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1 (1808) A - E
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Grundsätze, Regeln und Gränzen

deninädchen bald. Und gänzlich verdrängen möchte), und von dem Verfasser der Sagen der Vorzeit durchZurücksührung des altdeutschen Worts Lotterbett, statt Sofa, zur Bezeichnung eines Werkzeuges der Ueppigkeit,geschehen ist.

4. Endlich gehören hieher alle bicjenigcn Wörter und Redensarten, wodurch Vorurtheile und Irrthümerdes Verstandes, besonders solche, die ins Leben und Handeln der Menschen einstießen können, fortgepflanzt undverbreitet werden; z. B. droir de conveuancs, Potte - dieu, Sacramentum , demm^os u. s. w.

Statt neue Wörter dieser vier Klassen zu prägen, müssen wir vielmehr diejenigen, welche unsere Spracheleider! schon hat, durch Nlchtgebrauch in Vergessenheit zu bringen und durch bessere zu verdrängen suchen, z. B.Gottesdienst durch G 0 t l es v er e h ru ng.> Ein Deutscher Gelehrter bildete neulich Gott es buch für Bi-bel, nach der Achnlichkeit von Gottes gelehrt heit und Gvttesgelehrter; in sofern nicht übel! Allein dadie abergläubischen .Begriffe von wörtlicher Eingebung durch einen solchen Namen verewigt werden könnten: so halteick diesen Ausdruck für verwerflich. Da indeß das Work Bibel, ungeachtet es längst eingebürgert ist, wirklich zudenen gehört, die, weil sie dem Volke ganz bedeutungslose Laute darbieten, zu schädlichen That-irrthümern (prak-tischen Irrthümern) Anlaß geben können: so wäre freilich wol zu wünschen, daß ein Deutsches Wort gefunden undneben jenem in Umlauf gebracht werden könnte, welches etwa dix Begriffe: Geschichte d er G 0 ttes lehr e, oderG c sch i ch t c u n d U r k u n d c d c s jüdischen und christlichen Glaubens, in sich vereinigte und durch echt-deutsche Laute bezeichnete. Ich habe ein solches Wort gesucht; aber bis jetzt noch nicht gefunden.

Eine zweite hiehergehörige Vollkommenheit der Sprache, auf die wir, so viel wir können, gleichfalls hinar-beiten müssen, ungeachtet sie, gleich der ersten, im strengen Sinne des Worts nie ganz erreicht werden kann, wäreeine solche fortdauernde Gemeinverständlichkeit derselben,, die den großen Vortheil gewährte, daß das in ihr ge-schriebene, nicht bloß für alle gleichzeitige Deutsche in allen Gegenden Deutschlands , sondern auch für ihre spätestenNachkommen verständlich wäre und immer bleiben möchte. Die Mund-arte» und die darunter begriffenen Land-- ündIVezirkssprachen (Provinzial-dialektc) werden und mögen zwar immer so weit von einander abweichen, daß die Be-wohner der einen Gegend die der andern oft nicht anders,, als mit Mühe, oft gar nicht verstehen können. Dis ist 'freilich auch eine Unbequemlichkeit , aber eine unvermeidliche, die) da sie nun einmahl nicht gehoben werden kann,mit Geduld ertragen werden muß. Allein die Schrift-und Büchersprache eines Volks, ich meine eines solchen Volks,welches auf den EhrenuaiNen eines gebildeten Ansprüche macht, sollte doch billig nach und nach zu einer solchen.feststehenden Einheit und U nw a n d e lbar k c i t erhoben, werden, daß die unvermeidlichen Veränderungen,welche die fortschreitende Ausbildung nothwendig mit sich führt, ihrer allgemeinen Verständlichkeit, sowol für diegleichzeitig lcberiden Menschen in allen Theilen des nämlichen Landes, als auch für die Nachkommen, welchen dieGedankcnschätze der Vorzeit überliefert werden sollen , so wenig Abbruch mehr, als möglich, thäten. Zu einer sol-chen Ständigkcit und Festigkeit ihrer Schriftsprache gelangten die Jtalicr schon im fünfzehnten und sechszchnten Jahr-hunderte, die Franzosen unter Ludwig XIV.; für uns hingegen ist die Möglichkeit dazu erst ungefähr in der Mittedes jetztlaufenden Jahrhunderts eingetreten. Diese Möglichkeit fängt nämlich erst dann an, wenn ein Volk schulrcch-te Musterschriftcn (klassische Werke) in seiner Sprache erhält; und wenn es dann, gleich den Engländern, Franzosen,Jtaliern und. Spaniern, den Werth solcher Schriften auch gehörig zu schätzen weiß, und nicht, gleich uns, von kin-discher Veränderungölicbc getrieben, seine edlen Schriftsteller, sobald es sie einmahl gelesen hat, mit Ueberdruß ausden Händen wirft, um nach dem ersten dem besten, wenn gleich losen und schalen Erzeugnisse der letzten Messe, zusteifen. Da indeß unser Deutsches Gemeinwesen (Publikum), wenigstens in Ansehung einiger feiner Lieblingsschrift-steller, wie die wiederholten Auflagen ihrer Werke bcweiftn, von dieser jugendlichen Flatterhaftigkeit zurückzukommenscheint, und daher jetzt mehr als jemahls Hoffnung da ist, daß unsere Büchersprachc die zu einer allgemeinen undfortdauernden Verständlichkeit erfoderliche Einheit und Festigkeit erlangen könne; so müssen nun auch die Schriftsteller,ich meine diejenigen, die auf die Sprache, wie auf den Geist ihres Zeitalters zu wirken vermögen, das Ihrige da-bei thun. Darauf gründet sich die Regel:

daß wir ohne Noth, d. i. ohne vernünftige Gründe, welche die Verwerfung eines Wortes rathsam ma-chen können, keine in unserer Sprache, besonders in unserer Volkssprache einmahl eingebürgerte, durchgän-gig verständliche, allgemein übliche und zugleich sprach - ähnliche Wörter, auch wenn sie ausländischen ttr«'sprllngs'sind, oder zu sein scheinen, aus bloßem Rkinigungskchel wieder auszumarzen versuchen muffen.

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