der Verdeutschung,
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Ich werde mich auf diese Anmerkung in der Folge mehrmahls wieder beziehen müssen. Ich will also den Un-terschied zwischen S pra ch r e i n ig u ng und Sprachbereicherung, und die Bemerkung, daß beide nichtdurch einerlei Gränzen bcschrankt werdcn dürfen, hier ein für allemahl festgesetzt haben, und bittemeine Leser Bemerkung davon zu nehmen.
Eine dritte, aber freilich zweideutige Vollkommenheit der Sprache, die hieher gehört, ungeachtet sie in ande-rer Rücksicht eine wegzuwünschende Eigenschaft sein mag, ist: ihre Fähigkeit, sich den mannigfaltigen Verhältnissenanzuschmiegen, die unter den Menschen des Landes, worin sie geredet wird, einmahl Statt finden. Diese Verhält-nisse abzuschaffen oder anders zu machen, als sie einmahl sind, steht nicht bei uns. Nur diejenige Macht im Staa-te, die das Recht hatte, sie anzuordnen, kann allein auch nur befugt sein, sie wieder abzuschaffen oder abzuändern.Nur sie also auch, und nicht der einzelne Bürger, kann die Wörter abschaffen oder umändern, welchen diese Vcr-zältnisse sich einmahl eingedruckt haben, die ihnen zum Zeichen dienen, und wodurch man, indem man sie gebraucht,hu erkennen gibt, daß man diese Verhältnisse anerkenne und bereit sei, sie zu ehren. Daraus folgt die Regel:
daß die Sprachreinigung , in sofern sie das Werk einzelner Bürger, und nicht der gesetzgebenden Gewaltim Staate ist, bei allen, einmahl eingeführten Ehrcnwörtern und Amtsbenennungen, gleichfalls stillstehen muß.
Wünschen, allenfalls auch vorschlagen und bitten können und dürfen wir allerdings, daß es der gesetzgeben-den Macht im Staate gefallen möge, uns wenigstens von denjenigen Wörtern dieser Art zu befreien, die so leichtLind ohne allen begreiflichen Nachtheil mit Deutschen verwechselt werden könnten; — wie z. B. Leibmedi cus,Senator, Canonicus, Syndicus u. s. w. wofür man ja ganz bequem Leib-arzt, Rakhsherr,-Stifts-herr und Rechtsverwaltcr, Rcchtsbetrauter oder Rechtsberather sagen könnte; — ferner vondenjenigen, die der ungclehrte, des Lateins unkundige Deutsche nicht anders als seltsam klingend flnden, weder ge-hörig aussprechcn, noch ihnen irgend einen Bezug auf daS Amt, die Geschäfte und die Würde der damit bezeichne-ten Männer anmerken kann — z. B. Referendarius, Baccalaureus, Hypodidascalus, Ausculta-tor*) u. s. w.: allein eigenmächtige Veränderungen damit vorzunehmen, steht nicht bei uns. Hier helfen keineGründe. Weder das handgreifliche Vernünftige solcher Veränderungen überhaupt, noch das Berufen auf Sprach-ähnlichkeit insonderheit, können uns hier ein Recht oder eine Macht verleihen, die nur denen zukommen, in derenHände die Gesellschaft die Anordnung der bürgerlichen Verhältnisse und die Austheilung der damit verbundenen Ehrenund Würden gelegt hat. Vergebens würde also jemand erinnern, daß das Wort Aebtissinn undcuksch gebildetsei, und A e b t i n n heißen müsse, so wie wir von König, Fürst, Rath, nicht Königissinn, Fürstissinnu. s. w., sondern Königinn, Fürstinn, Räthinn gebildet haben; vergebens würde ein anderer, der die aus-ländischen Ehrenwörter Excellenz, Eminenz, Magnificenz etwa mit den Deutschen S e. T r effl i ch kc i t,Se. Ueberwürden, Se. Prächligkcit**) vertauschen wollte, sich auf den Umstand berufen, daß wir schonähnliche Deutsche Titelwörtcr haben und z. B. Se. Herrlichkeit von Englischen Lords, Se. Hochwürdcn vonden ersten Geistlichen in der protestantischen Kirche, und Se. Hoch Weisheit oder Wohl Weisheit von Ham-burgischen Rathsherrn, je nachdem sie Gelehrte oder Ungelehrtc sind, zu sagen pflegen: weder die Excellenzen, Emi-nenzen und Magnificenzen, noch diejenigen, welche weder das eine noch das andere sind, würden damit zufriedensein. Man würde ihn wenigstens damit verlachen, und er würde nirgends Nachahmer finden. ***) Hier müs-sen
') Man weiß, wie viel Unbequemlichkeit dergleichen Lateinische Wörter, besonders da, wo sie gebogen werden müssen, Nicht bloß demUngelchrtcn. sondern auch dem gelehrten Sprachkenncr, und diesem fast noch mehr, als jenem, verursachen. Wie soll man die Wei-ber so betitelter Männer nennen? Sagen wir FrauBaccalaureusscn, so ersterben uns die letzten Silben des Worts zwischenden Lippen, weil wir uns scheuen, sie vernehmlich hören zu lassen; entschließen wir uns aber, nach der Gewohnheit einiger Gegenden,Frau Baccalaurea oder, wie es an andern Orten üblich ist, Frau B a c c a l a ucei (statt Frau des Baccalaure,) zu sagen:so will uns das Wort, als ein völlig undenksches, auch nicht über die Zustge. Kommen nun gar zwei oder mehr Baccataureävdcr Baccalaureorum zusammen: so wissen wir vollends nicht, was wir mit ibnen mache» sollen. Die Frau der Ausculta-tors muß der Lateinkundige in Versuchung gcrathcn, Frau AnscUltatriv zu nennen.
*") Oder mit L ii t hcrn, gegen Eroßthärigkeit, und das Beiwort magnificus gegen qro 8 th 8 ti g. S. S a l z m a n n s son-derbare Worte aus Hrn. Martini Lutheri Schriften zusammen getragen Naumbnrgk 1664.
***) Selbst die fruchtbringende Gesellschaft, ungeachtet ste Fürsten an ihrer Spitze und unter ihren Mitgliedern hatte, konnte Verdenk,schungen dieser Art, z. B. Erzsckreinhalter für ^rcüivnrirw (S. den neuen sprossenden Deutschen Palm bäumvondem Sprossenden, d. i. von Georg Ncumark) nicht durchsetzen, weil entweder dir zu dieser Gesellschaft gehörigenFliesten nicht folgerecht bandelten und die Bestallungen der Beamten, die ausländische Titel batkcn, nicht umändern ließen, oberweil ihre Nachfolger und andere Fürsten, die keine Mitglieder der Gesellschaft waren, ihrem Beispiele nicht folgen wollten.