ver Verdeutschung,
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merr ist, dergleichen Deutsche Ausdrücke in seine Landessprache auszunehmen *). Und doch wird man, glaube ich,auch bei' der größten Vorliebe für unser gutes Vaterland, wol nicht behaupten wollen, daß, Volk gegen Volk gehal-ten, die Engländer und Franzosen in Ansehung der Gesamt-ausbildung, oder der Ausbildung im Ganzen, gegenuns zurückgeblieben sind. Umgekehrt aber möchte ich wol behaupten, daß die untersten Volksklassen in England undFrankreich, besonders der niedrigere Mittelstand, den nämlichen Klassen in Deutschland vornehmlich auch deswegen sobeträchtlich vorgesprungen sind, weil die Büchersprache dieser Völker, zwar auch noch manches, aber vergleichet,igs-weise doch viel weniger, als die unsnge enthalt, was nicht für jeden, auch den ungelehrten, Franzosen oder Brit-1m' verständlich ist. Denn da die Sprachen dieser Völker, wenigstens einem nicht unbeträchtlichen Theil ihrer Wör-ter nach, aus der Lateinischen Sprache entstanden sind: so macht dieser Umstand, wie wir schon oben bemerkt ha-ben, daß die Franzosen und Engländer, die aus dem Latein und durch die Lateinische Sprache aus der Grichischenentlehnten Wörter, so wie jedes dieser Volker die ihm gefallenden Sprach -eigenheiten des andern, leicht in ihreSprache übertragen und durch kleine Veränderungen der Gleichförmigkeit derselben anpassen konnten, welches in derDeutschen Sprache, als einer urspünglichen, in den meisten Fällen unthunlich ist. Und, setze ich noch hinzu, ebendieser Umstand macht es denn auch sehr begreiflich, daß dergleichen aus dem Lateinischen und Grichischen aufgenom-mene Wörter in der Französischen, Englischen und jeder andern aus dem Latein entstandenen, oder doch damit mehrverwandten Sprache, gemeinverständlich und volksmäßig werden konnten, welches in der unsrigen, al§ einer Ur-sprache, nur in seltenen Fällen, und nur unter besondern Umständen, mit einigen wenigen möglich war, mit denallermeisten aber nie geschehen kann.
Drittens bitte ich zu bedenken, daß jedes Volk seine ihm eigenthümliche, in keine andere Sprache völligübersetzbare Ausdrücke nothwendig haben muß, weil jedes seine ihm eigenthümliche Vorstcllungs - und Empfindungsar-ten hat; und daß ein Volk, welches alle, auch die feinsten Eigenthümlichkeiten anderer Völker annehmen und seinerSprache einverleiben wollte, aufhören würde, ein selbstständigcs Volk zu sein, ansangen würde, sich zum Affen allerandern Völker zu erniedrigen. „Aber wird man sagen, der Schritt ist nun einmahl geschehen; wir haben uns nuneinmahl schon die meisten eigenthümlichen Vorstellungsarten der Franken und Brittcn, und mit denselben zugleich dieWörter zugeeignet, wodurch jene Vorstcllungsarten nur allein vollständig ausgedruckt werden können. Sollen wirnun auf diese Wörter künftig Verzicht thun, so müssen wir, da wir in unserer Sprache nichts ihnen vollkommengleiches haben, auch auf die unübcrtragbaren Farben der Begriffe, auf die ihnen anklebenden unübersetzbaren Ne-benbegriffe, gleichfalls Verzicht thun; und dadurch würden doch offenbar sowol die Zahl und die Mannigfaltigkeit un-serer Vorstellungen überhaupt vermindert werden, als auch die feineren Mischungen und Abstufungen verloren gehn." ■»Ich frage: wer sind die Wir's , welche sich jene ausländischen Begriffe und Nebenbegriffe zugeeignet haben, und dienun jetzt, mit der ausländischen Hülle derselben, auch diese bereits erworbenen Begriffe und Nebenbegriffe zurückge-ben sollen? Ist es die Deutsche Völkerschaft (Nation), welche in Besitz davon war, und diesen Besitz nunmehr ein-büßen soll? Aber wenigstens neunzig Hundertel dieser Völkerschaft — alle nämlich, die keine ausländische Sprachenlernten—haben nichts davon abbekommen, weil für diese alles, was in ausländischen Worthüllen umhergeht, sogut als gar nicht da ist, und die übrigen zehn Hundertel—diejenigen Klassen, meine ich, die mehr als EineSpra-chc lernen — verlieren ja dadurch, daß sie die ausländischen Wörter nicht mehr wieDeutschc gebrauchen, nicht mehrunter Deutsche Wörter mengen dürfen, die diesen Wörtern anklebenden Begriffe und Vegriffsmischungen nicht! Eswird ihnen ja nicht zugemuthet, ihre ausländische Sprachkenntniß zurückzugeben; und solange sie diese behalten,bleibt ihnen ja auch der ganze Inhalt derjenigen ausländischen Wörter, die für unübersetzbar gehalten werden unddie wir in unserer Sprache künftig nicht mehr dulden wollen. Alles, was ihnen zugemuthet wird, ist: diese Wör-ter künftig nicht mehr als Deutsche für Deutsche zu gebrauchen, die, als solche, keinen Beruf und keine Verpflich-tung haben, Französisch und Englisch zu vcrstehn. Und was verlieren nun die besagten neunzig Hundertel unter uns,wenn sie künftig nicht mehr galant, Engagement, Indignation, Spleen, Polisson u. s. w., die sie,wohlgemcrkt! entweder gar nicht, oder doch nur halb verstanden; sondern statt ihrer, fein und artig, Verbin-dung, Unwille, Milzsucht, üble Laune oder Schrullen, Wildfang, Zotenreißer, oder Gas-senbube u. s. w., die ihnen vollkommen verständlich sind, zu hören bekommen? Und was verlieren die übrigen zehn
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*) Sie können j. D. den ganzen Inhalt und Nachdruck unsers Biedermanns in ihren Sprachen eben so wenig wiedergeben, als wieden von ihrem galant - homme und genteiman in der »nscige» vollkommen anzugeben vermögen. Aber haben sie deswegen für nöthigerachtet, das Deutsche Wort Biedermann in ihre Sprachen aufzunehmen? Und warum sollten denn wir füc nöthig erachten,ihrem galant - homme oder ihrem genteiman das Bürgerrechts bei uns zu verleihen? Wollen wir denn nie seldßßändig zu werden su-chen? Immer und ewig die Ansiauuer, Nachbeter und Affen anderer Böller bleiben?
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