der Verdeutschung, v
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„Die Lateinische Sprache hak Grichische Wörter in großer Menge aufgenommen, und nie mehr, als da sieselbst am meisten ausgebildet war. (Das letzte möchte ich zu laugnrn wagen. Die höchste Stuffe der Ausbildung fing die LateinischeSprache an, zu Ciccro's Zeiten und durch Cicero jii ersteigen; aber gerade dieser Cicero war auch der erst,, der die Nothwendigkeit er-rannte, den von den Erichen entlehnten Begriffen eine Römische WorthUlle ju geben, um sie aus den Köpfen und Schriften einiger we-nigen Gelehrten unter das Römische Volk zu bringen.) Die Franzosen haben auf gleiche Weife von den Lateinern und Ita-lienern (Jtaliern), die Engländer von den Franzosen, Wörter sowol, als Redensarten, entlehnt und thun es nochtäglich."
Daß dieses Beispiel der Franzosen und der Engländer, so wie auch das der Jtalier und Spanier, auf unsnicht anwendbar sei, und nicht zum Muster aufgestellt werden dürfe: das würde Hr. G. selbst sehr deutlich erkannthaben, wenn es ihm gefallen hatte, die richtige Bemerkung, die er gleich selbst hinzufügt, einige Augenblicke langerzu verfolgen. Man höre
„Nur ein einziger Umstand (und zwar ein sehr wichtiger, ein entscheidender Haupt-umstand !) hat diese allgemeine Ge-wohnheit der Völker, Wörter von früher aufgeklärten Ausländern zu borgen, für uns Deutsche unbequemer gemacht,(nur unbequemer? Nicht auch schädlicher für «iiscrc gesammtc Volksausbildung?) alS sie für unsere südlichen und westli-chen Nachbaren geworden ist. Die Sprachen dieser sind (mehr oder weniger) aus dem Lateinischen entstanden. — DieserUmstand macht, daß die Franzosen und Engländer die wissenschaftlichen Wörter der Lateiner — und jede dieser Na-tionen (Völkerschaften) die ihr gefallenden Idiomen (Sprach-eigenhciten) der andern leicht in ihre Sprachen haben über-tragen , und durch kleine Veränderungen , den Analogien (der Gleichförmigkeit) derselben völlig anpassen können. In derDeutschen Sprache, als einer ursprünglichen, ist dis unmöglich gewesen."
Bleiben wir bei diesem wichtigen Umstände einen Augenblick stehen, um die großen Unterschiede zu bemerken,die daraus zwischen jenen und dieser in Ansehung der Aufnahme fremder Ausdrücke hervorspringen. Da die genann-ten Sprachen, wenigstens theilsweise, aus der Lateinischen entstanden sind, so folgt:
1. daß, wenn sie Wörter aus dem Lateinischen oder aus einer andern damit verwandten Sprache entlehnten,rhre Gleichförmigkeit dadurch entweder gar nicht verletzt, oder daß diese Verletzung durch eine, ihrer Gleichförmig-keit gemäße, geringe Abänderung der Wörter leicht vermieden werden konnte; welches hingegen bey der unsrigen,als einer Ursprache, nur in höchstscltcncn Fällen und auch dann nur einigermaßen, nie völlig, thunlich war. Wennz. B. die Franzosen das Lateinische Wort Eontraclictio aufnehmen wollten: so brauchten sie nur ein n daran zu hän-gen um das Wort, wie andere Französische Wörter, die mit icm endigen, auszusprechcn; und es wäre von demAugenblicke an vollkommen Französisch. Wenn wir hingegen, die wir in unserer ganzen Sprache keine Wörter inion haben, das nämliche damit thun: so entsteht ein unsere Sprache verunstaltendes Zwitterwort, welches die al-lermeisten Deutschen nicht einmahl über die Zunge bringen können, sondern es erst in Cunterdiktschovn ver-wandeln müssen.
2 . Daß die genannten Sprachen bei der Aufnahme eines solchen fremden Worts gemeiniglich, entweder schon dasStammwort desselben, oder doch ein damit verwandtes anderes Wort besaßen, wodurch ihnen das Verstehen desaufzunehmenden fremden Worts gar sehr erleichtert ward; welches in unserer Sprache abcrmahls, entweder nie, oderdoch nur in seltenen Fällen — wenn nämlich unsere und die fremde Sprache, woraus entlehnt wird, zufälliger Weisedas Stammwort des Entlehnten mit einander gemein haben — der Fall ist. Indem z. B. die Franzosen, um beidem angeführten Beispiele stehen zu bleiben, das Lateinische Wort Contradictio aufnahmen, so hatten sie schon contrefür contra, und dire für dicere; und es konnte daher keinem unter ihnen schwer fallen, mit dem neuaufgenomme-nen Worte Contrediction sogleich den rechten Begriff zu verbinden. Wir hingegen, die wir für connu wider, undfür dicere sagen, reden oder sprechen haben, finden in den einzelnen Theilen des Worts contradictio auchnicht Einen, für uns bemerkbaren Bezug auf den Begriff desselben; es ist also für uns (in sofern wir nur Deutschverstehen) ein völlig willkührlichcr Schall, ohne alle Bedeutung.
3 - Daß, um beider Ursachen willen, das fremde Wort in jenen Sprachen leicht, nicht nur allgemein ver-ständlich und volksmäßig gemacht, sondern auch in Umlauf gebracht und eingebürgert werden konnte: welches in derunsrigen abermahls nur in sehr seltenen Fällen — wenn nämlich das fremde Wort ein sinnliches Einzelding, nichtetwas abgezogenes und allgemeines, bezeichnete und zugleich unsere Sprach-ähnlichkeit nicht zu auffallend beleidigte—■geschehen konnte. Und die unverkennbare Folge davon also ist, daß
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