Druckschrift 
1 (1808) A - E
Entstehung
Seite
32
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A2 Grundsätze/ Regeln und Gränzen

lerlci Dinge zu sagen, die ungefähr wie Freundschafts-Mitleids-Freudens- oder Beifalls-bezeugungen klingen, ohne dergleichen wirklich andeuten zu wollen; und dreimahl wol uns,wenn diese leidige Kunst, mit dem eigenthümlichen Ausdrucke derselben uns immer fremd bliebe; Was könnte unsvernünftiger Weise bewegen, unsere Sprache zu verunstalten, um eine so wenig preiswürdige Gcmüthseigenhcit mitunsern Nachbaren gemein zu haben?

Aber wenn nun der Fall eintritt, daß diese Französische Eigenheit nothwendig ausgedruckt werden muß, wiez. B. wenn auf der Bühne, in einer Geschichtsdichtung u. s. w. ein wirklicher Franzose von ehemahligem Schla-ge, oder ein franzvsclnder (französirender) Geck, der sich schämt, ein Deutscher zu sein, und dessen unser Vater-land und unsere vaterländische Sprache sich daher gleichfalls schämen, dargestellt werden soll; wie da? Ich ant-worten dann ist es recht und wohlgethan, einen solchen entweder ganz Französische oder Französisch - deutsche Re-densarten dieser Art in den Mund zu legen, und ihn je vous fais mon compliment oder ich mache ihnen meinComp liment sagen zu lassen. Jeder sieht alsdann von selbst, daß das weder Deutsche Denk-arl, noch DeutscherAusdruck sei, und die Sache hat weiter keine Folgen für uns. Reden wir aber selbst als Deutsche Deutsch, oderwollen wir andere Deutsche Deutsch reden lassen; so laßt uns sagen: ich bezeuge ihnen meine Theilnahme,oder was wir sonst zu bezeugen haben.

Es ist ferner vollkommen richtig bemerkt, daß wir bisjctzt noch kein Wort in unserer Sprache haben, welchesalle die Begriffe umfaßte, die in den Französischen ckiscrer und discretion liegen. Allein was folgt daraus? Daßdiese Französischen Wörter bei uns eingebürgert werden müssen? Ich denke, nein! Es folgt nur: 1. daß wir da,wo es durchaus nöthig ist (welches aber höchstsclten , wahrscheinlich niemahls, der Fall sein dürfte), alle diese Be-griffe a u f e i n m a h l und mit Einem Worte anzugeben, uns vor der Hand und bis auf weiter, noch er-lauben dürfen, das Französische Wort, als ein Nothwort, zu gebrauchen, doch mit dem Vorbehalt, es wieder aus-zustoßen, sobald ein cchldeutschcs Wort dafür gefunden sei» wird. Ich für meinen Theil möchte indeß ein solchesWort weder suchen, noch bilden; weil, meinem Bedünken nach, vielsinnige Wörter dieser Art einer Sprache gera-de nicht zum Vorzüge gereichen, vielmehr eben so viele Beweise ihrer Dürftigkeit sind; 2. daß wir hingegen dki,wo es nur auf Einen von den in das Französische Wort zusammengepackten Begriffen ankommt, uns begnügen dürfenund müssen, diesen Einen Begriff Deutsch, durch Bescheidenheit, oder Vorsichtigkeit, Verschwiegen-heit, Klugheit, Edelmuth, je nachdem der Fall das eine oder das andere erfodert, anzugeben, ohne durcheinen unzcitigen Gebrauch des Französischen Worts die übrigen alle überstüssiger Weise mit anzudeuten.

Ich wage es, noch einen Schritt weiter zu gehen, und wünsche, wofern ich irren sollte, von denkenden Sprach-forschern zurecht gewiesen zu werden.> Gesetzt nun auch, es ereignete sich je zuweilen wirklich der Fall, .daß einausländisches Wort nicht anders als mit einigem Verluste gegen ein Deutsches ausgewechselt werden könnte: so un-terstehe ich mich zu behaupten, daß auch in diesem Fall der Wechsel dennoch zu unserm wahrenVortheile ausschlagen würde. Hier sind meine Gründe!

Erstens scheint es mir für ein Volk, das auf Gemeingeist und Vaterlandsliebe Anspruch macht, besser zusein, einige Begriffe und Ncbenbegriffc weniger zu haben, und diejenigen, die es hat, so ausdrucken zu können,daß sie von allen, zu dem nämlichen Volke gehörigen Einzelwesen (Individuen) verstanden werden können, als einegrößere Zahl derselben, aber in ausländische Worthüllen gekleidet, zu besitzen, die eben deswegen niemahls volks-mäßig werden oder in allgemeinen Umlauf kommen können, sondern immerfort nur das Eigenthum einer kleinen Zahlvon Personen bleiben müssen, die, außer ihrer Muttersprache, noch andere Sprachen gelernt haben. Wer in Sach-sen ein Hamburgisches Markstück gegen ein Achtgutegroschcnstück umsetzt, der büßt an innerem Gehalte freilich etwasein; abcr'er gewinnt an Brauchbarkeit des Eingewechselten, weil er mit der schlcchtern einheimischen Münze, diejeder kennt, etwas einkaufen kann, indeß die bessere, aber unbekannte, ausländische ihm überall, wo er sie aus-geben will, zurückgeworfen wird. Ein anderes ist es, wenn er mit Wechslern und Großhändlern zu thun hat, dieGeschäfte ins Ausland machen; da kann er sein Markstück, für voll anbringen, und braucht es nicht erst mit Einbußeumzusetzen. So auch der Gelehrte und Sprachkundige sein ausländisches Wort, wenn er bloß mit Gelehrten undSprachkundigen Begriffe wechselt, die niemahls volksmäßig werden sollen.

Zweitens wolle man erwägen: daß es allen andern Völkern, z. B. den Engländern und Franzosen, inAnsehung mancher Deutschen Ausdrücke, und der diesen anklebenden Nebenbegriffcn und feineren Farbenstufcn, nichtbesser, als uns mit manchen der ihrigen geht; und daß gleichwol keins dieser Völker bisher auf den Einfall gekom-men