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1 (1808) A - E
Entstehung
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Grundsätze, Regeln und Gränzen

g. Uebcrfüllungen der Wörter; z. D. diew eilen, allfolg lichen, cinfolglichen, gnädig! ichen,unwidcr sprcch enli chen, für weil, folglich, gnädig, unwidersprechlich; wodurch ein enrfchiedcner Hang ver-rathen wird, mit einem vielstlbigen Geräusche im Grunde wenig zu sagen.

9. Der schwerfällige Gebrauch der Mittelwörter (Participien); z. B. die vorgeschützt werden dürfende Wich-tigkeit, der angegeben werden wollende Unterschied, die von dero Gemahlin hergeleitet werden mögende An-sprüche. *)

Die Niederdeutsche Mund-art ist in Ansehung ihrer Eigenheiten gerade das Gegentheil von der Oberdeutschen.Sie ist kurz und gedrungen, eine Feindinn alles Schleppenden und Uebcrfiüffigcn, sanft, leicht und angenehm in ih-ren Tönen. Sie geht hierin, besonders in der Vermeidung der hauchenden und zischenden Laute und in der Verwech-selung der harten und scharfen Mitlaute gegen weiche und gelinde, eben so weit oder vielmehr noch weiter von demMitteldeutschen ab, als dieses von der Oberdeutschen Mund-art. Eine ausführliche oder gar vollständige Auseinan-dersetzung aller ihrer Eigenheiten wird hier niemand erwarten; ich schränke mich nur auf die vorzüglichsten Unter-schiede in ihren Lauten ein. Ein eigenes Werk aber, worin man die gcsammten Eigenheiten unserer drei Haupt-mund-arten, der Oberdeutschen, der Mitteldeutschen (Meißnischen, Thüringischen und Fränkischen) und der Nieder-deutschen, vollständig entwickelte und neben einander stellte, dürfte übrigens keins der unvcrdienstlichsten sein. Eineschätzbare Vorarbeit über die Hamburgische Mund-art insonderheit findet sich am Schlüsse des Richepschen Land-wörterbuchs in einem, der dritten Auflage angehängten Aufsätze: Dialectologia Hamburgeiisis, oder Versucheiner rcgelförmigcn Bemerkung des Eigenen, wodurch sich unsere Mund-art von andern, insonderheit von derDbersachsischen unterscheidet. Diesen habe ich hier vor Augen; doch so, daß ich die Eigenheiten der Niederdeut-schen Mund-art überhaupt, nicht die der Hamburgischcn insonderheit, anzugeben suchen werde. Ich zeichne fol-gende aus:

1. In Ansehung der Selbstlaute und Doppellaute.

Da, wo das Ober- und Mitteldeutsche ein a hat, findet sich im Niederdeutschen häufig ein 0; z. B. ohldfür alt, kohld für kalt.

Ein dunkeles e vor r, wird zu einem dunkeln, aber etwas gedehnten a; z. B. Barken für Ferken, star-ven für sterben.

Eben so das i, wenn ein r darauf folget; z. B. Karke, Kirche; Barken, Birken.

In andern Fällen wird das i zum e ; z. B. Schieden, Schütte; Trede, Tritte; leden, gelitten.

Statt des Afterdoppellauts i e hat das Niederdeutsche entweder ein c (wie q ausgesprochen), oder ein ü, oderendlich auch ein ee oder ei; z. B. Dehle, Slüter, Reem oder Zkeim, für Diehle, Schließer, Riem.

Statt des o bald ein a, bald ein u; zl B. sall für soll; dull für toll; vull für voll.

Statt des klaren u entweder au, oder vo; z. B. Bauk oder Book für Buch; Faut oder Foot fürFuß; P l a u g oder P l 0 0 g für Pflug.

Das dunkle u hingegen hat das Niederdeutsche entweder mit dem Ober- und Mitteldeutschen gemein, wie inbrummen, bunt, dumm; oder es hat dafür ein 0; z. B. Bost für Brust, Dost für Durst, Not für Nuß.

Der Dreilaut (trixlitssonZus) au fehlt im Niederdeutschen ganz. Es hat dafür 0 oder ü; z. B. me,Müse, men, für Bäume, Mäuse, säumen.

Für ei oft ein langes 1 oder ein ee; z. B. Lif und Necge für Leib und Neige.

Für eu gewöhnlich ü; z. B. Büte statt Beute, Für statt Feuer.

Für ü gewöhnlich ö; z. B. föhren statt führen, möten statt müssen.

2. In Ansehung der Mitlaute; wo in den meisten Fällen die weichern statt der härtern, die gelinder» flattder rauschenden, zischenden und hauchenden gehört werden. Also:

Statt b meistentheils v oder vielmehr w; z. B. Farve für Farbe, klevrig für klebrig.

') Ueber die Geschichte der Deutschen Sprache. S. 74.

Statt