Druckschrift 
1 (1808) A - E
Entstehung
Seite
60
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.( io Grundsätze, Regeln und Gränzen

chen; das Recht scheidet wol, aber freundet nicht) von Freund u. f. «>. *). 2 . Eine Art von Beiwörtern, die sichauf ern endiget, und die den Begriff des Gernthuns, des Gcwohntseins oder der Fertigkeit einschließt, z. D. zu-thu er n (todonern oder todancrn) der etwas einschmeichelndes hat, sich durch ein ihm eigenes, ihm gewöhnlichesgefälliges Wesen'auszeichnet, insirmaiit; leidsprcchcrn (leedsprekcrn), der gern böses spricht, niediZant;nach geh ern (naganern) der gewohnt ist, den Leuten nachzugehn (de Düvel is naganern); verges fern (ver^gätcrn oder vergettern), der leicht etwas vergißt, wofür wir in unserer Schrift-und Umgangssprache ent-weder vergeßlich oder vergessen sagen, ungeachtet diese beiden Wörter die leidentliche Form haben; bctrci-bern (bedrivcrn), der gewohnt ist in hohem Grade thätig oder wirksam zu sein, expeditis; zudringern (to-dringern) zudringlich; indcnkern, der gern in sich selbst vertieft ist, pensiv; habern (hebbern) der gery ha-ben mag, habsüchtig, woher rechthabcrn, der immer Recht haben will, u. s. w. Klingt dieses letzte nicht besser,als das O. und M. D. rechthaberisch?

Diejenigen Falle, wo es mir nicht bloß entschieden erlaubt, sondern auch empfehlungswürdig und gut z»fein scheint, Eigenheiten der N. D. Mund-art in die allgemeine Deutsche Sprache überzutragen, werde ich nachherangeben.

Der zweite hier in Betracht zu ziehende Grundsatz ist:

daß wir in eben dem Maße, in welchem wir unsere Sprache zu reinigen und aus den Mund-artenzu bereichern suchen, sie auch sanfter, milder und wohlklingender zu machen uns bcffeißigen müssen."

Den Beweis dieses Satzes wird man mir wol erlassen, weil es von selbst klar ist, daß nicht bloß die Ehre-der Deutschen in den Augen der Auslander, sondern auch die fortschreitende Ausbildung unserer Volkseigenthüm-lichkeiten (unsers Volkskarakters) davon abhängt, daß jedes, unserer Sprache noch anklebende Ucbcrbleibsel von ehe-mahliger Rauheit, Härmte und Plumpheit, statt durch irgend etwas unschlachtiges und ungeschliffenes vermehrt zuwerden, immer mehr und mehr von ihr abgelöset und durch etwas sanfteres, feineres und edleres ersetzt werde. Ichwill mich daher nicht dabei aufhalten, etwas zu beweisen, was niemand in Zweifel ziehen kann; sondern vielmehrsogleich die Folgesätze angeben, die als eben so viele Regeln für die Sprachbereicherung aus den Mund-arten, dar-aus ablaufen.

Der erste ist:

daß, wenn wir, unter sonst gleichen Umstanden, die Wahl haben, ein uns in der allgemeinen Schrift-und Umgangssprache noch fehlendes Wort, entweder aus der härtern und rauhem Dberdeutschen, oderaus der weichern und sanftem Niederdeutschen Mund-art, oder deren Schwestern und Abkömmlingen^zu entlehnen, wir die letzten Quellen der ersten vorziehen müssem

Man übersehe, bitte ich, die von inir beigefügte Bedingung: unter sonst g lei ch en Umständ en, nicht;und die Richtigkeit dieser Folge wird, ohne daß ich etwüs weiter hinzuzusetzen nöthig habe, von selbst einleuchten.

Hier sind ein paar Beispiele zur Erläuterung. Sowol die O. D., als auch die N. D. Mund-art hat ein be-sonderes, in der Schriftsprache fehlendes Wort für das unangenehme und beschwerliche Essen zahnloser Personen,und zugleich für das damit verbundene unverständliche Reden solcher Leute. In jener heißt es mampfen, mum-pfen^ mümpfen oder mümpfeln; in dieser mummeln. Wenn wir nun in dem Falle wären, eins vondiesen Wörtern gebrauchen zu müssen, wer wollte anstehen, dem letztem, als dein wohlklingendsten, den Vorzug zugeben? Luther scheint sowol in Ansehung dieses, als auch mehrer Wörter, die obige Regel gleichfalls anerkanntzu haben. Auch er hat Jes. 29, 4. und Joh. 7, 32. mummeln, nicht mampfen.

Zur Bezeichnung eines Buchs, worin Kaufleute, Gelehrte und Geschäftsmänner etwas vorläufig einzutragenpflegen, um es nachher ins Reine zu bringen oder gehörig zu ordnen, hat der Niederdeutsche das Wort Klabd e,der Oberdeutsche Klittcrbuch, Kleckbuch, Klättbuch und Sudelbuch; und der Mitteldeutsche, der gar

kein

*) Diese Wörterform ist im Ober-und Mittcldeutschen zwar nicht ganz fremd; denn auch hier hat man stecken, maulen, m au-se n, von Geck, Maul, MauS; allein es ist mir, wegen der geringen Zahl derselben, und weil die wenigen, die sich hierfinden, von jeher auch der N. D. Mund-art angehört haben, wahrscheinlich, daß sie aus dieser in jene übergegangen sind.