der Verdeutschung.
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Muß und gebraucht werden kann. 2. Durch Ableitung neuer Ast- und Zweigwörker aus daseienden Skammwör-tern, vermöge unserer Dar- und Endsilben, wodurch wir abermahls fast aus jedem <rttcn Worte ein neues bilden undden auszudruckenden Begriff auf mannigfache Weise abändern und näher bestimmen können. Welche ungeheuere Aus.dehnungskraft!
Hier dürfen wir unsere Sprache mit allem Rechte der Grichischen an die Seile stellen, und mit wohlgcgrün-detcm Stolze umherschauen und fragen: wo die dritte fei? ,
In Ansehung der vielen Mittel, die unsere Sprache hat, abgeleitete Wörter zu bilden, laßt sie sogar die Gri°chjsche selbst zurück. Was für eine unübersehbare Menge von besondern Begriffsbestimmungen können mir durch Hülfeunserer Vorwörter ab, be, er, ein, ent, ge, miß, un, vcr und zer angeben! Wie viele Sachwörtcr kön.nen mir aus Zeitwörtern prägen, indem wir ihnen entweder die Endsilben ung, um die Handlung auszudrucken,oder die Endsilbe er zur Bezeichnung des Handelnden, anhängen! Wie viele andere aus Beiwörtern durch Hülfeder Endsilben heil und keit, um das Abgezogene zu bezeichnen! Wie viele Zeitwörter können wir wiederum, nachdem Gebrauche der Niederdeutschen Mund-art, aus Sachwörterw Lurch bloßes Anhängen eines n oder e n bilden?Und wer vermags, das unzählbare Heer von Beiwörtern zu überschauen, die wir durch Hülfe unserer Endsilben bar,jg, icht, isch, en, lich, sam und haft aus Zeitwörtern oder Sachwörtern hervorrufen können! „Wahrlich,sagt Hr. Gedi ke, indem er dieses unermeßlichen innern Reichthums unserer Sprache, mit einer der großen Wich»tigkeit der Sache angemessenen Begeisterung gedenkt, kein Geizhals kann mit solcher Freude in seinen Dukaten wüh-len, als ich öfters in diesen Analogien (Sprachglcichförmigkciten) wühle, und mich jedesmahl des unerschöpflichenReichthums meiner Muttersprache freue!" Er fügt diesem Ausruf eine Bemerkung bei, die, weil sie uns eine neueQuelle der Wvrterbildung durch Ableitung nachweiset, hier einen Platz verdient:
„Ich muß bei dieser Gelegenheit noch eine von mir bemerkte Analogie ( Sprach-ähnlichkeit), die ich noch beikeinem Grammatiker (Sprachlehrer) gefunden habe, an den Mann zu bringen suchen. Sie besteht darin, daß wirvon den Comparativen (der zweiten Verglcichungsstufe) der einsilbigen Adjektiven (Beiwörter) neue Abstrakta (Wör-ter für abgezogene Begriffe) bilden können, nach der Analogie (Aehnlichkeit) von Kälte, Wärme, Stärke, Größeund tausend andern. Diese analogifche (sprach-ähnliche) Wortquelle kann vornehmlich für den Dichter sehr wichtigwerden, dem die auf keit oder h eit ausgehenden Abstrakta öfters zu schleppend sind."*) Dergleichen Wörter, wiez. B. die Bläue, die Kühle u. s. w. sind seit kurzen viele in Umlauf gekommen, die man in nachstehendem Wör-terbuche finden wird. Aber warum soll diese Ableitung nun eben von Comparativen, und nicht vielmehr geradezuvon dem ungesteigerten Beiworte selbst durch Anhängung des Buchstabens e und, wie die Verlängerung es erjodcrt,durch Anwendung des Umlauts, entstanden sein?
8. Di.e wörtliche oder buchstäblicheUebersetzung, besonders bildlicher und zusammengesetzter Wör-ter, aus andern Sprachen — ein Bcreicherungsmittel, welches alle Völker von jeher für ein erlaubtes undnöthiges gehalten haben. Der Griche übersetzte aus den morgcnländischen Sprachen ; der Römer — man sehe vor-nehmlich Cicero's Schriften—> aus der Grichischen; der Franzose, der Engländer, der Spanier aus beiden:warum nicht auch wir? und warum nicht aus jeder gebildeten Sprache, die etwas hat, was der unsrigen fehlt,was in die unsrige aufgenommen zu werden verdient, und was mit unserer Sprach-ähnlich-keit bestehen kann? Aberdiese Frage kommt zu spät: wir haben sie längst durch die That beantwortet. Unsere Sprache hat so gut, wie jedeandere später entstandene, aus der Grichischen und Römischen durch Wort-übersetzungen geschöpft; unsere bestenSchriftsteller haben die nämliche Freiheit auch in Bezug auf die neuern Sprachen behauptet; und, so oft sie da-bei nur der Deutschen Sprach-ähnlichkeit und dem Sprachgebrauchc ihr Recht widerfahren ließen, hat der DeutscheSprachgeist nichts dawider, einzuwenden gehabt. Man hat sich hicbci nicht bloß auf die Äesitznchmung einzelnerWörter und Redensarten durch das Recht der Ueberfeßung eingeschränkt; sondern sogar auch ganze Redeformcn undWendungen in die unsrige, bald mit größcrnr, bald mit geringerem Glücke überzutragen versucht.
9. Der Gebrauch eigentlicher Wörter in einem neuen unelgentlichcn Sinne, beson-derS daS Uebcrtragen sinnlicher Bedeutungen auf unsinnlichc Gegenstände; eins der ersten und am meisten gebrauch-ten Hülfsmittel, wodurch jede Sprache sich aus ihrer ursprünglichen Armuth bis zu demjenigen Reichthum empor-gearbeitet hat, der sie fähig macht, auch unsinnlichc. und geistige Begriffe auszudrucken. Man untersuche alle Wörter
unserer
*) Am angeführten Orte.