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der Verdeutschung.
djgung des Bruchstücks durch jede schickliche Bereicherung aus den genannten beiden Mund-arten, für eben so noth-wendig, als rechtmäßig halten müsse.
7. Er behauptet,*) „daß die £>. D. Mund - art einen solchen Reichthum an unerkannten erhabenen Ausdrü.cken und Wortfügungen insonderheit habe, daß stc die Hochdeutschen Dichter und Rcdener noch Jahrhunderte da-mit versehen könne;" eine Aeußerung, welche die Befugniß daraus zu schöpfen, als etwas ausgemachtes, vor-auszusetzen scheint.
8. Endlich eifert er mehrmahls, und zwar bei Erwähnung des erkannten Reichthums der O. D. Mund-art,gegen den Leichtsinn und die Unwissenheit derer, die, unbekannt mit den Schätzen ihrer Muttersprache, die Frei.heit, neue Wörter zu prägen, mißbrauchen, und sie da ausüben, wo sie durch keinen Mangel dazu berechtiget wa-ren; **) eine Klage, die denn doch abermahls ganz offenbar voraussetzt, daß das Recht und die Nothwendigkeit,das Mangelhafte unserer Schriftsprache durch den Ueberfluß der Ober- und Niederdeutschen Mund-art. zu ersetzen,airerkannt sei.
Wollte man sagen, daß er dieses Recht in den meisten der angeführten Stellen nur auf die Benützung derO. D. Mund-art, als einer ehemahligen Schriftsprache, einzuschränken scheine, wie er an einem andern Ort esauch ausdrücklich thut: ***) so widersprechen dieser Einschränkung auf der andern Seite diejenigen seiner Aeußerun-gen, worin er der N. D. Mund-art ausdrücklich mit gedenkt, oder sie doch stillschweigend einschließt, wie z. B. inder, wo er das sogenannte Hochdeutsche ein Fragment der Ober- und Niederdeutschen Mund-art nannte,und in der, wo er sagte, daß die Obcrsächsische Mund-art, seit Luthers Zeiten, aus allen andern, also auchaus der Niederdeutschen, Erweiterungen erfahren habe. Auch ist nicht abzusehen, warum die Niederdeutsche hierausgeschlossen werden müßte. Denn ob sie gleich nicht, wie die Oberdeutsche, zu der Würde einer allgemeinenBüchersprache erhoben warb, und daher auch keine Ausbildung für die Gelehrsamkeit und für den großen Wcltgtz-brauch erhalten hat: so ist doch erstens auch in ihr bekanntlich viel geschrieben, und zweitens findet ja Hr. Ade-ln n g selbst so viele andere, den übrigen Mnnd-arten fehlende Vorzüge und Vollkommenheiten an ihr, daß sie aufdie Ehre, zur Vervollkommnung der allgemeinen Deutschen Sprache gleichfalls das Ihrige beizutragen, allerdings ge-rechte .Ansprüche zu haben scheint. ■ „Sie ist, sagt er, ****) gerade das Gegentheil der Oberdeutschen Sprache, undunter allen Deutschen Mund-arten in der Wahl und Aussprache der Töne die wohlklingendste, gefälligste und ange-nehmste; eine Feindinn aller hauchenden und zischenden, und der meisten blasenden Laute und des unnützen Auf-wandes eines vollen, mit vielen hochtönenden Lauten wenig sagenden Mundes; aber dagegen reich an einer kernhas-ten Kürze, an treffenden Ausdrücken und naiven (natürlich schönen) Bildern. Es fehlt ihr weiter nichts, als einesorgfältige und vollständige Cultur (Ausbildung), um sie zu der weichsten, angenehmsten und blühendsten Sprachezu machen. Der Ausländer, dem (die vielen Hauch- Blase- und Zischlaute des Oberdeutschen ein Aergerniß sind,lernt die Niederdeutsche am ersten und leichtesten, so wie der Niedersachse wegen seines feinen Gehörs und wegen derFeinheit und Biegsamkeit seiner Sprachwerkzeuge jede fremde Sprache weit eher und vollkommener sprechen lernt,als sein schwerfälliger südlicher Bruder. Man könnte daher leicht in Versuchung gerathen, die Niedersächsische Mund-art für die Sprache eines blühenden und durch Wohlstand und Wissenschaften sehr früh ausgebildeten Volks zu hal-len; und vielleicht ist sie wirklich .ein Ueberbleibsel einer Cultur (Volksausbildung), welche über die Gränzen un-serer bekannten Geschichte hinausgeht."'s)
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*) Seite XI. **) Scite XI.
"*) „Die höhere Schreib-art hat zwar das Recht, statt alltäglicher Ausdrücke und Wendungen, von der volltönigen und prächtigenOberdeutschen Sprache zu borgen; aber das ist keine Provinzialsprache, sondern die ehemahlige allgemeine Schriftsprache, u. s.Ueber die Geschichte der Deutschen Sprache. S. 90. Auf die Ausrede, daß die Oberdeutsche Mund-art keine Pco-vinzialsprache sei, antworte ich: daß sie in Ansehung alles dessen, was stc cige nthüm lich e s hat und wodurch sie sich von unse-rer jetzigen Schriftsprache unterscheidet—und von diesem kann hier doch nur die Rede sein — allerdings, wenigstens jetzt, da sielängst aufgehört hat, die allgemeine Schriftsprache zu sein, eine Provinzialsprachc (eine landschaftliche) genannt zu werden verdiene,weil sie (den Kanzleigebrauch abgerechnet) jetzt nicht mehr eine allgemeine Sprache für ganz Deutschland, sondern nur die einiger Ah-tdeilung von Deutschland ist.
"**) Ueber die Geschichte der Deutschen Sprache. S. 79,
D E g e n 0 l f f ging, in seiner Historie der Deutschen Sprache, in dieser Vermuthung noch weiter, indem er das Nieder-deutsche bis zu Japhcts Zeiten zurückführte und es zu der ältesten Stammsprache machte, aus welcher alle andere Sprachen ihrenUrsprung herleiten.