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1 (1808) A - E
Entstehung
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der Verdeutschung. 43

als auch in dem Adclungschcn Wörter buche noch vermißt wird *). Was Salzmann **), Dicdrich von Stä-be ***) und Frisch f) hiezu vorgearbeitet haben, ist gar zu unvollständig.

3, Die guten Deutschen Schriftsteller ncuesterZcit, von Mosheim und Hagedorn bis zuunsern Tagen. Unsere Sprache hat sich in diesem letzten Zeitraume mehr als in irgend einem andern, erstaunlichausgedehnt; so wie sie auch in Ansehung ihrer Ausbildung und Veredelung wirklich Riesenschritte darin gethan hat. Dasind also auch eine Menge neuer Wörter und Redensarten entstanden, eine Menge abgestorbener von neuen wieder be-lebt, eine Menge anderer aus den Mund - arten ihr einverleibt worden. Hr. Ad elung hat zwar manche, abersicher nur den kleinsten Theil davon, und auch diesen oft mit unwilliger Hand in sein Wörterbuch eingetragen, unddabei manchem das Verwcrfnngsurtheil: veraltet oder nur in der g em e i n cn S p r eck, - art üblich odernicht zu billigen angehängt, was doch oft von sehr guten Schriftstellern mit Beifall gebraucht und veredelt war,oder, nach genauerer Prüfung, noch setzt gebraucht, gcbilligct und angenommen zu werden verdiente. Hier wärealso noch eine beträchtliche Nachlese zu halten. Der Nutzen aber, den eine vollständige Sammlung dieser Artgewähren würde, kann nicht verkannt werden. Einige dieser Wörter, die vielleicht recht sehr verdienten, in Umlaufzu kommen, mögen bei ihrer Erscheinung übersehen worden sein, und nun in Werken vergraben liegen, die jetzt we-nig mehr gelesen werden. Andere, wie z. B. das, der Sprach - ähnlichkeitsregel zu Trotz, allgemein gewordeneZeitwort entsprechen (wofür Leibnitz antworten sagte) mögen unverdienter Weise und weil sie, zur Zeit ih-rer Entstehung, nicht erst gehörig geprüft wurden, Glück gemacht haben, und noch jetzt für Bannmünze erklärt zuwerden verdienen. Beiden Arten von Wörtern könnte man, wenn sie gesammelt und zur Prüfung aufgestellt würden,durch Billigung oder Verwerfung noch jetzt Gerechtigkeit widerfahren lassen; und unser Wörterbuch würde. einen un-schätzbaren Zuwachs dadurch erhalten ff).

4. Ganz besonders die Schriften der ältern und neuern Schwärmer und die der sogenannten Feuer-köpfe überhaupt, d. i. solcher, in welchen die Einbildungskraft ein entschiedenes Uebergewicht über die höher» Sce-lenkräfte behauptet.Selbst diejenigen, sagt Leibnitz am angeführten Orte, die sich etwas zu den Träumern undSchwärmern geneiget, brauchen gewisse schöne Worte und Reden, die man, als die güldenen Gesäße der Egyptcr,ihnen abnehmen, von der Beschmitzung reinigen und zu dem rechten Gebraüchc widmen könnte." Besonders dürftesowol für die Seclenlehre, als auch für die darstellende und dichterische Schreib-art von einer Wörterlcsc ausSchriften dieser Art ein nicht geringer Erwerb an ausdrucksvollen und kräftigen Ausdrücken zu erwarten sein. Dennbekanntlich fanden Leute, die sich durch tiefe und lebhafte Gefühle, und durch eine glühende Einbildungskraft aus-zeichneten, das Bett der Sprache für den gewaltigen Strom ihrer ungewöhnlichen Empfindungen, Vorstellungen undinnern Anschauungen, fast immer zu enge; bekanntlich ist der Seelenblick des Schwärmers, abgewandt von den äu-ßern Gegenständen, fast immer aufsein eigenes, oft sehr eigenthümliches und sonderbar bestimmtes (modificirtes)Innere geheftet, wo er nur das, was in ihm vorgeht, zu lesen pflegt, und er ist daher eben so unfähig, fremdeVorstellungs - arten bei sich aufzunehmen, als seine eigenen Vorstcllungs - arten und Gedankenbilder fremden Formenund Sprachhüllen anzupassen; bekanntlich pflegt er endlich auch oft ein erklärter Verächter, wie aller sogenanntenweltlichen Wissenschaften überhaupt, so auch der Sprachgclehrsamkeit (Philologie) insonderheit zu sein. Lauter Ei-genthümlichkeiten, die ihm das Bedürfniß, die Neigung und den Muth verleihen, statt bekannte und übliche Wörter,

F 2 Wort-

*) In Ansehung der Lutherschcn Bibel -Übersetzung ist dieser Wunsch bald nach der ersten Ecscheinnng meiner Schrift, auf die befrie-digendste Weise erflillt worden durch: W. A. Tellers .vollständige Darstellung und Beurtheilung der Deut-schen Sprache in Luthers Bibel-übersetzung. Berlin 1794.

") 6alzmanns sonderbare Worte aus denen Schriften des Herren Liartioi l.utKeri zu sani m c n ge-tragen. Naumburgk 1664.

*") D i edr i chs von Stad« Erlä»ter- »nd Erk l iiru n g etlicher teutschen Wörter in Lntheri teutscherUcbersctzung der Bibel. Etüde 1711.

f) In BLdikcrs Grundsätzen der Teutschen Sprache mit Anmerkungen und Zusätzen von Frisch undWippel. Berlin 1746.

flf) Ich hatte, bald nachdem dieses zum ersten mahle gedruckt wurde, mit einigen sprachkundigen Freunden , den Vorsatz gefaßt, den hiergeäußerten Wunsch, in einem Ergänzungswörterbuchc, welches sich dem Adelungischcn Werke anschließen sollte, zu erfül-len. Einige Zahre lang hatten wir auch zu diesem Behuf schon gesammelt, als theils Kränklichkeiten, theils der Kaltfinn unsererZeitgenossen gegen Arbeiten, die unsere eigene Sprache betreffen, uns zwangen, das schon ziemlich weit gediehene Borhabcn wie-der aufzugeben.