der Verdeutschung. Zz
der Reinigung unserer höher» Bücher- Und Umgangssprache die Rede ist. Sollte die gelehrte und gebildete Klaffeeines Volks den für sie und ihren höhern Gedankcnwechfcl gehörigen Theil der Sprache- nicht wenigstens eben soanbauen- bereichern und ausbilden können- als der gemeine Mann den ihm überlassenen Theil derselben lanzubaueitgewußt hat?
Ein Volk fange nur erst an zu denken, und zwar in seiner eigenen Sprache zu denken, wie wir istDeutschland seit ungefähr vierzig Jahren zu thun endlich angefangen haben; es bekomme nur erst einen Reichthumvon Begriffen - und es verfalle nur nicht, wie einst der undeutsche Deutsche- auf die seltsame Thorheit, zu glauben,daß seine Gelehrten, Um gelehrt zu sein , in einer alten ansgestorbcncn, seine Welkleute- um Leute von Erziehungzu sein, in einer zwar noch lebenden, aber ausländischen Sprache denken, reden und schreiben inüssen; und es wirdbald und ganz unfehlbar in seiner eigenen, auch noch sö armen und steifen Sprache — und wäre sie die der Hot-tentotten öder dcrEspuimaup — alles, alles finden, was es für den Ausdruck seiner Gedanken nöthig hat*)-Ein großes Beispiel hievon hat uns Wolf gegeben. Wer hätte vor ihm geglaubt, daß man iii Deutscher Spra-che die Vernunftwisscnschaft (Philosophie) bearbeiten Und anbauen könnte? UNd wer wollte nun nach ihm sich nichtschämen, den nämlichen Zweifel in Ansehung irgend eines andern Fachs der menschlichen Kenntniffe, oder nur in An-sehung irgend eines einzelnen Begriffs- den der Deutsche entweder schon hat- oder noch erwerben kann- zu äußern?
Sollte hingegen titit dem Worte ünthunlich in unserer Früge- nicht auf eine innere und unbedingte, son-dern nur auf eine äußere und bedingte Unmöglichkeit gezielt werden: so ist die Frage- in diesem Sinne gcnoM-tnen- gleichfalls schon oben beantwortet worden.
Z. Welche Theile unsers Deutschen Sprachschatzes bedürfen vhrzüglich die Absonderung des Fremd-artigen?
Diese Frage muß aus einem doppelten Gesichtspunkte angesehn und beantwortet werden; nämlich i. in An-sehung der auszudruckenden Sachen und Begriffe; und 2: in Ansehung dörWörter- wodurch sie bisher aus-gedruckt wurden. Wir wollen die letzte Seite zuerst betrachten.
Also: welche ausländischen Wörter verdienen ganz vorzüglich äüsgeniärzi und durch Deutsche ersetzt zu werden?
Nach deN im ersten und zweiten Abschnitte bereits angestellten- hiehergehörigen Erörterungen, dürfen wir unsbloß darauf einschränken- folgende sich daraus ergebende Schlußsätze (Resultate) auszuzeichnen:
r Ganz vorzüglich verdienen diejenigen ausländischen Wörter ausgemärzt zN werden- die undeutsche Laute, d. r.solche, enthalten - die sich in der Deutschen Sprache, so weit sie echt und rein ist- gar nicht finden, und diewir zum Theil auch nicht einmahl - wie ihre Aussprache es erfoderte. Deutsch zu schreiben vermögen, weiluNs die dazu nöthigen Schriftzeichen fehlen- Hieher gehören z. B. alle diejenigen- wokin der Zischlaut desFranzösischen A gehört wird - der unserer Sprache durchaus freiNdist- wie in Genie- genirbn, Giran-d öle- Gelee, Generosität- Gi l et (Brustlatz)- Ferner solche Wörter- wie Taille, Bcitaillc,Nuance, Bouillon- Bataillon - Fahnde, Eventail, Amüsement, Ingenieur, Jour-nal u. s. w.- in welchen wir weder das iinhörbarc Französische End-e, noch die Nasenlaute en, on Underit, noch den Mitlaut t- der weder unser ff, noch unser ß- noch unser s ist- noch das Französische in^kroch den Mitlaut j, der nicht unser Sch und Nicht unser Deutsches I ist- noch die Laute ail und al, wisder Franke sie hören läßt- mit Deutschen Buchstaben äuszüdruckcN vermögen.
ii Alle diejenigen, deren Einbürgerung wir glücklicher Weise dadurch erschwerten- däß wir sie in ihrer ganzestausländischen, von der Deutschen Spräch-ähnljchkeit abweichenden Form gebrauchten-, ohne ihnen erst durchirgend eine Abänderung den Deutschen Schnitt zü geben - wie z. B. Publicum- Catalögus- Corpusöder Corps- die Jura- Lie-Onörapüblica u. s- w-
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*) Düse Behauptung erhält den höchsten Grab der Wahrheit und der Anschaulichkeit durch die Bemerkung - daß die Zahl der eigent-lichen Stamm - und Wurzclwörtec, in allen' Sprachen, selbst in den reichsten und gebildetsten, auf eine sehr kleine Anzahl einge-schränkt ist ; woräus denn erhellet, daß selbst du reichsten und gebildetsten Sprachen uranfänglich aus eben dem ärmlichen unö kilm-nierlichen Zustande hervorgegangen sind / worin sich jetzt noch die,hec tohrsten Völkerschaften hestndeu-