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Grundsätze, Regeln und Gränzen
Hier sind zuvörderst einige Behauptungen der ersten Art.
In der Vorrede zum ersten Theile seines Wörterbuchs gesteht er ein:
1. „Daß die Meißnische oder Obersächsischc Mund-art, seitdem sie von den Zeiten der Religionsverbesserungher, die Hofsprache der Gelehrsamkeit geworden sei, *) durch die Schriftsteller aller Mund-arten (also auch derNiederdeutschen) viele Erweiterungen erfahren habe". **) Was nun aber bisher geschah und, wie es scheint,mit Recht geschah, und zum anerkannten Vortheile der Deutschen Sprache geschah, worum sollte das nicht auch fer-ner noch geschehen dürfen?
2. „Daß sie, (unsere Schriftsprache, besonders wenn man mit Hrn. A. irriger Weise bloß das Obersächsischedarunter versteht) arm sei;" also eine Beröicherung aus den übrigen Mund-arten bedürfe. „Sie ist arm, sagt er***),,m Wörtern, arm an Bedeutungen der vorhandenen Wörter, arm an Wortfügungen, Beugungen und Verbindrrn-gcn, einen Begriff nach allen seinen Schattirungen auszudrucken." Hierin, seht er hinzu, werde sie von der Ober-deutschen und, füge ich zuversichtlich hinzu, in Ansehung einiger Wörterklassen, auch von der Niederdeutschen Mund-art, weit übertroffen.
Z. Er mißbilliget ausdrücklich ****) „daß man ihren Mangel an wissenschaftlichen Kunstwörterninsonderheit lieber durch ausländische Wörter habe ersetzen und ihr dadurch ein barbarisches und scheußliches Ansehngeben wollen, als dergleichen Ausdrücke von der O. D. Mund-art zu entlehnen, die doch recht wol damit verse-hen sei."
4. Er billiget es eben so ausdrücklich, ff) „daß die Höfe und Kanzleien da, wo die H. D. Sprache keineAusdrücke für die feinere Schattengebung der Begriffe habe, ihre Zuflucht zu der O. D. Mund-art nehmen; undversichert, daß nur Stubengelehrte, die aus Mangel des Geschmacks und der Lebensart, Grobheit für Freimüthig-keit, und Ungezogenheit für Verdienst hielten, oder kurzsichtige Pedanten (Schulfüchse oder Steiflinge) ein Aergernißdaran nehmen konnten."
5. Er tadelt die Hochdeutschen , d. i. Deutschen Sprachlehrer, und weiß nich?, was für einen Namen er ih-rem Betragen geben soll, ff) „wenn sie sich der Zurückführung veralteter oder vielmehr nur vergessener, aber inden Mund-arten noch daseiender Bedeutungen von Wörtern widersetzen, und eine solche Znrücksührung zu bela-chen wagen"
6 . Er nennt die Hochdeutsche oder Deutsche Sprache ■— die er eben so irrig und unschicklich, als hartnäckigmit dem Namen einer Mund-art zu belegen fortfährt, um die ungegründete Behauptung durchzusetzen, daß dieseunsere Deutsche Sprache und die Obersächsischc Mund-art einerlei sei ssfl) — ausdrücklich nur „ein Fragment(Bruchstück) der Ober- und Niederdeutschen Mund-art," ffsff) woraus man schließen sollte, daß er die Vervollstän-digung
*) Sollte wol heißen: „deß die Deutsche Schrift- und Umgangssprache, seitdem dieselbe aus der Meißnischen oder Obersachfischen Mund-art, jedoch mit Ziijichung und Benützung aller anderen Mund-arten, hervorgegangen und die Hofsprache der Gelehrsamkeit gewordenist". Denn die Meißnische oder Obersächsischc Mund-art und die aUgemeine Deutsche Sprache find, mit Hrn. Adelungs Er-laubniß, mit »ichten einerlei, sondern wesentlich verschieden.
**) Seite vi.
"") Scite X. ***») Seite X,
t) Scite XT. ff) Ebendaselbst.
ttt) Um die Veranlassung zu diesem Irrthume aus dem Wege zu räumen, laßt uns, wie ich oben vorgeschlagen habe, diejenigen Mund-arten , aus welchen das H. D. zunächst hervorgegangen ist—die Meißnische oder Obersächfische, die Fränkische und Thüringische—die Mitteldeutsche nennen, so daß wir alle Land- »nd Bezirksprachen Deutschlands künftig unter drei Hauptmund-arten: derOberdeutschen, der Niederdeutschen, und der Mitteldeutschen begreifen. — Es ist übrigens sehr befremdlich, daßHr. A. nach den gründlichen und, wie es mir wenigstens scheint, völlig entscheidenden Erinnerungen , die ihm über diesen seinen Lieb-lingsirrtbum von mehren Seiten her gemacht worden find, bei der neuen Ausgabe seines Wörterbuchs noch immer fortfährt, die all-gemeine Deutsche Sprache, unter der unschicklichen Benennung des Hochdeutschen, eine Mund-art zu nennen, da sie doch of-fenbar das Uedereinstimmende oder Gleich-artige aus allen Mund-arten in sich faßt.
fttt) ^citc xiv.'