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der Verdeutschung.
braischeil und Deutsch - grichischm Wörter und Redensarten (Hebralsmen und Gräcismen), wovon unsereKanzclrcden und Erbauungsbüchcr zum Theil noch immer so voll sind, gänzlich daraus verbannt werden.
Z. Die Rechts spräche, die der Gesetze, der Gerichtshöfe, der L and esv er o r d n un g e n und deröffentlichen Staatsverhandlungen. Ich hätte dieses Fach obcnanstcllcn sollen. Denn was kön-nen Sittenlehrc und Gotteslchre bei einem Volke wirken, was noch keine, ihm verständliche bürgerliche Ge-setze, keine, ihm begrciflicyc Gcrcchtigkeitspflege und bürgerliche Versassung hat? Man frage die Erfah-rung! _Diese, vor allen so höchstnöthigen und unentbehrlichen Theile der menschlichen Erkenntniß, sollten
also vor allen andern in die reinste und faßlichste Volkssprache eingekleidet werden; und •— welch hartnä-ckiges Auflehnen gegen den gesunden Menschenverstand! ■—gerade diese sind es, die man in den meisten Län-dern noch durch die kauderwelsche, schleppende und unverständliche Oberdeutsche Kanzleisprache, und durchEinmischung einer zahllosen Menge Römischer, zum Theil barbarischer Wörter und Redensarten, für den Un-gelchrtcn beinahe ganz unzugänglich gemacht hat, und bis auf den heutigen Tag — das Preußische neue Ge-setzbuch und einige wenige Fürstliche Kanzleien ausgenommen — unzugänglich zu erhalten, noch immer dieunseligste Sorge trägt! Werden unsere, jetzt im Ganzen sonst so guten und weisen Regierungen, denn nichtendlich auch in dieser, so höchstwichtigen Angelegenheit durch die That beweisen wollen, daß sie es für rühm-licher und seliger halten, über vernünftige und gebildete Menschen, als über Barbaren, zu herrschen? Bar-baren aber sind und bleiben wir, so lange wir keine für'uns verständliche Gesetze und rechtliche Verfassunghaben.
4. Diejenigen Theile der Vernunftwisscnschast, die allgemein- oder volksverständlich gemacht wer-den können und sollten, z. B. die Erfahrungsseele nlehre, die angewandte Denkkunst (Lo-gik), das Natur recht und die ganze Sittenw eishcit. Weniger dringend, aber deswegen gar nichtunnöthig an sich, wäre die Reinigung desjenigen Theils unserer Sprache, denwir zum Vortrage derLehrevom ll e bcrsi n n l i ch c n (der Metaphysik) gebrauchen.
5. Die Größenlehre, die Na turlehre, Naturbeschreibung*) und die Schridekunst; weil auchdiese Wissenschaften, wenigstens ihren, im gemeinen Leben anwendbaren und gemcinnützlichcn Theilen nach,nicht von Gelehrten allein, sondern auch von solchen erlernt zu werden verdienen, welche weder Grichisch,noch Latein zu verstehen brauchen.
6. Diejenigen Theile der A rzneiwisfenschaft, welche jedem Menschen nützlich werden.können, und da-
her jedem zu wünschen wären, z. B. die Le b c n s 0 r d nu n g, die Kenntniß des menschlichenKörpers") und die der nothwendigsten und einfachsten Arzneimittel. In Ansehung derletzten besonders wäre sehr zu wünschen, daß unser Vaterland bald seinen Linnä hervorbringen möchte,der aus der Machtfülle seines Schöpsergcistcs, uns für die Naturbeschreibung überhaupt, und für die Pflan-zcnlehre insonderheit ein schulrechtcs (klassisches)Deutsches Namcnvcrzeichniß gäbe, wie derSchwcdischeLi nnäuns ein Lateinisch-grichisches gab. Bis dahin sind die Aerzte sowol, als auch die Arzncibereiter (Apothe-ker), freilich noch gezwungen, sich zur Vermeidung schädlicher Mißverständnisse, an dieses ausländische, nuneinmahl angenommene, zu halten. Das Bedürfniß einer Deutschen Kunstsprache für die gesummten Theileder Arznciwissenschaft und der Wundarzncikunst wird in seiner ganzen großen Wichtigkeit noch einleuchten-der, wenn man in Erwägung zieht/ daß die allermeisten Arznciberciker und Wundärzte in dem Falle sindund vermuthlich immer seyn werden, nicht die Lateinische und Grichische Sprache, sondern höchstens nur diezu ihrem Fache gehörigen Brocken dieser Sprache, und auch diese nur so gelernt zu haben, wie man be-deutungslose Laute, bei welchen sich gar nichts denken läßt, dem Gedächtnisse einzuprägen pflegt. Welche
Schwierigkeiten und Hindernisse für die Fortschritte in ihrer Kunst, und wie viele Veranlassungen zu den
E Z schädlich-
•) Nach Kants richtiger Unterscheidung zwischen Geschichte und Deschreibung müssen wir die Naturhistorie künftig nicht mehrNaturgeschichte, sondern Naturbeschreibung nennen. Die Beschreibung nämlich legt die Dinge vor, wie sie sind;die Geschichte hingegen erzählt d i e A c rün d er u » g e n, die dam it vorgcg a n g en sind.
") Hr. Sdmmcring hat hiezn in seiner Zcrgliedcrliugslchre (Anatomie) einen schätzbaren Anfang gemacht, und die HerrenHermbstadt, Schcccr, Giclanner, Lconhardi und W c igcl haben mit der Kunstsprache der Scheidckunst das näm-liche versucht; eine Bemühung, welche nur Leute, die nicht wissen, was für wichtige Zwecke dadurch bcadslchtiget werden, lächer-lich zu finden und bei ihres Gleichen lächerlich machen zn wolirn, den Unverstand haben könnrn.