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Grundsätze, Regeln und Gränzen'
Z. Besonders diejenigen Wortungeheuer, bei welchen, gleich dem bekannten Horazischen Bilde, Kopf, Rumpfund Schwan; aus zwei oder gar aus drei verschiedenen Sprachen — der Grichifchen, Lateinischen undDeuk-schen—zusammengesetzt sind; z. B. Er d ep ut irt er, a n tiro ya li stisch, h y p c ro r th o d o.r, am-p h i t h e a t r a l i sch, a k a t h o l i sch, g r a M m a t i c a l i sch, p h y si c a l i sch , m u si c a l i sch u. f. w.
4. Diejenigen, die wir entweder bloß durch veränderte Aussprache, oder durch Anhängung einer Deutschklingen-den Endung verdeutscht zu haben wähnten; welchen man aber das Undeutsche oder Ausländische gleichwohlnoch immer ansehen und anhören kann, weil sie der Deutschen Sprach - ähnlichkeit dadurch noch nicht völliggemäß geworden sind. Hieher gehören alle die undeutschcn Zeitwörter in ircn, so wie die Sachwörter inät, i 0 n u. s. w. wie z. B. Ambition, Condition, amüsiren, divertiren, Auctorität,Digni tät. und eine unzählbare Menge anderer.
5. Endlich gehören hieher auch die Lateinischen Endungen der von Eigennamen gebildeten Beiwörter und Sach-ivörtcr—cnscr, alter, icr, cn fisch und anisch, z. B. Athenienscr, Sociniancr, Vene-zianer, Egppticr, Assyrier, Athcniensisch , A th an asi a n i sch, fnrAthener, Sociner,V e n c d i g c r, Egypter,-Assyrer, Athenisch, und A t h a n a si sch. „Wozu, fragt Hr. G c d i k c *)mit Recht; wozu die Beibehaltung dieser Lateinischen Endungen, da doch keine einzige Sprache einen solchenUebcrflnß an eigenen Endungen der Adjektiven (der Beiwörter) hat, als die unsrige? Warum sollten wirnicht lieber, wie.es selbst schon verschiedene Historiker (Geschichtschreiber), z. B. Gattcrer, angefangenhaben, die Athener, die Karthager u. s. w. eben so gut, als wir die Römer, und nicht die Romaner,sagen V' Ich frage dis mit ihm.
Alle diese und ähnliche verdienen vor allen andern deswegen verworfen und durch echtdeutsche Wörter ersetztzu werden, weil sie unsere Sprach-ähnlichkeit zu grob beleidigen, und, wenn wir sie beibehalten, und Zunge undOhr ferner daran gewöhnen wollten, einer gränzenlosen Sprachvcrmischung und Sprachverunrcinigung Thür und Thoreröffnen würden. Also fort mit ihnen; und zwar je früher, je besser!
In Ansehung der dllrch die Wörter auszudruckenden Sachen und Begriffe ist die erste allgemeine Regel, wo-durch die größere und dringendere Nothwendigkeit der Sprachrcinigung bestimmt wird, folgende:
daß alle diejenigen Begriffe und Kenntnisse, welche allen Menschen zu wünschen sind^ weil sie zu derfür alle möglichen und für alle nützlichen Ausbildung gehören, einer Umkleidung aus der fremd-artigen Sprachhülle, worin sie bisher unter uns Umlauf hatten, in die vaterländische, ganz vorzüglichund vor allen andern bedürfen.
Der Grund dieser Regel ist von selbst einleuchtend. Alle Begriffe und Kenntnisse , welche volksmäßig (popu-lär) werden sollen, müssen vorher erst in die Volkssprache übergehen. Nun werden aber, wie die Erfahrung lehrtund die Natur der Sache begreiflich macht, ausländische Wörter, auch wenn man ihnen eine Deutsche Endung ge-geben hat, viel schwerer und langsamer von der Volkssprache aufgenommen, als einheimische, d. i. solche, die unsereSprache nicht erborgt oder erbettelt, sondern aus sich selbst erzeugt hat. Wir müssen also alles, was in die Begriffs-masse des Volks gebracht zu werden würdig ist, von denjenigen ausländischen Wörtern, die für unser Volk noch aus-ländisch sind, gänzlich zu reinigen suchen.
Die unter dieser allgemeinen Regel begriffenen Kenntnisse, welche vor allen andern ganz Deutsch eingekleidetzu werden verdienen, weil sie für alle Deutsche gehören, lassen sich in folgende acht Fächer ordnen:
1. Die gesummte Sitten - oder Tugendlehre.
2. Die eigentliche Gotteslchrc (Religion), abgesondert von dem, was nicht mehr zu ihr, sondern zurG 0 ttesgcl ehrth eit gehört. Die Sprache, worin jene vorgetragen wird, sollte durchaus Volkssprache,also rein von allem Fremd-artigen seyn. Es sollten daher nicht nur die Hebräischen und Grichifchen Wör-ter, wie Zebaoth, Jehova, Hallcluja, Kyrie eleison u.s.w.; sondern auch die Deutsch-he-bräischen
*) Ueber Purismus (Sprachrcinigung) und Sprachbereicherung. Deutsch. Museum. Nor. 1779 »
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