Druckschrift 
1 (1808) A - E
Entstehung
Seite
21
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der Verdeutschung. a,i

Im Allgcmeiuett uttb dem weseutlichen Inhalte nach, ist diese nothwendige Gränze der Sprachreinigung schonim ersten und zweiten Abschnitte festgesetzt worden. Sie verdiente aber hier noch einmahl in Betracht zu kommen,theils um ihre Nothwendigkeit aus einem neuen Gesichtspunkte zu zeigen, theils um ihr diejenigen nahem Bestim-mungen beizufügen, wozu oben noch nicht der Ort war, und sie in diejenigen Unter-vorschriften aufzulösen, welcheihre Anwendung ausjoden vorkommenden Fall erleichtern und sicher machen können. Diese Unter-vorschriften sind:

r. Allgemein übliche, und zugleich der Deutschen Sprach-ahnlichkeit gemäße Wörter, die unsere Spra-che mit andern gemein hat, und von welchen entweder nicht mehr ausgemacht werden kann, ob sie, bis zu ih-rer Quelle hinaufgeführt, Deutschen oder fremden Ursprungs sind, oder von welchen es sogar wahrscheinlicher ist,daß andere Völker sie von uns, als daß wir sie von andern entlehnt haben, dürfen, wenn sonst kein Grund sieauszumarzen vorhanden ist, nicht mehr ausgetilgt werden. Solcher Wörter besitzt unsere Sprache eine gar großeMenge. Sie ihr nehmen zu wollen, würde, da sie wenigstens eben so gültige, wo nicht gültigere Ansprüche, alsjede andere Sprache darauf hat, eben so ungerecht, als unthunlich und thöricht sein. Zu Beispielen mögen folgendedienen: Nase (nasus), Ohr(auris), Aug e (c>cu1us)Es§ äw<xu)Li pp en (ladia), Wind (veukns), Kohl (caulis)Rad (rot»), Sack (saccus, oranHog f)V u.s.w.), Fenster (kenestra), Deck c undD a ch (tectum , rsyog sinn)/Mantel (msnrile, mantelium , mantilium) ; O st, Süd, West, Nord, Meer (mare), e ig c n, dessen Stamm-wort eben so gut das Gothische aigsn , das Angelsächsische ggan, das Fränkische eigan, das Isländische eiga, dasSchwedische aega, oder ein noch älteres Urwort, von dem alle jetztgcnanifte die Kinder oder Nachkommen sein mö-gen, als das Grichische ix&w sein kann; Barbar und barbarisch, welche zwar zunächst von dem Lateinischenbarbarus, so wie dieses von dem Grichischen ßa^ßx^og, entlehnt zu sein scheinen, wovon aber das Stammwortbaren, leidenschaftlich und wild schreien und kreischen, (S. Brem. Niederd. Wörterb.) wiederum Deutschist; Teufel, dessen gewöhnliche Herleikuug von diaßoAag einigen Sprachforschern (S. Kleine Beiträge zurnähern Kenntniß der Deutschen Sprache vonStosch) weniger Wahrscheinlichkeit zu haben scheint, alsdie von Lcibnitz gefundene, vermöge welcher es, und zwar nach seiner Niederdeutschen Form Düwel, aus demalten Wort-andcuter (Artikel) lbiu, der und dem Worte Uewel, Uebel zusammengesetzt, also gleichbedeutend mitder Böse wäre; eine Hcrleitung, die durch das Englische Devii, aus the unb evil, noch größeres- Gewicht be-kommt ; Pinsel (penicillum), vermuthlich von Pinne, ein spitziges Werkzeug; Spiegel (speculum), Achsel(axilla); das Niederdeutsche Knicks (<yvv%), so wie Knie (yoM oder xor-v, genu), vermuthlich von dem Stamm«worte knicken, biegen, einbrechen u.'s. w.

Eine Ausnahme von dieser Regel machen diejenigctt Wörter, von welchen das Stammwort zwar unser ist, diewir aber dennoch, wie ihre ausländische, unserer Sprachglcichförmigkeit nicht gemäße Form beweiset, nicht auf ihrenvaterländischen Stamm selbst gepfropft, sondern als fremdes Gut vom Auslande geborgt und aufgenommen haben,ohne ihnen erst den echtdeukschenKlang wieder zu geben. Hieher gehört z»,B. das Wort fr isi r cn. Das Stamm-wort Fr i c s oder Fr es ist Deutsch , und bedeutet R a nd, Streife, Borte. Daher Fries land, der äu-sserste Rand oder Landstrich zwischen der Nieder-elbe und der Südersee, längs der Nordsee hin; daher Frese (S.Richey) in der Nieder-elbgegend noch jetzt den rauhen und groben Rand bedeutet, der an das Tuch gewebt wird,damit es, ohne zu zerreißen, unter der Arbeit des Tuchschcerers desto stärker ausgespannt werden könne; daherFries und an der Nieder -elbe Frcse, in der allgemeinen Bedeutung eines rauhen Körpers, und in der zweifachenbesondern, r. in der Säulen-ordnung, des jenigcn Theils des Hauptgesmseö, der von Laubwerk und andern Zier-rathen kraus zu sein pflegt,*) und 2. eines tuch - artigen groben und rauhen Zeuges, welches durchgängig so gewebtist, wie die Ecks oder Frese am ordentlichen Tuche. Daher nun endlich lluch das Französische kriser, wollicht undkraus machen; und nun von diesem wieder das Deutsch-französische frisircn. Wollten wir von diesem Worteunser Eigenthum zurückfodern, und nicht zugleich dasjenige mitnehmen , was nicht unser ist: so müßten, wir, stattfrisircn, fr i ese n sagen. **) Die Zeit der falschen Sprachbereicherung in Deutschland, besonders durckf die großeMenge der Zwitter-zeitwörter in i ren, war diejenige, da man aus Mangel an Svrachquellcn (glossariis erzmrolo-giciS) und Landwörterbüchern (Iciioricis) unsern eigenen Reichthum am meisten verkannte.

C Z . Ein

*) Sonst auch bet Sotten, Grichisch , der Gürtel, genannt; ein Beweis, daß Fces oder Fries, für Streif oder Borte ge-nommen, ehemahls in mehren Gegenden Deutschlands üblich gewesen sein muß.

**) So wie der gemeine Mann in Niederdeiitschland, der seine spräche, wie von ausländischen Metern überhaupt, so auch von denundcutfchcn Zeitwörtern in i'rcn, grös-tciithcils rein crbaltcn hat, nicht rebelliern, sondern rebellen sagt; und von xrobsr»«icht prob irrn, sonbern proven oder pcv»cn, (proben) gemücht hat.