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1 (1808) A - E
Entstehung
Seite
40
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Grundsätze, Regeln und Gränzen

* sich eine Deutsche Kunstsprache, und seine Lehrsätze verbreiteten sich schnell und allgemein durch ganz Deutschland,und crgosscu sich bald in alle andere Wissenschaften, in die ganze Begriffsmassc der Deutschen; der andere behieltdie alte Lateinisch-grichische Kunstsprache bei, und zwar so, daß er eine zweifache Veränderung damit vornahm, in-dem er sie theils vermehrte, theils einigen alten Wörtern neue Bedeutungen unterlegte; und noch heute sehen wir,daß die geübtesten Denker, nach vieljährigem darauf verwandten Fleiße, sich die mit jenen Kunstwörtern zu verbin-denden neuen Begriffe noch immer nicht recht geläufig machen konnten, noch immer hie und da einen Mißgriff thu«und sich und zwar Kanticr von Kontiern <vorwerfen lassen müssen: daß sie noch nicht auf der Hohe der ver-nunftwisscnschaftlichen Umwälzung stehen! Und das sind doch Männer, welche Grichisch und Latein verstchenlMänner, welchen das abgezogene Denken, da ihr täglicher Beruf darin besteht, zur andern Natur geworden ist!Da es nun diesen, der ihnen ungewöhnlichen Kunstsprache wegen"), schon so sehr schwer wirdeinige haben ja ge-radezu, und zwar der gesagten Ursache wegen, ihr gänzliches Unvermögen öffentlich eingestanden sich das Kanti-sche Lehrgebäude ganz und vollkommen zu eigen zu machen: so schließe man daraus, welche Marter alle ausländischeKunstwörter überhaupt, nicht erst denjenigen verursachen müssen, welche weder wissenschaftliche Denk-übungen gehabthaben, noch die Sprachen verstehn, woraus jene Wörter genommen sind, und die also zwischen ihnen und den Be-griffen, die sie ausdrucken sollen, nicht den mindesten Bezug wahrnehmen können!

Also eins von beiden: entweder laßt uns, selbstsüchtigen und menschenfeindlichen Zwinghcrren gleich, gera-dezu erklären: daß wir alle die Begriffe und Kenntnisse, zu deren Andeutung und Entwickelung wir bisher eine aus-ländische Kunstsprache gebrauchen, ferner, wie bisher, bloß für uns behalten und nicht zugeben wollen, daß sie sichin die Köpfe der Ungelehrtcn verbreiten und zum Eigenthume der Völkerschaft (der Nation) werden; oder, wofernbei unsern schriftstellerischen Arbeiten es uns wirklich mehr um die Erleuchtung unserer Mitmenschen, als um dasHervorleuchten unserer gelehrten Namen in dem engen Kreise unserer gelehrten Mitbrüder zu thun ist: so laßt unsfreimüthig gcstchn, daß es zur Erreichung dieses Zweckes keine nothwendigere und dringendere Vorarbeit geben kön-ne, als die: unsere Sprache von allen ausländischen Wörtern, welche allgemeine Begriffe bezeichnen, überhaupt,und von den ausländischen w i ssen sch a stl ich en K u n st w ö r t e rn insonderheit, je eher je lieber zu reinigen, undWörter cchtdeutschen Gepräges an ihre Stelle zu setzen.

Meine Ueberzeugung von der Nothwendigkeit dieser besondern Art der Sprachreinignng wird vollkommen ,wenn ich, außer jenem allgemeinen Nachtheile, den der Gebrauch fremd-artiger Kuristwörter mit sich führt derUnmöglichkeit, daß unsere Kenntnisse und Einsichten aus den Köpfen der Gelehrten in die des Volkes übergehen kön-nen-nun auch noch einen besondern, nicht minder erheblichen Schaden erwäge, den dieser Mißbrauch bisher gestif-tet hat und, so lange er selbst dauert, zu stiften fortfahren wird; diesen nämlich: daß so viele tausend junge Deut-sche, die nicht die Bestimmung haben, Gelehrte zu werden, ihre kostbare Zeit, und was noch mehr sagen will, ihrenoch kostbareren Seelen - und Ecsundheitskräfte damit verschwenden und verderben müssen, unter Widerwillen und Ekel,oft auch unter mancherlei körperlichen Drangsalen, einen ihnen in der Folge zu nichts in der Welt brauchbarcnTheilder Lateinischen Sprachlehre, bloß deswegen auswendig zu lernen, damit sie, wie man sagt, ihren terminasund den Essus zu setzen verstehen; ungeachtet die tägliche Erfahrung lehrt, daß selbst dieser dürftige Zweckdabei meistentheils ganz verfehlt wird. Man denke sich nun, daß alljährig wenigstens zehntausend Deutsche Kna-ben einst Männer! cinstBürgcr! und zwarBürgcr derjenigen Klassen, ohne welche die bürgerliche Gesellschaft nichtbestehen könnte! in diesem traurigen Falle sind; man denke sich, daß von diesen jeder täglich wenigstens EineStunde, also jährlich gegen dreihundert Stunden, die auf etwas nützliches verwandt werden könnten, mit diesenunnützesten unter allen unnützen Jugendquälereicn schändlich verderben muß; man denke sich endlich die traurige Ver-schwendung von Menschenkraft, gesunder Vernunft, Gesundheit und Frohsinnn, die, wie die Erfahrung lehrt, damitverbunden zu sein pflegt; und sage dann: ob die kleine unbedeutende Mühe, die wir Gelehrten bei der Verdeutschungunserer ausländischen Kunstwörter übernehmen müssen, dagegen nur im mindesten in Betracht kommen könne? Ichwürde den Verstand und das Herz unbefangener Leser zu beleidigen fürchten, wenn ich zur Darstellung des handgreif-lichen Schadens, den diese ausländischen Kunstwörter stiften, auch nur noch ein Wort hinzuzufügen, mir erlaubenwollte. Also weg mit ihnen! und Volksdank für jeden, der durch Ausprägung oder Aufsuchung echtdeutscher wiffen-

schaftli-

*) Ich läugne übrigens nicht, daß auch die Neuheit und Ticssinnigkeit dee Sachen und der Begriffsbestimmungen in demKomischen Lehrgebäude, nebst dem verwickelten, oft sogar verworrenen Vortrage des berühmten Urhebers dieses Lehrgebäudes, dem Verstehen und der Ausbreitung desselben, gleichfalls große Schwierigkeiten in den Weg gelegt haben mögen; allein die den Kunst-wörtern untergelegten, bisher nicht gewöhnlichen Bedeutungen, haben sicher, wo nicht dar meiste, doch wenigstens viel dazu mitbeigetragen.