der Verdeutschung.
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Es sei mir erlaubt, bevor ich weiter gehe, diese Regel auf ein sehr uiiglticklich geprägtes Wort anzuwenden,dessen Unzuläßigkeit dadurch offenbar werden wird. Ich meine die seltsame Verdeutschung des Worts Perückedurch — Haarmacht. (Man sehe den z w e i r e n V e rsuch D e u tsch e r Sprachbereicherungen.) Ichwill hier nicht erwähnen, daß das Wort Perücke, da es einmahl in die Volkssprache übergegangen ist, weder aus-gemärzt werden kann, noch, da es ein sinnliches Ding bezeichnet, und sein Klang der Deutschen Sprach-ähnlichkeic„lcht zuwider ist,*) ausgemärzt zu werden braucht: denn ich bescheide mich, daß, nach unserer eigenen obigen Erör-terung, die Bcfugniß, ein neues echtdcutsches Wort dasür zu prägen, dadurch nicht aufgehoben wird. Aber daswill ich behaupten, daß wir ein Französisches Wort nicht durch ein Hebräisches zu verdrängen suchen müssen. Diswürde aber hier der Fast sein. Macht in der Bedeutung einer Hülle oder Bedeckung, worin es von Luther iCor. Xl. 10. genommen ward, ist kein Deutsches , sondern ein Deutschklingendes Hebräisches Wort, oder ein Deut-sches Wort, dem man eine Hebräische Bedeutung untergelegt hat. Das Hebräische TTl nämlich, dem es antwor-ten soll, hat zwei Bedeutungen, die der Macht und die der Hülle. Die sogenannten JLXX.. Dostmctscher hieltensich, wie sie in ähnlichen Fällen oft zu thun pflegten, gerade an diejenige von beiden Bedeutungen, welche nicht ge-meint war, und übersetzten es dlzrch e^erix; und da die Verfasser des neuen Testaments bekanntlich nicht die rein-
grichische, sondern die Hebräischgrichische Sprache jener Dostmctscher redeten: so gebrauchte Paulus in der ange-führten Stelle nun auch das Wort , indem er das Hebräische -fn ausdrucken wollte; und Luther folgte,
wie mehrmahls, so auch hier, diesem Beispiel nach, und übersetzte das Grichischc Wort des Apostels, nicht in der ihmhier geliehenen, sondern in seiner reingrichischen Bedeutung, welche doch nicht hichergehörle, durch Macht. Werwollte aber ein Wort in einer ihm ganz fremden Bedeutung, worin es nur von einein einzigen Schriftsteller, nur
ein einziges mahl, und noch dazu durch Mißgriff gebraucht ward, gangbar machen wollen? Also weg mit der
Hebräischen Haarmacht, und so lange die Französische Perücke gebraucht, bis wir etwas wirklich Deutsches anihre Stelle zu setzen haben werden! Wenn's einmahl ein ausländisches Putzwcrk sein muß, so wollen wir doch lie-ber ein Französisches, als ein Hebräisches dulden.
Die Grundsätze und Regeln, die wir vor Augen haben müssen, indem wir aus der dritten und viertenDuelle zur Bereicherung unserer Sprache schöpfen wollen, sind die nämlichen, die wir bei der siebenten, achten undneunten zu befolgen haben. Denn alle, aus neuern Schriftstellern geschöpfte Sprachbereicherungen treten, weil sienoch keine Wurzel in die Sprache -geschlagen haben, mit den ncugcbildetcn in Eine Klasse, und sind, bevor wir siefür eingebürgert erklären können, mit diesen einerlei Prüfungen nach einerlei Regeln unterworfen. Ich verschiebe da-her die Entwickelung der für sie gehörigen Grundsätze bis zu diesen.
Und so wenden wir uns denn jetzt zur Betrachtung der fünften Duelle, welche dieM u nd art e n ausmachen.
Das Urtheil der Sprachlehrer über den rechtmäßigen Gebrauch, den wir zur Bereicherung der allgemeinenDeutschen Schrift-und Umgangssprache davon zu machen haben, und besonders über die nothwendigen Gränzendieses Gebrauchs, scheint sich noch nicht gesetzt zu haben. Einige, wie z. B. Hr. Adelung, scheinen sogar mitsich selbst darüber in Streit zu sein ; wenigstens ihre eigentliche Meinung darüber noch nicht auf etwas recht bestimm-tes und festes gebracht zu haben. Ich will die hichergehörigen Aussprüche dieses verdienstvollen Sprachlehrers, soviele ich ihrer gefunden habe, hersetzen; und der Leser mag dann selbst entscheiden, ob ich ihm durch mein obigesUrtheil Unrecht that, oder nicht; ob die Schuld, daß ich seine eigentliche Meinung darüber nicht bestimmt auffas-sen konnte, an mir und meiner Fassungskraft, oder an dem Mangel einer gehörigen Bestimmtheit seiner Aeußerun-gen lag.
An einigen Stellen scheint Hr. Adelung die Nothwendigkeit und den Nutzen einer Bereicherung des Hoch-deutschen auö den beiden Hauptmund-arten unserer Sprache ganz unbedingter Weise anzuerkennen, und die Benü-tzung sowol des Dberdeutschen, als auch des Niederdeutschen dazu ausdrücklich zu empfehlen ; und in andern hörenwir ihn wiederum dagegen mit Nachdruck eifern und diese Benützung auf so wenige Fälle einschränken, daß den Mund-arten kein größerer Einfluß in das sogenanilte Hochdeutsche, als jeder fremden Sprache, also nur ein unbedeutenderin Fällen der äußersten Noth, gestattet werden soll.
Hier
*) Man denke an Krücke, Brücke und andere Wörter dieses oder eines iihnlihen Klanges.
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