Druckschrift 
1 (1808) A - E
Entstehung
Seite
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der Verdeutschung.

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fc a |j -je Hochdeutsche Sprüche, weil sie die allgemeine, für ganz Deutschland verständliche sein soll, nur für biej^rigm Begriffe, Gegenstände und Bedürfnisse, welche allen Deutschen gemein sind, Ausdrücke haben dürfe undmüsse, nicht aber auch für diejenigen, die nur in einigen Gegenden Dcutschlandes Statt finden."

Im ersten Falle antworte ich:

1. Daß die Vergleichung nicht passend sein würde, weil die Büchcrsprache nichts weniger, als eine höhereArt von Sprache in demjenigen Sinne ist, worin man höher von Begriffen sagt. Eine höhere Klasse von Begrif-fen kann und darf in keinem Falle irgend etwas enthalten, was zu den Eigenheiten einer niedern Klasse ge-hört; eine höhere Sprache chingegen kann nach und nach und mit Beobachtung der dabei nöthigen Bescheidenheit undKlugheit, manches aufnehmen und in ein Eigenthum der ganzen Völkerschaft (Nation) verwandeln, was vorhernur der einen oder der andern Mund-art, nicht allen zugleich, eigen war. Es kommt dabei nur auf die Bc-schaffenheit des aufzunehmenden Wortes, und auf die Art und Weise an, wie es mit andern Deutschen Wör-tern. zum ersten mahl in Reihe und Glied erscheint. Auf die Beschaffenheit des Worts: ob es nämlich dem allge-meinen Sprachgcbrauche und der allgemeinen Sprach-ähnlichkeit nicht zuwider ist. Auf die Art und Weise, wie esdas erste mahl in der Schriftsprache auftritt: ob es nämlich von demjenigen, der es zuerst gebraucht, so gestelltwird, daß. es durch feine Verbindung mit andern Wörtern für jeden Deutschen verständlich ist. Finden beide Be-dingungen Statt, so tritt das Wort, sei es vorher noch so sehr ein bloßes Landwort (?rovinciaIi8mu8) gewesen, auSder niedern Klaffe der besondern Mund-art, der es eigen war, in die höhere der allgemeinen Landessprache ein,und wird in ihr für alle verständlich und für alle brauchbar.

2 . Daß die Folge, die aus dieser Vergleichung gezogen werden soll, der Erfahrung widerspricht. Das so-genannte Hochdeutsche ist ja, nach Hrn. Adelnng^ eigener Bemerkung, ein Bruchstück der beiden Hauptmund.arten; es enthält also schon von Anfang seiner Entstehung an, Eigenthümlichkeiten von beiden. Es ist ferner, aber-mahls nach Hrn. Adelungs eigener Bemerkung, seit der Zeit, da es zur Schriftsprache erhoben ward, aus bei-den Mund-arten ansehnlich erweitert worden. Daß aber diese Erweiterung nicht bloß durch solche, aus den Mund-arten aufgenommene Wörter, die beiden gemeinschaftlich waren, sondern auch häufig durch solche bewirkt worden sei,die nur der einen von ihnen ausschließlich gehörten und in der andern gar nicht gefunden wurden, davon kann manden Beweis auf hundert und mehr Seiten eines jeden Bandes des Adelungschcn Wörterbuchs finden, wo Wörter undRedensarten angeführt werden, die ehemahls nur einer der beiden Mund-arten eigen waren, die aber jetzt, nach-dem unsere besten Schriftsteller sie gebraucht haben, in ganz Deutschland üblich sind. Man sehe z. B. die zur See-fahrt gehörigen Ausdrüeke in diesem Wörrerbuche nach, die vielleicht ohne Ausnahme, alle Niederdeutschen Ursprungsfind, und doch nunmehr von jedermann, von Hrn. Adeln ng selbst, als Deutsche angesehn und ohne Bedenken ge-braucht werden.

Soll nun aber die zweite Auslegung des Gleichnisses Statt finden, so würden dadurch nur die örtlichen Aus-drücke, d. i. solche ausgeschlossen werden, wovon die Gegenstände sich nur in einer oder der andern, nicht in allenGegenden Deutschlands, finden. Aber auch selbst von diesen würden denn doch diejenigen Wörter eine Ausnahmemachen, deren Gegenstände, ob sie gleich nur in Einer Gegend einheimisch find, sich doch von da aus auch über an-dere Gegenden zu verbreiten pflegen, wie das z. B. mit dem Westphäliscken Pumpernickel, der Göltingischenund Vraunschwcigischen Schlack-oder Mettwurst, der Braunschweigischen Mumme und <o vielen andern derFall ist; Wörter, die der feinste Obersächsische Geschmackler nicht nngcrner in seiner Sprache, als das dadurch Be-zeichnete, wofern er nicht etwa einen natürlichen oder angenommenen Widerwillen dagegen empfindet, auf seinerTafel sehen dürfte.

Ich mag also das Gleichniß ansehn, von welcher Seite ich will, so kann ich doch in keinem Falle finden,daß die Befugniß, zur Bereicherung unserer allgemeinen Umgangs - und Büchersprache aus den gefammten DeutschenMund-arten zu schöpfen, dadurch aufgehoben oder nur zweifelhaft gemacht werbe.

Eine dritte, mit einer der obigen Aeußerungen in geradem Widersprüche stehende Stelle des nämlichen Wer-kes , ist folgende:die v o rg eg e b en e Armuth der (Hochdeutschen) Sprache ist in den meisten Fällen einVorwand seichter Köpfe, wenn sie in der Hochdeutschen Mund-art nicht den nöthigen Dorrath von Ausdrücken fin-den , ihre verworrenen und dunkeln Begriffe auf eine eben so verworrene und unbestimmte Art an den Tag z» brin-

3 gen."