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1 (1808) A - E
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Grundsähe, Reseln und Gränzen

irgend einer besondern Mund-art, Sprach-ähnlichkeit für den Probest«» der Echtheit eines Deutschen Worts, insofern es der Schrift- und Büchersprache der Deutschen einverleibt werden soll, allein gehalten werden.

Ich will nun, diesem Begriffe gemäß, die sämmtlichen Quellen, woraus zu immer größerer Reinigung undBereicherung unserer Hochdeutschen Sprache (die ich von nun an die Deutsche schlechtweg nennen werde) geschöpftwerden darf und muß, genau auseinandersetzen und aufzählen. Es sind folgende:

1. Die ältesten und alten Denkmähler unserer Sprache, vor und nach Erfindung der Buchdrucker-kunst bis zu dem Anfange der Lutherschen Kirchenverbesser.ung *). Die allcrältestcn unter diesen Denkmählern, ichmeine die Ucberbleibsel Deutscher Schriften aus den Zeiten vor den Minnesingern, gehören freilich nur in sofernhieher, als sie für die Wortforschung und Herleitung wichtig sind, und sonach vielleicht zur Erzielung dieses oderjenes Wortsprößlings auö einer alten Wurzel Gelegenheit geben können. Denn für die unmittelbare Bereicherungunserer Sprache dürfte wol nur sehr wenig, oder vielmehr gar nichts aus ihnen zu erwarten sein, theils weil dieSprache jener Zeiten selbst noch gar zu arm und unschlachtig war, theils weil die Zahl und der Umfang dieser^ älte-sten, nur in Bruchstücken aufbewahrten Denkmähler, gar zu^unbcträchtlich ist. Erst mit den Zeiten der Minnesin-ger, von der Mitte des zwölften Jahrhunderts an, beginnt die Quelle ergiebiger zu werden: weil von diesem Zeit-punkte an, sowol die Sprache gebildeter ward, als auch die Zahl der Schriftsteller, besonders der Dichter, sichstark vermehrte, und zugleich ihr Gedankenkreis sich erweiterte, indem sie von den bisherigen, fast einzigen Gegen-ständen des gelehrten Nachdenkens und der schriftstellerischen Bearbeitung den geistlichen und kirchlichen nun-mehr auch zur Ausführung und Darstellung sogenannter weltlicher Stoffe der Empfindungen, der Leidenschaften undder schönen Natur übergingen. Da es nun aber nicht jedermanns Sache ist, sich mit diesen alten Denkmählernbis zu derjenigen Vertraulichkeit bekannt zumachen, welche erfodcrt wird , wenn man zur Bereicherung unserer Spra-che daraus schöpfen will: so scheint es ein nothwendiger Theil des großen Plans zur Berichtigung und Erweiterungunserer Sprache, den der königliche Gelehrtenverein zu Berlin entwarf, zu sein, daß diese gesammten DenkmählerStück für Stück noch einmahl sorgfältig durchgesehen werden, um uns mit einem vollständigen Verzeichnissealler darin befindlichen, jetzt nicht mehr gebräuchlichen Wörter und Redensarten, zu versehen.

2. Luthers Schriften und die seiner vorzüglichsten Zeitgenossen") und Nachfolger im sechszehnten-und siebzehnten Jahrhunderte. Auch aus diesen sollten vollständige Sprachquellen verfertiget werden, wobei zur Re-gel angenommen würde, daß alles, was schon aus den obigen Denkmählern in dem darüber verfertigten Wörterbu-che aufgezeichnet wäre, hier wegbliebe, und nur derjenige Wortschatz ausgchvben würde, der sowol in jenem fehlte,

als

*) Hr. Adelung theilt diesen Zeitraum der Geschichte unserer Sprache in folgende fünf Abschnitte: r. Dom Ursprünge der DeutschenVölkerschaften bis zur großen Völkerwanderung. 2. Von dieser bis auf Karln den Großen, z. Bon da bis zu den SchwäbischenKaisern. 4. Von diesen bis zur Mitte des vierzehnten Jahrhunderts; und 5. Bon da bis zu Luthers Zeiten. S. dessen kleine schätz-bare Schrift über die Geschichte der Deutschen Sprache, die Deutschen Mund-arten und die DeutscheSprachlehre. Leipzig 1781. Zu unserer gegenwärtigen Absicht schien mir diese Unter-abtheilung eben so unnöthig zu sein, alseine namentliche Aufzählung der in diesen Zeitraum fallenden ältesten und alten Denkmähler selbst. Wer dieselben noch nicht kennt,der findet sie in der genannten Adelungschen Schrift, nach jenen fünf Zeit-abschnitten, aufgeführt. Ich erlaube mir hier aber bei-läufig den Wunsch, daß esHrn. Adclung gefallen möge, in der ausfiihrlichcn Geschichte unserer Sprache, wozu jene kleine Schrift,die sich als Vorläufcrinn ankündigte, uns Hoffnung gemacht hat, den von ihm angenommenen sechsten Zeitraum, nämlich den vonLuthern bis zu unsern Zeiten, der ausnehmend großen Veränderungen wegen, welche die Sprache darin erfahren hat, wenigstensin zwei zu zerlegen. Diese Abtheilung wird, unter andern Vortheilen, auch den gewähren, daß er bei genauerer Prüfung der er-staunlichen Bereicherung, welche unsere Sprache in der'zweiten Hälfte dieses Zeitraums durch die darin geschehene Benützung allerMund - arten, besonders auch der Niedersächsischen, erfahren hat, von dem Irrthume zurückkommen wird, daß diese unsere Sprachemit der Lbersächsischcn oder Meißnischen Mund-art einerlei sei.

**) Unter welchen auch Jckelsa mer ist, der Verfasser der ältesten bekannten Deutschen Sprachlehre. Sein Wcrkchcn, welches sich imWolfcnbütttlschcn Büchersaale befindet, hat znr Aufschrift: T c ü t s ch e G r a m m a t i c a , d a r a u ß a i n e r v 0 n j m se l b s m a glesen lernen, mit allem dem, so zum teütschcn Lesen vnnd d esselb e n Ort h 0 grap h ia n , Mangel vn n dÜberfluß, auch andcrm v i l m e hr, z u w i ß en gehört. Auch ettwas von der rechten art nnd Etymolo-gia der teütschcn sprach vnnd Wörter, vnnd wie man die teütschen Wörter in jre silben laylen vnodzusammen b u ch st a b e n soll. D a l e « t i n I ck e l s a m c r. 5 Bogen in 8- 84 sitze den Titel dieses Werkcheus her, umauf das Deutsche Wort buchst ab en, für das undmsche buchst ah iren aufmerksam zn mache«,