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Grundsätze, Regeln und Gränzen
schädlichsten Mißverständnissen und Irrthümern müssen diese Leute nicht in den ihnen unverständlichen Lateinsschen und Grichischen Namen und Kunstausdrücken finden!
7. Die Umgangs- und Geschäftsspräche, nicht bloß sofern sie in mündlichen Unterredungen, sonder»auch in Briefen, schriftlichen Verhandlungen und Volksschkifttn aller Art- z. B. in Schauspielen, Geschichts-büchern, Geschichksdichtungrn *) (Romanen)- Zeitungen u. s. w. gebraucht wird. Wie mancherlei Unbe-quemlichkeiten und Nachtheile durch die Reinigung dieses Theils unsers Sprachschatzes vermieden werdenkönnten, und wie sehr die gänze Volksausbildung dadurch bcfördM und beschleuniget werden würde- springtjedem darüber Nachdenkenden sogleich von selbst ins Auge-
8- Die Dichtkunst **); weil der Dichter, als Dichter- nicht für Gelehrte- die mehre Sprachen versteh»-sondern fürs Volk, welches nur seine eigene Sprache gelernt hat, schreibt und schreiben soll; indem dieDichtkunst gerade eins der ersten und wirksamsten Mittel zu derjenigen Ausbildung eines, Volkes ist- die demhöher» Äcistesanbau durch allgemeine wissenschaftliche Kenntnisse zur VorläüferinN uNd Wegbereiterinn die-nen muß. Auch ist es für dcN Dichter, der nur döii sinnlichen Und bilderreichen Theil der Sprache — wo-von die unsrigs einen so unerschöpfliche» Reichthum besitzt — und nicht die abgezogene Kunstsprache der Wis-senschaften gebraucht- woran wir bisjetzt einen wirklichen Mangel hakten, viel weniger zu verzeihen, wenner entweder aus Ünbekanntschnst Mit den dichterischen Schätzen unserer Spräche, oder aus GeMächlichkeits-liebe - weil er Nicht erst lange suchen mag- oder auch weil er einen undichterischen gemeinen Gedanken durchein ungewöhnliches Wort zu einem dichterischen zu erheben wünscht - öder endlich des bloßen - wirklichenoder eingebildeten Wohlklaugs wegen, dem doch die Reinheit der Sprache nie aufgeopfert werden sollte,sich aN dein lauter» Geiste unserer Sprache durch Einmischung des Fremd-artigen versündiget.***)
Alle diese Theile der Menschlichen Kenntnisse und GeistcsbeschaftiguNgen gehören offenbar zu derjenigen Aufhel-lung und Bildung des menschlichen Verstandes, welche allen Menschen in alten Standen zu wünschen wärenlSie sind also auch diejenigen, welche vor allen in eine reine, nicht durch Einmischung ausländischer Wörter ver-unstaltete und für viele dadurch unverständlich gemachte Zwittersprache eingekleidet zu werden verdienen.
Eine zweite, äuf den Inhalt der Wörter oder auf die auszudruckenden Begriffe und Sachen sich' beziehendeRegel, ist folgende:
daß sowohl alle, in unsere Sprache eingeschlichene ausländische Wörter und Redensarten, wodurch ab-gezogene und allgemeine Begriffe überhaupt, besonders solche, die an kernen unserer äußern und innernSinne zurückgeführt werden können, als auch die stemd-artigen wissenschaftlichen Kunstwörter, welchedergleichen Begriffe enthalten ^ insonderheit/ vor allen andern wieder ausgeMarzt und durch echtdeutschekksctzt werden muffen-
Die
*) -,So sollte ich auch dafür halten- daß in gewissen Schriften, so nicht wegen Geschäfte und zur Nothdurft- auch nicht zür Lehreder Künste und Wissenschaften- sondern jnr Zierde herauskommen- ein mehrerer Ernst zu brauchen- und wenige fremde Worteeinzulassen sein-"
L e i b liitz.
•*) -,Dann gleichwie in einem sonst schönen Deutschen Gedichtt- «in Französisches Wort gemeiniglich ein Schandfleck sein ivürde- alsosollte ich gänzlich dafür halten - daß in den Schceib-arten, so der Poesie a»i nächsten, als Romanen, Lobschriften und öffentli-chen Reden, auch gewisser Art Historien und auch bei UcbersctzuNgcn aller solcher Wecke aus fremden Sprachen, und Summa,wo mau nicht weniger auf Annehmlichkeiten als Nothdurft und Nutzbarkeit siehet - man sich der ausländischen Worte, so viel im-mer möglich, enthalten sollc-
L e i hnitz.
"*) Daß bei den Brechest di« Gesänge ihrer Dichter in aller Gedächtnisse und in aller Munde waren- und auf die Bildung WerStände wirkten, bei uns hingegen die Meisterstücke unserer besten Sänger, z. B. die eines Ramieüs und Wie land S, kaumvon dem-hundertsten Theile Unserer Dölkcrschüft gelesen, verstanden und auswendig gelernt werden —woran llegts? An den iieuil»nd neunzig Hundcrtthcilen unserer Völkerschaft? O wahrlich nein! Die Menschen find iü noch immer dieselben, die sie vor zweitausend Jährest waren; und auch unser Volk genießt noch heute gern und dankbar alles, was ihm genießbar und angenehm zu-gleich gemacht wird. An Unsren Dichtern,l!egks, daß sie durch Einmischung, fremder Wörter, fremder Göttcclchre und Boestel»lungsarten, feiic neu» Und neunzig Huudcrtlheile von dem Genusse ihrer Meisterwerke hisbec selbst zurückstoßen wollten.