Druckschrift 
1 (1808) A - E
Entstehung
Seite
59
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der Verdeutschung.

LS

Statt ch in den meisten Fällen k; z. B. maken, Sake für machen und Sache.

Zu den am häufigsten vorkommenden Eigenheiten des Niederdeutschen, wodurch es sich von dem Mittel- undOberdeutschen unterscheidet, gehört der Laut d, da, wo jene den Laut t haben; z. B. Dag, danzen, dullfür Tag, ranzen, toll.

Statt f gewöhnlich w; und p für ff; z. B. Düwel, kiewen, open für Teufel, keifen, offen.

Die Anfangssilbe g e fallt ganz weg, und von g l und g n wird in verschiedenen Gegenden nur das l und t»gehört; z. 23. hört, Lid, nang oder noog für gehört, Glied, genug.

P f und, wie es sich von selbst verstehr, p h fehlen ganz und gar; statt ihrer wird entweder ein einfachesoder ein doppeltes p gebraucht; z. B. Perd, Poorle, kloppen für Pferd, Pforte, klopfen.

R vor s fällt meistentheils weg; z. B. döstig, Böste für durstig, Bürste.

Für ff gewöhnlich t, für sch vor l, m, n und w ein bloßes s, und für chs ein doppeltes f; z.B. säten,slahn, smecken, schnyen, sweren und Osse für fassen, schlagen, schmecken, schneien, schwören, Ochse.

Den Zischlaut sch brauchen die N. Deutschen bloß vor einem Selbstlaut und vor dem r; z. B. sch u wenund sch rinnen.

Dagegen hat der Niederdeutsche ein doppeltes weiches s, welches dem Hochdeutschen, wie dem Oberdeutschenganz fremd ist; z. B. in fisse ln, muffeln, fu sseln, bissen, be düfsct (betäubt) u. s. w.

In allen ursprünglich Niederdeutschen Wörtern fehlt der Zischlaut z und tz gänzlich. Die ihn haben, z. B.Kanzel und Mütze, sind aus fremden Sprachen oder Mund-arten in das Niederdeutsche eingeschlichen. Also Telt,Tunder, Kalte, fetten für Zelr, Zunder, Katze, setzen, und gans, Swans, danssen, Prins fürganz, Schwanz, tanzen, Prinz u. s. w.

Die mitteldeutschen Mund-arten sind bisjetzt noch gar zu wenig bearbeitet worden, als daß sich das Ei-genthümliche und Unterscheidende derselben mit Sicherheit und zugleich in einigem Grade der Vollständigkeit schonjetzt angeben ließe. Den ersten, mir bekannten und, so viel ich weiß, bisjetzt einzigen Versuch dieser Art hat Hr.Rüdiger im zweiten Stücke seines Neusten Zuwachses der Sprachlehre, mit der OberfächsifchenMund-art insbesondere gemacht. Da ich zu dem, was er darüber geliefert hat, aus eigener Beobachtung nichtshinzuzufügen habe, und das bloße Abschreiben seiner Bemerkungen eben so zwecklos, als lästig sein würde: so wirdes mir erlaubt sein, diejenigen, welche die Sache näher angeht, auf das genannte Werk selbst zu verweisen.

Das wären also Eigenheiten unserer Hauptmund-arten, die, weil sie dem wohlgegründeten Sprachgebraucheund der-tLprach-ähnlichkcit der allgemeinen Deutschen Sprache in den meisten Fällen zuwider sind, in dieses, derRegel nach, nicht übergetragen werden dürfen. Ich sage: in den meisten Fallen und der Regel nach;denn so ganz ohne alle Ausnahme gilt diese Ausschließung nicht. So bin ich z. B. mit Hrn. Gedike der Meinung,daß es unsern Dichtern nach wie vor vergönnt bleiben müsse, die Oberdeutschen Formen: er fleußt, er geußt,er geneußt, er fleucht, überall zu gebrauchen, wo ein nützlicher Zweck dadurch erreicht werden kann, z. B.der Rede entweder mehr Feierlichkeit und Würde, oder ein ältliches Ansehn, oder auch nur einen vollern Klang zugeben. So gibt es ferner manche Zusammensetzung mit All, die dem Oberdeutschen Allgcdeihlich gleicht, z.B. allgcnugsam, allgefällig u. s. w., die wir auch in unserer Schriftsprache zu gebrauchen kein Bedenkentragen dürfen.

Ebenso hat auch die N. D. Mund-art einige ihr ganz eigenthümliche Wörterformcn und Wörterartcn, vonwelchen einige der Uebertragung in die allgemeine Deutsche Sprache allerdings würdig zu sein scheinen. Ich willdavon für jetzt nur zwei auszeichnen. ».Zeitwörter, durch bloßes Anlöten eines n oder en aus Sachwaltern ge-bildet, wodurch die durch letztere ausgedruckte Sache in eine damit verwandte oder Bezug darauf habende Hand-lung verwandelt wird, z. B. sommern oder zusommern (Sommer werden) von dem Suchworte Sommer;blocken (wie ein Block oder Klotz zu Hause bleiben) von Block; zwistcn (Zank haben) von Zwist; Sünen(aussöhnen) vonSüne; hasten (cicn) von Hast; Heimen (bei sich aufnehmen) von Heime; kalchen odervielmehr kalken (mit Kalk bewerfcn) von Kalch oder Kalk; brüdern (brodern, wie Brüder mit einander um-gehen, mit einander schmausen und lustig sein, trnlerniser) von Bruder (Brodcr); freunden (Freunde ma»

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