der Verdeutschung.
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haß wir die ältesten Denkmähler der Spräche keinesweges für schulrecht ( klassisch ) halten, also auchnicht alles, was wir an Wörtern und Redensarten bei ihnen finden , sogleich und ohne weitere Prü-fung annehmen zu dürfen glauben müssen."
Dazu waren, sowol die Begriffe und die gesammte Geistesbildung, als auch die Sprachlehre und die Schrei-bekunst jener Zeiten, noch viel zu roh und dürftig; und vornehmlich auch die Sprache selbst noch viel zu arm undungebildet, als daß diejenigen, die besonders unsmnliche Gegenstände in ihr ausdrucken wollten, nicht oft gezwun-gen gewesen wären, sich Freiheiten zu erlauben, die der Sprachgeist nicht genehmigen konnte. Um z. B. die zurGotteslehre gehörigen und kirchlichen, auch andere Begriffe, welche die Deutschen von den Römern empfingen —.Begriffe, die ihnen vorher ganz fremd gewesen waren — in ihrer eigenen Sprache, welche noch keine Wörter dafürhatte, zu bezeichnen, sahn die Schriftsteller jener Zeit sich oft genöthiget, zu einer knechtischen Nachbildung Lakei-nifcher und Grichifchcr Wörter, durch gedankenlose Silben-Übersetzung, ihre Zuflucht zu nehmen. So bildete z. B.Ulphilas (S. Adelung am angeführten Orte) aus dem Gothischen fahr, rein, schön, Fairwus für Welt, durcheine buchstäbliche Uebersetzung des Grichischen xo<r[xog oder des Lateinischen mnndus; so Allbrunsti, für Opfer, nachoXoKctvTAiionx u. s. w. So entstanden angenehm von acceptus, bescheiden von discretus, anheben vonincipere und viele andere, die unserer Sprache nun für immer einverleibt sind, und jetzt keinen Anstoß weiter verur-sachen können, weil wir uns, indem wir sie gebrauchen, ihrer Entstchungsart nicht mehr bewußt sind. Dis würdeaber nicht der Fall sein, wenn wir ein solches Wort, was durch den täglichen Gebrauch sich nicht bis zu uns fort-gepflanzt, also auch sein Fremd-artiges und Auffallendes dadurch noch nicht verloren hätte, jetzt erst aus einem vonjenen Denkmählern hervorziehn und in Umlauf bringen wollten. Das würde eben so sehr den guten Geschmack em-pören , als es den jetzt reifer und strenger gewordenen Sprachgeist beleidigen würde. Das Alter und die sonstigeSchätzbarkeit des Denkmahls, aus dem man es entlehnte, könnten hier zu keinem Rcchtfertigungsgrunde dienen.Was in den Zeiten der größten Spracharmuth die Noth entschuldigen oder rechtfertigen konnte, das würde zur Zeitdes Ueberflusses, in unsern Zeiten, sträflicher Muthwille sein.
Zur Erläuterung unserer Regel mag folgendes Beispiel dienen.
Wir konnten bisher den Begriff von einem an Kindes Statt angenommenen Sohne nicht an-ders, als durch diese lange Umschreibung ausdrucken, wofern wir nicht das fremde Wort ad optiren gebrauchenwollten. Nun hatte man in jenen Zeiten der Latein-deutschen Sprachvermischung aus adoptare durch knechtischeSilben - Übersetzung anwünsch en gebildet; ein Wort, welches, nach Adelung, sich in dieser, ihm so unnatür-lichen Bedeutung, noch bis auf diesen Tag in der Oberdeutschen Mund-art finden soll, das aber glücklicher Weiseaus dieser in die allgemeine Deutsche Sprache niemahls übergegangen ist. Wenn wir also nun jetzt zwischen demsehr ungeschickten alten Ausdrucke: »»gewünschter Soh n, und dem in nachstehendem Wörterbuche aufgeführ-ten neuern Worte, Wahlsohn, zu wählen haben: so entscheidet unsere Regel und, ich meine, der gesunde Men-schenverstand mit ihr, für das letzte. Das bessere Neue muß dem schlechter» Alten nicht nachstehn. Nur da, woHeide gleich sind, habe dieses den Vorzug vor jenem.
In Ansehung der zweiten Quelle, wozu wir Luthers Schriften und die seiner Zeitgenossen undNachfolger rechneten, findet der nämliche Grundsatz und die nämliche Regel, wie bei der ersten, Statt. Wasdie Luthersche Bibel-übersetzung insonderheit und die zur Bereicherung unserer Sprache daraus zu entlehnendenveralteten Wörter und Redensarten betrifft, so treten hier folgende Bemerkungen, als eben so viele Vorsichtigkcits-regeln, ein: ,
i. Auch sie ist in Ansehung der Sprache keinesweges für vollkommen richtig oder für schulrecht zu halten;rveil sie theils nicht selten, wie z. B. durch die Verwechselung des für und vor, gegen jetzt allgemein ange-nommene Regeln der Sprachlehre anstößt, theils noch gar zu viele Eigenthümlichkeiten der Oberdeutschen Mund-art, sowol in Ansehung einzelner Wörter und Redensarten an sich, als auch in Ansehung der Biegung oder Um-wandlung derselben, beibehalten hat. Beläge zu diesem Urtheile findet man in der angeführten kleinen Schriftdes Hrn. Adelung. Der Grund aber, warum die Oberdeutsche Mund-art oft auf Kosten der allgemeinenDeutschen Sprach - ahnlichkeit und Sprachlehre in dieser Bibel - Übersetzung das Uebergewicht hat , liegt indem Umstände, daß zu der Zeit, da Luther diese Ucbcrsetzung verfertigte und zum ersienmahl herausgab/ je-ne Mund-art noch die herrschende Deutsche Schriftsprache war, und er daher, entweder noch nicht das Herz,
oder