Hr. Adelung hingegen es von d rehc nherleiten und für eine buchstäbliche Ucbersetzunz von indicatu, gehalten wissen will r so scheinen mir beide Herlcitungcn theils derNiederdeutschen Sprach-ähnlichkeit und her Bedeutung des Worts zu widerspreche», theils zu gesucht, und besonders die letzte dersonstigen Einfalt der Niederdeutschen Wortbildung nicht gemäß zu sein. Denn i. dieses Wort bedeutet weder einen Schläger oderRaufcr, n»ch einen ränkcvollcn (intriganten), sondern einen »»biegsamen, verwegenen nnd tollkühnen Menschen; 2. würde man,wenn die erste Hcclcitung die richtige wäre, kein Beiwort, sondern wahrscheinlich, wie in ähnlichen Fällen, ein Sachwert darausgebildet und Dre haar oder Dreihaar, nicht dreharig gesagt haben; z. da das Wort drei im nördlichen Theile Nie-dersachscns dre, im südlichen hingegen drei, das Wort drehen hingegen in beiden dreien lautet: so würde man, wcunHcn. A de lu n g s Hcclcitung richtig wäre, in beiden Gegenden nicht dreharig oder driharig, sondern dreiharig und,wenn hingegen die im Bremischen Wörterbuch« gegebene Erklärung Grund hätte, im südlichen Niedersachsen (wo das Hochdeutschedrei unverändert geblieben ist) gleichfalls d r e i h a r i g sagen. Man sagt hier aber driharig; und leiktt es also nicht von drei,sondern von dri '(dreimal) der. Ich schließe daraus, daß man bei der Bildung dieses Worts an Dri d rath oder d ridra th iggedacht und nach der Achnlichkeit von diesem, welches Garn bedeutet, das dreifach ist oder aus drei Faden besteht, driharig fürpraffharig, d. i. dessen Haar so straff und stark ist, als wenn jedes aus drei Haaren zusammengedreht wäre, gebildet bar.Dir Bemerkung, daß straffharige Menschen herzhaft, störrig und von nnbiegsamrr Sinnesart zu sein pflegen, mochte die Veran-lassung zu dieser Wortbildung sein. ~ Dis im Vorbeizehn.