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der Verdeutschung
„Aber kann man sich denn nicht mit Umschreibungen helfen?" Allerdings kann man. Nur zwcifte ich, ob einSchriftsteller, der Bestimmtheit liebt, der ganz, nicht halb verstanden sein will, und der endlich ein Feind vonWortgeschlepp ist, sich dieses Mittels bedienen werde. (Aber finden diese Ungchörigkcitkn bei jeder Umschreibung Statt?Müssen sie nothwendig dabei Statt finden?) Zu einer Umschreibung, die eine Idee (einen Begriff) eben so deutlich ma-chen soll, als ein einziges Wort, gehört mehr, als ein gewöhnlicher Kvpf; (Ein einziges Wort macht einen Begriff nurdemjenigen deutlich, der diesen Begriff, auch ohne jenes Wort, bestimmt zu denken im Stande ist. Dieser aber kann das, was er aufLiese Weise bestimmt gedacht hat, auch ohne Hülfe jenes Worts, durch andere Wörter ausdrucken.) ein Kopf, der nicht nur die we-sentlichen Eigenschaften des zu umschreibenden Dinges genau kennt, sondern, was schwerer ist, auch weiß, was dieKlasse von Menschen, für die er spricht oder schreibt, für wesentlich bei einer Sache hält. Man merke nur ein-mahl im gemeinen Leben auf die Umschreibungen mittelmäßiger-Köpfe von Dingen, deren eigentlichen Namen ent-weder sie selbst, oder die, mit denen sie sprechen, nicht wissen. Wie zermartern sie sich I u. s. w. (Aber wird eine Sa-che dadurch, daß sie von mittclmiißigen oder schlechten Köpfen schlecht gemacht wird, an sich unthunlich oder »nstaethaft? So müßtenichts in der Welt thunlich oder statthaft sein) Ja selbst die beste Umschreibung- muß einem einzigen Worte weichen. (Nichtimmer! Wenn der Begriff, den das einzige Wort ausdruckt, sehr zusammengesetzt ist, also dem Verstände mehr darbietet, als er aufeinmahl zn umfassen fähig ist: so ist es zur Beförderung der Deutlichkeit sehr ralhsam, nicht das einzige Wort, sondern so viele beson-dere Wörter zu gebrauchen, als der zusammengesetzte Begriff Bestandtheile hat.) Immer zerhaut sie doch den Begriff in mehrekleine Stücke, deren Wsederzusammenfügung dem Verstände jedes Menschen mehr oder weniger Mühe macht. (Aberwenn man diese Mühe angewandt hat, so besitzt man dann auch wirklich einen deutlichen Begriff, da man sich vorher nur mit einemverworrenen begnügte.) Tragt dem Troglodptcn (Höhlenbewohner), der nicht weiß, was ein Haus ist, jeden einzel-neu Stein und Balken nach der Reihe hin — was thut die Umschreibung anders? — (Sie thut allerdings etwas anders,wofern sie nur rechter Art ist, wie ich gleich zeigen werde.) Weiß er's darum? Aber laßt ihn ein ganzes Haus nur mit ei-nem einzigen Blicke überschauen, und er vergißts in seinem Leben nicht. (Dieses Glcichviß müßte, um passend zu sein, solauten: laßt den Troglodntcn, der nicht weiß, was ein Haus ist, ei» Haus von außen mit einem einzigen Blicke überschauen; weiß erSnun? Mit nichte»! Aber führt ihn hinein; laßt ihn jede Abtheilung, jedes Zimmer besonders sehn; erklärt ihm dabei, wie und wozubis alles gemacht sei; und er vergißts in seinem Leben nicht. Daß die Brrgleichung so, und nicht auf Hrn. Gedikcns Weise, abgefaßtwerden müßte, behaupte ich deswegen, weil die Umschreibung die Begriffe nicht in ihre Urstoffe auflöst — also nicht Steine und Balkcuvorträgt — sondern nur die Haupttheile eines Begriffs auseinandersetzt — also die besondern Abtheilungen und Zimmer des Hauses zeigt.Man sieht aber, daß die Vcrglcichunz auf diese Weise für, nicht wider die wohlvcrfaßte Umschreibung spricht.) Die Deutlichkeit,die uns eine Umschreibung gewährt, gleicht dem Licht einer von vielen Sternen erleuchteten Nacht; die Deutlichkeitdurch ein einziges Wort dem Lichte der Einen Sonne am Tage. Nur der Blinde fragt mich: wann siehst du Hel-ler?" Schön; aber nicht richtig. Ein einziges Wort kann unmöglich der Sonne gleichen; kann unmöglich einendeutlichen Begriff, als nur bei dem erwecken, der diesen Begriff schon vorher hatte. Dis zweite Gleichniß müßteso lauten : „Die Deutlichkeit, die uns ein einziges Wort gewährt, gleicht der Milchstraße, mit bloßen Augen ge-sehn; die Deutlichkeit durch umschreibende Auseinandersetzung hingegen der Milchstraße, so wie der Sternbevbachkersie durchs Fernrohr kennen kernt. Die schöne Erscheinung geht nun zwar im letzkern Falle verloren; aber der da-durch bewirkte Gewinn an Erkenntniß und Einsicht gibt für jenen unbedeutenden Verlust einen reichen und herrli-chen Ersatz."
So viel zur nähern Bestimmung des ersten Nothfalls, durch welchen der Gebrauch .eines fremden Worts zu-weilen noch veranlaßt und entschuldiget werden kann.
Eine zweite, mit der bisher verhandelten nahe verwandte, wo nicht ganz mit ihr zusammenfallende Vollkom-menheit der Sprache ist: -
„daß sie nicht bloß für die Begriffe und Empfindungen überhaupt und für die wesentlichen Bestandtheile, sowie für die nähern Bestimmungen derfelben, sondern auch für das, was man die Farben der Gedankenund des Ausdrucks nennen kann, für die feinern Licht- und Schattenmifchungen, die zartern Abstufungenund die höhern oder niedrigern Grade der Lebhaftigkeit, wo diese nicht etwa zufällig und gleichgültig sind,sondern wesentlich dazu gehören, ihre genau passenden Zeichen habe,"
Jede besondere Sprache hat freilich auch in diesem Betracht ihr Eigenthümliches, und muß es haben; weiljedes Volk seine ihm eigenthümliche Art zu empfinden, zu denken und zu handeln hat, und haben soll. Dis scheintzum Glücke der ganzen, über den Erdball verbreiteten Menschenfamilie, zur immer weiter fortschreitenden geistigenund sittlichen Ausbildung derselben im Ganzen, mit zu gehören. Es wird daher auch nicht gemeint, daß alle Spra»
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