Druckschrift 
1 (1808) A - E
Entstehung
Seite
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der Verdeutschung.

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fein eigenes Wort dafür hat, erbettelte sich bisher, statt bei seinen Brudern zu borgen, entweder das FranzösischeBrouillon oder das Italische Stratze. Wollen wir nun diese ausländischen Wörter durch eins von jeneneinheimischen verdrängen und was könnte uns hindern das zuthun? so behaupte ich, daß das N. D.Kladde,als das wohlklingendste, den Vorzug verdiene,

Um das Hin- und Herschwanken eines hangenden Körpers, z. B. einer Klockc, und den dadurch verursach-ten Schall auszudrucken, hat man im N. D. bammeln und bummeln, von dem klangnachahmenden Wortebumb am, gebildet (Grich. /SxpßxXigsiv und ßxpßxveiv). Hr. Ade lung hat dafür, entweder aus der £>. D.oder aus der Obcrsachsischen Mund-art baumeln aufgenommen. Allein jene N. D. Ausdrücke scheinenden Vor-zug zuverdienen: r. weil sie,'durch Vermeidung des breiten Doppel-lauts au, besser klingen; 2. weil man bei ih-nen, aber nicht bei baumeln, die Klangnachbildung, also ihre Entstchungsart und ihre Bedeutung merkt; 3.weil die eine Mund-art nicht mehr Recht, als die andere, hat, der allgemeinen Deutschen Sprache die ihr schlen-den Wörter zu liefern.

Laßt uns also, so weit das jetzt noch möglich und thunlich ist, zur weitern Ausbildung und Milderung unse-rer Sprache ebendasselbe Mittel anwenden, welches ehemahls zur Abglättung der einst als Schriftsprache herrschen-den Fränkischen Mund-art diente, und welches nachher Luther zur Milderung der Härte und Rauheit der Ober-deutschen gebrauchte, welche die Fränkische verdrängt hatte. Das Fränkische wurde durch das sanftere und wohlklin-gendere Slavische gemildert; so entstand die Meißnische Mund-art; und Luther suchte das harte und rauhe Ober-deutsche, bevor er es gänzlich verließ, durch das Meißnische oder Sächsische, mit Benützung des Niederdeutschen,zu mäßigen, und so entstand das sogenannte Hochdeutsche. Einen gleichen Gebrauch laßt uns nun auch noch jetzt,aber in bescheidenem Maße, und nur bei Gelegenheiten, die ihre Rechtfertigung mit sich führen, von dem Nieder-deutschen machen; nicht um dieses ganz an die Stelle des sogenannten Hochdeutschen zu setzen nnd es zur Schrift-sprache zu erheben denn das würde jetzt ein eben so unmögliches Unternehmen sein, als es ein nicht sehr ver-nünftiges wäre*) sondern um das H. D. durch gelegentliche Bereicherung aus dem R. D., da, wo ein wirkli-cher Mangel uns das Recht dazu gibt, noch ferner zu mildern und wohlklingender zu machen. Daß unsere Sprachedadurch gar zu weich werden und ihre männliche Kraft und Würde darüber einbüßen könne, wird niemand besor-gen, der in Erwägung ziehen will, daß alle dergleichen Bereicherungen aus dem N. D. zusammengenommen,, schwer-lich jemahls mehr als den zehntausendsten Theil unsers gesammtcn Sprachschatzes ausmachen werden; und daß unserHochdeutsches erst noch manche Härte ablegen kann und muß, um dahin zu gelangen, daß es zwischen wechischerWeichheit und rauher Härte die glückliche Mittelstraße halte.

Eine zweite unmittelbare Folge aus dem obigen Grundsätze ist:

daß, wenn wir ein im H. D. fehlendes Wort aus dem N. D. entlehnen, wir nicht in jedem Fasse,

sondern nur da, wo die Sprach-ahnlichkeit es verlangt, für nöthig halten müssen, es vorder erst ins

Hochdeutsche zu übersehen.

Die oft unzeitige Sorgfalt, den ins H. D. aufzunehmenden N. D. Wörtern das H. D. Gepräge aufzudru.cken, und die Unwissenheit derer, welche diese Sorgfalt ausübten, haben uns verschiedene ganz verkehrte Wörter ver-liehen, die nun schwerlich jemahls wieder ausgemärzt werden können. So hat man z. B. das Niederdeutsche Mu ll-worp, aus Unbekanntschaft mit seiner Herleitung, durch Mau lwurf verhochdeutschet, statt daß man Mullwer-fcr hätte sagen sollen. Dieses Wort kommt nämlich nicht von Muhl, Maul, sondern von Mull her, welcheskleingeriebcne oder zu Staub gewordene Erde bedeutet**). Man sah früher die Wirkung dieses Thiers, als man dasThier selbst kennen lernte; man gebrauchte also auch für jene eher ein Wort, als für dieses. Sehr wahrscheinlichward daher das Wort Mullw orp (ein Wurf von Mull) für den ausgeworfenen Erdhaufen, nicht für das auswer-

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*) Weil nämlich 1. das Niederdeutsche von den übrigen Mund-acten so sehr abweicht, daß es von einem großen Theile der BewohnerDeutschlands, als eine ihnen unverständliche fremde Sprache, erst gelernt werden müßte; und 2. weil die allgemeine Schrifr- undUmgangssprache eines Volks, wcnn sie gemeinverständlich sein soll, nicht aus einer seiner Mund-acten, sondern aus dcmienigeagebildet werden muß, was a H c M»»d-acten desselben übcceinmmmcndes und z» einander passendes haben.

**) Dis erstellet sowol aus der noch letzt in Niedcrdcutschland üblichen Aussprache des Worts, vermöge welcher die erste Silbe nicht ge-dehnt , sondern kurz abgestoßen wird, als auch aus den gleichbedeutenden Wörtern in dc» verwandten Sprachen. Der Engländerj. B. sagt Mole und Mole-hill, und der Holländer, nicht Muylrvorp oder Muyhvorm, soudcra Molworp oder Molworm.