Druckschrift 
1 (1808) A - E
Entstehung
Seite
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der Verdeutschung.

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Menge Wörter sind, wodurch'jenem Mangel abgeholfen werden könnte, und zwar solche Wörter, die theils so, wiesie da liegen und ohne alle damit vorgenommene Veränderung, theils nach einer leicht und bequem zu bewerkstelli-genden Verhochdeutschung, der allgemeinen Sprach-ahnlichkeit völlig angemessen sein würden. Ich sage also drit-tens: daß ich nicht absehe, was uns hindern könne, solche Wörter, zur Verminderung jenes Mangels, nach undnach, und auf eine, nachher genauer zu bestimmende geschickte Weise, unserm allgemeinen Sprachschatze wirklicheinzuverleiben.

Diese Gründe scheinen mir entscheidend zu sein. Ich nehme also die Sache für erwiesen an; und schreitenunmehr zur Entwickelung der Grundsätze und Regeln, die wir bei der Benützung dieser, für eine rechtmäßigeanerkannten, fünften Quelle der Sprachbereicherung befolgen müssen.

Ich gehe hicbci von dem allgemeinen und unbestreitbaren Grundsätze aus:

daß eine Sprachbereicherung, sie komme woher sie wolle, nur dann erst rechtmäßig sei, wenn sie wederden anerkannten und wohlgcgründeten Sprachgebrauch, noch wo dieser aufhört, die Sprach-ahn-lichkeit beleidiget."

Der Sprachgebrauch besteht nämlich in dem, was allgemein üblich in der Sprache ist, vornehmlich in dem,worin die besten, besonders die sprachrichligstcn Schriftsteller eines Volks übereinkommen; und die Sprach-ähnlich-keit in der Uebereinstimmung eines Wortes in Ansehung seines Tons sowol, als auch seiner Biegungen, oder einerWortfügung und ganzen Redensartüber welche, der Sprachgebrauch noch nichts festgesetzt hat mit ander,.,durch den Sprachgebrauch für gültig erklärten, Wörtern, Wortfügungen und Redensarten.

Was die eine oder die andere von diesen beiden Säulen, worauf die Einheit, die Regelmäßigkeit, die Schön-heit und die allgemeine Verständlichkeit einer Sprache beruhen, oder beide zugleich verletzen oder wankend machenkann, das ist nicht Bereicherung, das ist Beeinträchtigung und Zerstörung der Sprache. Und das, das allein istes, was, wenn es aus den Mund-arten hergenommen wird, unter dem Worte krovürcmllLinus oder Lan d sp rach-gebrauch begriffen werden sollte. -

Nicht ohne reifen Vorbedacht habe ich dem Worte Sprachgebrauch die Beiwörter, anerkannt undwohlgegründet, beigefügt. Ich muß es nämlich nur geradezu bekennen, daß ich den abergläubischen Begrif-fen, welche einige unserer Sprachlehrer von einer unbeschränkten Herrschgewalt des Sprachgebrauchs und voneiner unbedingten Unverlctzlichkeit desselben in allen Fällen zuhaben scheinen, mich unmöglich fügen kann.Eine solche übertriebene Meinung scheint mir z. B. folgende des Hrn. Ad elung *) zu sein:

Wenn man den Sprachgebrauch einmahl für das erkennt, was er wirklich ist, für den ersten und höch-sten Gesetzgeber in einer jeden Sprache: so können auch die Gränzen seines Gebiets nicht mehr streitig sein. Ererstreckt sich über alles, was zur Sprache gehört, über die Bildung, Bedeutung und Verbindung der Wörter, überdie Art sie auszusprechen und sie zu schreiben, weil eine jede Abweichung in einem dieser Stücke die Harmonie(Uebereinstimmung) des Ganzen stören und die allgemeine Verständlichkeit, die erste und einige (?) Absicht der Spre-che, hindern kann. Was den Sprachgebrauch beleidiget, wird ein Sprachfehler, auch wenn es die beste Analogie(Sprach-ähnlichkeit) vor sich hätte." (Hier hat der Zufall oder der Setzer Hrn. Adelung den Possen gespielt, daßerden Sprachgebrauch, ohne allen Zweifel unschuldiger Weife, gerade da selbst beleidigen mußte, wo er der unbe-schrankten Alleinherrschaft desselben huldigen wollte.) Und weiter hin:Der Sprachgebrauch, als die höchste und un-umschränkteste Macht; was dieser einmahl entschieden hat, ist unwiederruffich entschieden, er müßte es dennselbst für gut befinden, in seinen einmahl getroffenen Verfügungen eine Aenderung zu Neffen."

Diese letzte Aeußerung scheint mir Hr. Adelung wolle mir die Freimüthigkeit der Aeußerung zu gutehalten etwas dichterisch zu sein. Der Sprachgebrauch ist keine Person; er kann also nichts für gut befinden,nichts selbst wieder abändern. Wenn also das, was dem Sprachgebrauche einmahl gemäß erklärt worden ist, un-widerruflich entschieden bleibt das heißt doch wol, wenn kein Mensch, wer er auch sein mag, etwas daran än-dern, dagegen sagen oder vorschlagen darf: so bleibt es überhaupt und in alle Ewigkeit unwandelbar, weil der ab-gezogene

*) Ueber die Geschichte der Deutsche» Sprache. S. loq m 129.