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Grundsätze/ Regeln und Gränzen
4. das aufgenommene Fremd-artige in jenen Sprachen, die durch die Sprache zu bewirkende Volksaufkla-rung und Volksvercdclung— den letzten Zweck aller Sprach-ausbildnng, so wie aller Künste und Wissenschaften über-haupt! —> viel weniger, als in der unsrigen, stören, aufhalten und hindern kann.
Diese Unterschiede sind, dünkt mir, eben so augenscheinlich, als groß und wichtig; und ich bin daher— ichmuß kö freimüthig bekennen— ein wenig betroffen gewesen, einen Mann von Gqrvens Scharfsinn folgendermaßenfortfahren zu hören:
„Doch haben wir uns in dieser Absicht auf mannigfaltige Weise zu helfen gewußte
Aber wie haben wir uns ;u helfen gewußt? Und mit welchem Erfolge? Sind die ausländischen Wörter da-durch, daß wir ihnen eine Deutsche oder halbdeutsche Endung anhingen, oder irgend eine Verdrehung damit vornah-men — und selbst dis ist nicht einmahl immer geschehen ■— unserer Sprach-ähnlichkeit wirklich und völlig gemäß ge-macht worden? Sind diese Wörter dadurch denen unter uns, welche die ausländische Sprache, der das fremde Wortabgeborgt wurde, nicht gelernt hatten, verständlich oder nur verständlicher geworden, als sie ihnen vorher waren? Istes uns dadurch gelungen, diese Wörter volksmäßig zu wachen, sie auch bei denjenigen Klassen unter uns, welchekeine fremde Sprachen verflehn — d. i. bei der großen Hauptmasse unserer Völkerschaft -— wirklich in Umlauf zubringen? Ich antworte auf alle diese Fragen mit großer Zuversicht: nein! und bin gewiß, die Wahrheit auf meinerSeite zu haben. Garve fügt hinzu:
„Und da, um ein Wort als einheimisch betrachten zu können, alles darauf ankommt, daß es den Hörendenfaber wohl verstanden , nicht Einem und dem Andern, sondern den allermeisten Hörenden bei einem und ebendemselben Volke) verständ-lich, und den Redenden (aber wiederum, nicht Einem und dem Andern, sondern den allermeisten Redenden) geläufig sei: so dür-fen wir wohl gewisse, bei uns eingeführte Französische Wörter,'als Interesse, Naiv, Genie, wirklich füraufgenommene Deutsche gelten lassen. (Das wolle der Himmel nicht, wenn es anders sein gnädiger Wille ist, daß nicht bloß dirhöhern Stände in Deutschland— eine Handvoll Deutsche—sondern auch das Deutsche Volk, die Deutschen in Masse, nach und nachaufgeklärt und veredelt werden sollen!) Sie sind den Deutschen, welche die Französische Sprache verstehen, und diese ma-chcu einen großen Theil der gesitteten Stände (aber doch wahrlich einen sehr kleinen Theil der ganxen Völkerschaft) aus, nachAussprache und Bedeutung so durchaus bekannt, und kommen denen, welche jene Sprache nicht verstehen, doch inReden und Schriften so oft vor, daß fast keinem Deutschen Ohre diese Töne mehr fremd sind, und den Sprach-wcrkzcugen weniger ihre Aussprache Mühe macht."
Man sieht hier abermahls, daß großer Scharfsinn, mit der reinsten Wahrheitsliebe verbunden, nicht vor Irr-thümcril sichern kaun, sobald wir in Erfahrungssachen über den Kreis unserer eigenen Beobachtung hinauszugehenwagen. G. hat vermuthlich, vermöge seiner Lage, wenig Gelegenheit gehabt, die untern Stände, und von den so-genannten gcstttcren, die größere Hälfte, die keine fremde Sprachen lernt, in der Nähe zu beobachten und durchUmgang oder in Gcschästsvei Haltnissen kennen zu lernen: sonst würde ihm die obige Behauptung nicht entschlüpft seyn.Diese Behauptung enthält nämlich, meiner Beobachtung nach, mehr als Einen Irrthum, und mehr als Eine Un-richtigkeit im Vorkrage. Denn, was zuvörderst die Unrichtigkeiten betrifft, so wird hier
1 . auf einmahl das Vorhergehende, worin von ausländischen Wörtern überhaupt, also auch von Gri-chi scheu und Lateinischen, die Rede war, nur auf einige Französische, und zwar auf solche angewandt,die unsere Sprach-ähnlichkeit noch lauge nicht auf die auffallendste Weise verletzen. Da diese Behauptung das Vor-hergehende, als ein Eefahrungsbewcis, unterstützen sollte: so hätte, schcinl's, aus jeder Sprache, aus der wirbisher Wörter borgten, wenigstens Ein Wort und zwar, Ehrlichkcitshalbcr, lieber ein von der Deutschen Sprach-ei-genlhümlichkeit stark, als schwach abweichendes Wort, zum Beispiel gewählt werden müssen. Aber dann würde dieBehauptung sich von selbst widerlegt haben.
2. Behauptet Hr. G. von diesen unzulänglichen Beispielen auf eine, für seinen Zweck gar nicht hinreichendeWeise: daß die Töne jener Französischen Wörter fast keinem Deutschen Ohre mehr fremd sein, unddaß ihre Aussprache nur noch wenigen Mühe mache. Aber gesetzt, daß dis nicht bloß von diesen, sondern auchvon allen ausländischen Wörtern behauptet werden könnte: so wären damit ja noch nicht alle Bedingungen er-füllt, unter welchen fremde Wörter den einheimischen beigezählt werden können. Dazu wird ja auch noch, wie Hr.G. lclbst einen Augenblick vorher ganz richtig angegeben hatte, erfodert, daß sie den Hörenden (und zwar den mei-sten Hörcndcn) verständlich sein müssen. Wird Hr. G. nun auch dis von den angeführten drei Französischen
Wörter»