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1 (1808) A - E
Entstehung
Seite
52
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5 -i Grundsätze , Regeln und Gränzen

Aus allen diesen Aeußerungen und Urtheilen kann man nun nichts anders schließen, als daß Hr. Adeln ngjede schickliche Benützung der Mund-artcn zur Bereicherung der allgemeinen Deutschen Sprache für rechtmäßig undfür nöthig halten müsse.

Dem scheint er nun aber an andern Orten geradezu und unbedingt zu widersprechen, und die Befugniß auSden Mund-arten zu schöpfen, so enge zu beschränken, daß ftc beinahe zu nichts darüber wird. Ich will auch die-se Stellen hersetzen.

So scheut er sich, in der schon mehrmahls angeführten kleinen Schrift über die Geschichte der Deut-schen Sprache S. 90 Hrn. Äedikens reichhaltigen Aufsatz über Purismus (Sprachreinigung) undSprachbereicherung zu empfehlen,weil er dem Befugnisse, aus den Mund-arien und fremden Spra-chen zu entlehnen, die Gränzen ein wenig weiter ausstccke, als das Beste der Sprache es gestatte;" ungeachtetdieser Schriftsteller sich in Ansehung der Mund-arten nur auf zwei Behauptungen eingeschränkt hat, vpn welchenich nicht abzusehen vermag, wie Hr. Adelung selbst, ohne seinen eigenen obigen Aeußerungen geradezu zu wi-dersprechen, sie ihm streitig machen könne. Er sagt nämlich,daß nicht bloß einzelne schöne Landwörter, besondersin der Niederdeutschen Mund-art, der Veredelung werth wären; sondern daß auch manche , den Mund-arten eigeneWendung ins Hochdeutsche übergetragen zu werden verdiente; und er gibt in Ansehung der letztcrn zwei Beispie-le, das eine^aus der Oberdeutschen, das andere aus der Niederdeutschen Mund-art an, die sowol durch ihre eige-ne Schicklichkeit, als auch durch das Ansetzn einiger unserer besten Schriftsteller, vollkömmen gcrechtfertiget zu seinscheinen. Es sind die Oberdeutsche und die Französische Wendung: gehen wir für laßt uns gehn, und dieNiederdeutsche: regnen thut es nicht, die unS in einigen Fällen doch wirklich unentbehrlich zu sein scheint.*)

An einem andern Orte des nämlichen Werks vergleicht er die Hochdeutsche Mund-art (die Deutsche Sprache)in Bezug auf die übrigen, mit einer höhcrn Klasse von Begriffen in Bezug auf die ihr untergeordneten niedrigenKlassen.Bon ihr, sagt er S. 107 , gilt, was von allen höhern Klassen überhaupt gilt; diese enthalten immerweniger individuelle (besondere) Merkmahle je höher sie steigen. Die Hochdeutsche Mund-art ist in Ansehung derprovinziellen Bedürfnisse am ärmsten, ob sie gleich auf der andern Seite an Ausdrücken für allgemeine Begriffe diereichste ist. Sie mit den Eigenheiten der Provinzen bereichern wollen, würde nichts anders heißen, als ihre allge-meine Verständlichkeit vernichten und sie von einer höhern Klasse zu einer niedern herabsetzen."

Diese Vergleichung ist sinnreich; allein, wenn man das, was sie eigentlich sagen soll, auf ganz bestimmteund deutliche Begriffe zurückführt: so scheint sie doch gar nicht treffend zu sein, wenigstens gegen eine, in ihren ver-nunftmäßigen Gränzen sich haltende Benützung der Mund-arten zur Bereicherung der allgemeinen Schriftsprache,nichts zu beweisen.

Ich glaube nämlich voraussetzen zu dürfen, was der Zusammenhang nöthig macht, daß Hr. Adelung un-,ter den Eigenheiten der Provinzen, die er ins Hochdeutsche überzutragen verbietet, hier weder die beson-dern Wörterformen und Laute, noch die besondern Wortfügungen der Mund-arten, sondern vielmehr diejenigenWörter und Redensarten, die der einen Mund-art eigen sind und die der andern fehlen, oder auch diejenigen bc-soudern Gegenstände verstehe, welche die eine Gegend vor der andern voraus hat. Und sonach will er. nun entwe-der sagen:daß die sogenannte Hochdeutsche Sprache, weil sie die allgemeine, in allen Gegenden Deutschlandsverständliche Landessprache sein soll, nur dasjenige enthalten müsse, was alle Mnnd-arten Deutschlands gemeinschaft-lich haben, mit Ausschluß dessen, was der einen oder der andern von ihnen insbesondere eigenthümlich ist," oder

daß

*) Z. B. in folgenden: er kann schreiben, er müßte es auch, allein er thut es nickt, weit er zu faul dazu ist er scheint hierstillschweigend zuzugeben, was er au einem andern Ort auch wirklich und ausdrücklich thut. Ln einer der neuesten Schriftenüber unsere Sprache (Bemerkungen und Vorschlage zur Berichtigung der Deutschen Sprache von HiN-m er. Berlin 179z.) wird dicscm'thun gleichfalls das Wort geredet.ES ist, sagt der Verfasser, von einigen Gelehrten mit Rechtfür solche Falle revindicirt (zurückgefedert oder wieder in Besitz genommen worden), wo es dem Hauptworte mehr Nachdruck gibt,z. B. verkaufen thut er nichts, desto mehr aber verschenkt er. Mit Recht, sage ich; schon darum vielleicht, weiles in Verbindung mit nichts als öfter vorkommt. Es thut heute nichts als regnen. Er thut nichts als plau-dern." Ja, Hr. Adelung selbst hak den Gebrauch dieses thuns nicht immer verschmäht. Er schreibt z. B. im Wörtcrbu-che iintcr Wann:da die O. D. Mnnd-art da, wo sie kann, immer die breiten und tiffeir Vocale den höhern vorzieht: sothut sie ce auch in diesrm Worte u. s. w."