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der Verdeutschung. 31
Allein dieses Recht dauert nicht langer, als unser vaterländischer Mangel dauern wird. Kann also jemandeine Verdeutschung jener Wörter finden, die den Gegriffen, die sie ausdrucken sollen, völlig angemessen ist: so trittvon dem Augenblicke an das, hier nur bei Seite gesetzte, nicht aufgehobene Gesetz der Sprachreinigkeit wieder inseine volle Kraft, und wir sind von der Stunde an gehalten, jene ausländischen Wörter fahren zu lassen. Was ichselbst dafür in Vorschlag zu bringen wußte, wird man in nachstehendem Wörterbuche finden.
Um es meinen Lesern noch einleuchtender zu machen, daß die letztverhandelten beiden Regeln nur Vergün-stigungen für seltene Nothfälle, nicht Entschuldigungen oder gar Rechtfertigungen für muthwillige Sprach.Verunreinigungen, besonders in Volksschriften, darbieten, will ich noch einige Anmerkungen beifügen, die ich neu-lich zu einem hichcrgehörigen Urtheile eines scharfsinnigen Schriftstellers zu machen Gelegenheit halte. Dieses Urtheilfindet sich in einem der neusten Werke desFrciherrn v. Kn ig g e üb er S ch ri ft st e l l e r und S ch ri ft st ei-le r ei, Hannover 1792; und lautet also:
„Mit dem fremden Ausdrucke gehen oft auch ganz fremde Vorstellungsarten, die Bezug auf die eigenthümli-chen Sitten einer andern Nation (Völkerschaft) haben, mit zu uns über. Der Franzose — wenigstens der ehemah-lige— hatte den Ausdruck aller wärmeren Empfindungen gewissen conventionellen Formeln (Uebereinkunftsformeln)unterworfen. Weniger herzlich, wie (als) der Deutsche, hatte bei ihm jede Bezeugung theilnehmender Gefühle denAnstrich der Höflichkeit und der feinen Lebensart. Sehr karakteristifch (unterscheidend) ist z. B. der Französische Aus-druck: je vous fais mon compliment. Er gebraucht ihn, um Beileid, um Freude über angenehme Vorfälle, umBeifall zu bezeugen, bin complimem heißt sodann überhaupt ein verbindliches, nicht so durchaus ernstlich gcmein-les Wort, endlich auch ein Gruß. Nun fodere ich jeden Deutschen auf, in unserer Sprache ein Wort zu finden,daß alle diese Bedeutungen umfasse. Mit den Französischen Sitten ist auch (leider!) die Kunst Complimcnte zu ma-chen, zu uns übergegangen, das heißt, die Kunst, aus Höflichkeit allerlei Dinge zu sagen, die ungefähr wieFreundschafts - Mitleids - FrcudcnS-oder Bcifallsbczcugungen klingen, indeß beide, der, welcher gibt, und der,welcher empfängt, schon wissen, wie das zu verstehen ist; allein aus unserer alten, echten, biedern Sprache läßtsich schwerlich ein Ausdruck hervorsuchcn, der einen deutlichen Begriff von dieser Kunst darstellte, so wenig wie sichvielleicht für manche andere ausländische Lugenden, Gefühle, Stimmungen und Eigenthümlichkeiten, alter und neue-rer Zeit , Deutsche Ausdrücke finden lassen. — Ich meine, es gehöre wesentlich zur Philosophie der Sprachen, sol-che Ausdrücke aufzusuchen, die ganz das eigenthümliche Gepräge des Nationalkarakters (der Volkseigcnheiten) tra-gen; und man werde reicher, nicht nur an neuen Wörtern, sondern auch an neuen Ideen (Begriffen), wenn mandergleichen fremde Ausdrücke in seine Muttersprache überträgt. Je größer die Schwierigkeiten, sie zu übersetzen, sind,desto gewisser ist es, daß der damit verknüpfte Begriff uns wenigstens in Einem Betrachte fremd ist. Noch ein Bei-spiel nehme man an den Französischen Wörtern d is cret und Dis cr eti o n. Diese umfassen zugleich die Begriffevon Bescheidenheit, Vorsichtigkeit, Verschwiegenheit, Großmuth,'Edelmuth, (z. B. sich aufDiscretion ergeben; um eine Discretion wetten), und manche andere Neben-idee; dennoch aber keinen einzigen die-ser Begriffe besonders: denn der Franzose hat ja für jeden derselben auch einzelne Wörter. Wer also discrethandelt, der wird durch eine Mischung aller jener Tugenden geleitet, woraus eine neue conventionelle (übereinkünft-liche), den Franzosen karakterisirende (auszeichnende) Eigenschaft, entsteht, welcher man schwerlich einen einzelnenDeutschen Namen geben kann".
Indem ich die Richtigkeit dieser Bemerkungen an sich willig anerkenne, sei es mir erlaubt, über die davongemachte Anwendung Folgendes zu erinnern.
„Es findet sich kein Wort in unserer Sprache, welches dem je vous fais mon compliment — i ch mache ih-nen mein Compliment — in der oben entwickelten Französischen Bedeutung, antwortet". Zugegeben; alleinbraucht es sich auch darin zu finden? Oder mit andern Worten: ist es zu wünschen,, daß die Begriffe und die Ge-sinnungen, welche der Franzose damit verbindet, sich auch in unserer Deutschen Denk-art finden mögen? Ich meine,nein! und beziehe mich hier auf das, was ich oben S. 26 u. folg. über Fälle dieser Art erörtert habe. Je wahreres ist, daß mit den fremden Ausdrücken oft auch ganz fremde Vorstcllungsarten und, setze ich hinzu, sittliche Volks-cigenheiten, mit zu uns übergehen; desto wichtiger wird bei einem fremden Worte, welches wir in unsere Spracheaufnehmen wollen, die Frage: ob die ihm anklebende geistige und sittliche Eigenheit, unsern Deutschen Volkseigen-thümlichkciten eingeimpft, wirklichen Gewinn oder vielmehr Verlust geben würde? Letztes scheint mir nun offenbar derFall bei der Aufnahme der Französischen Redensart) einem sein Compliment machen, zu sein. Wohluns, wenn in unserer alten, echten , biedern Sprache sich kein Ausdruck für die Kunst findet, aus Höflichkeit al-lerlei